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Hell is Us (PS5) im Test

  • Autorenbild: playmoregames
    playmoregames
  • 1. Mai
  • 3 Min. Lesezeit

Mit Hell is Us schlägt Entwickler Rogue Factor einen Weg ein, den sich heute nur noch wenige große Produktionen trauen: ein Action-Adventure ohne Navigationshilfen, ohne Questmarker und ohne die übliche Reizüberflutung moderner Open Worlds. Stattdessen setzt das Spiel konsequent auf Eigeninitiative, Wahrnehmung und die Bereitschaft, sich in einer fremden, feindseligen Welt zurechtzufinden. Das Ergebnis ist ein ungewöhnlich intensives Erlebnis, das jedoch nicht jedem Spielertyp entgegenkommt.


Die Handlung führt in das fiktive, vom Bürgerkrieg zerrissene Land Hadea. Inmitten politischer Gewalt breitet sich eine mysteriöse Katastrophe aus, die groteske Kreaturen hervorbringt – Wesen, die modernen Waffen trotzen und scheinbar mit uralten Monumenten der Region verbunden sind. Protagonist Remi kehrt in dieses isolierte Gebiet zurück, um die eigene Vergangenheit zu ergründen und die Motive seiner Eltern zu verstehen, die ihn einst außer Landes brachten. Dabei wird seine persönliche Suche untrennbar mit dem größeren Mysterium der sogenannten „Kalamität“ verknüpft.

Erzählerisch geht Hell is Us bewusst einen zurückhaltenden Weg. Statt klar strukturierter Narrative und inszenierter Zwischensequenzen setzt das Spiel auf Fragmente, Andeutungen und Umwelt-Storytelling. Gerade zu Beginn wirkt das sperrig und erschwert den Zugang zur Geschichte. Erst mit der Zeit fügen sich die einzelnen Puzzleteile zusammen und entfalten eine thematische Tiefe, die sich vor allem um menschliche Gewalt als wiederkehrenden Kreislauf dreht. Diese subtile Herangehensweise ist reizvoll, verlangt aber Geduld.


Das eigentliche Herzstück des Spiels ist jedoch die Erkundung. Ohne Karte, Kompass oder Markierungen wird Orientierung zur aktiven Aufgabe. Hinweise ergeben sich aus Dialogen, der Umgebung oder markanten Landmarken. Dieses System erzeugt eine bemerkenswerte Immersion, da Fortschritt nicht durch das Abarbeiten von Symbolen entsteht, sondern durch echtes Verstehen der Welt. Gleichzeitig führt dieser Ansatz unweigerlich zu Momenten der Unsicherheit und gelegentlichen Frustration – ein bewusster Teil des Designs, der nicht jeden überzeugen dürfte. Die Spielwelt selbst präsentiert sich als semi-offenes Gebiet, geprägt von verlassenen Ortschaften, überwucherten Ruinen und stillen Landschaften.

Alles wirkt verfallen, aber nicht leblos, vielmehr entsteht der Eindruck, dass die Natur langsam die Kontrolle zurückgewinnt. Diese visuelle Gestaltung trägt maßgeblich zur dichten Atmosphäre bei, die zu den größten Stärken des Spiels zählt. Im Kontrast zur ruhigen Erkundung stehen die Kämpfe, die eine zweite zentrale Säule bilden. Obwohl Hell is Us kein klassisches Hardcore-Actionspiel ist, verlangt das Kampfsystem Aufmerksamkeit und Anpassungsfähigkeit. Verschiedene Nahkampfwaffen wie Schwerter, Speere und Äxte kommen zum Einsatz, ergänzt durch spezielle Fähigkeiten und die Drohne „KAPI“. Letztere erweist sich als vielseitiges Werkzeug: Sie kann Gegner ablenken, taktische Vorteile verschaffen und dient gleichzeitig zur Entschlüsselung fremder Schriftzeichen, wodurch zusätzliche Hintergrundinformationen zugänglich werden.


Das Kampfsystem bleibt dabei zugänglich, ohne an Tiefe zu verlieren, und fügt sich sinnvoll in das Gesamterlebnis ein. Besonders hervorzuheben ist die audiovisuelle Inszenierung. Anstelle eines dominanten Soundtracks setzt das Spiel auf Zurückhaltung: leise Umgebungsgeräusche, Wind, ferne Klänge und plötzliche akustische Spitzen in Gefahrensituationen erzeugen eine unterschwellige Spannung. Diese reduzierte Klangkulisse verstärkt die ohnehin schon dichte, melancholische Stimmung und sorgt für ein konstant präsentes Gefühl der Fremdheit.

Technisch präsentiert sich Hell is Us solide, ohne Maßstäbe zu setzen. Die Umgebungen sind stimmungsvoll und detailverliebt gestaltet, während Animationen und Texturen nicht immer auf höchstem Niveau liegen. Insgesamt ergibt sich ein stimmiges, wenn auch nicht herausragendes Gesamtbild, das funktional überzeugt und die Atmosphäre unterstützt.


Hell is Us ist ein bewusst unbequemes Spiel, das sich klar gegen etablierte Designkonventionen stellt. Es fordert Aufmerksamkeit, Geduld und die Bereitschaft, sich aktiv auf seine Welt einzulassen. Wer genau das sucht, wird mit einem intensiven, eigenständigen Abenteuer belohnt, das lange nachwirkt. Wer hingegen klare Führung, permanente Belohnungssysteme und eine direkt zugängliche Erzählweise erwartet, dürfte sich schwerer tun.



Fakten:

 

Genre: Action & Adventure

Erscheinungsdatum: 04.09.2025

Publisher: NACON

Entwickler: Rogue Factor

Spieler: 1

Altersfreigabe: ab 16 Jahre

Preis: ab 59,99 Euro (PlayStation 5, Xbox Series X|S, PC)

Offizielle Website: https://www.nacongaming.com/


Bewertung:

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