top of page

The 7th Guest Remake (PS5) im Test

  • Autorenbild: playmoregames
    playmoregames
  • vor 1 Stunde
  • 4 Min. Lesezeit

Nur wenige Adventures genießen einen ähnlich legendären Ruf wie The 7th Guest. Als das Original Anfang der 1990er-Jahre erschien, gehörte es zu den technisch beeindruckendsten Titeln seiner Zeit und trug maßgeblich dazu bei, interaktive Geschichten auf CD-ROM populär zu machen. Mehr als drei Jahrzehnte später kehrt das düstere Rätselabenteuer zurück – nicht als einfache Neuauflage, sondern als vollständig neu entwickeltes Remake, das die Grundidee des Klassikers mit moderner Technik verbindet.


Die Herausforderung dabei ist enorm: Einerseits erwarten Fans den unverwechselbaren Charme des Originals, andererseits muss das Spiel heutigen Ansprüchen an Präsentation, Komfort und Spieldesign gerecht werden. Erfreulicherweise gelingt den Entwicklern dieser Balanceakt erstaunlich gut.

Im Zentrum der Handlung steht erneut die berüchtigte Villa des exzentrischen Spielzeugmachers Henry Stauf. Sechs Gäste folgen einer mysteriösen Einladung und finden sich in einem Anwesen wieder, das mehr Fragen aufwirft als Antworten liefert. Schon bald wird deutlich, dass jeder Besucher seine eigenen Geheimnisse mitbringt und dass Stauf selbst ein weit größeres Spiel verfolgt, als zunächst erkennbar ist. Während der Erkundung begegnen wir den geisterhaften Abbildern der Gäste, erleben Fragmente ihrer Vergangenheit und setzen nach und nach die düsteren Ereignisse zusammen, die sich innerhalb der Mauern der Villa abgespielt haben.


Die Geschichte entfaltet sich dabei bewusst langsam und lebt von ihrer geheimnisvollen Atmosphäre. Statt auf schnelle Wendungen oder übertriebene Schockeffekte zu setzen, baut das Spiel kontinuierlich Spannung auf und motiviert dazu, tiefer in die Vergangenheit des Hauses einzutauchen. Besonders gelungen ist die neue Inszenierung der Charaktere. Die ursprünglich verwendeten FMV-Sequenzen wurden durch moderne volumetrische Aufnahmen ersetzt. Die Figuren erscheinen dadurch als dreidimensionale Erscheinungen innerhalb der Spielwelt und wirken deutlich greifbarer als ihre Vorbilder aus den 1990er-Jahren. Dieser technische Schritt verleiht der Erzählung eine beeindruckende Präsenz und sorgt dafür, dass die Geister tatsächlich wie Bewohner des Hauses wirken.

Das Herzstück von The 7th Guest Remake sind nach wie vor seine Rätsel. Anders als viele moderne Horrorspiele verzichtet das Abenteuer nahezu vollständig auf Action oder Kampfsequenzen und konzentriert sich stattdessen auf das, was den Klassiker einst auszeichnete: das Lösen cleverer Denkaufgaben. Dabei zeigt sich schnell, wie viel Arbeit in die Neuinterpretation geflossen ist. Zahlreiche Rätsel wurden überarbeitet, neu strukturiert oder vollständig ersetzt. Dadurch profitieren nicht nur Neueinsteiger, sondern auch Kenner des Originals, die sich nicht einfach auf alte Erinnerungen verlassen können.


Die Vielfalt der Aufgaben sorgt über die gesamte Spielzeit hinweg für Abwechslung. Mal sind logisches Denken und Beobachtungsgabe gefragt, dann wieder das Erkennen von Mustern oder das geschickte Kombinieren verschiedener Hinweise. Besonders positiv fällt auf, wie eng die Rätsel mit den jeweiligen Räumen und deren Hintergrundgeschichten verknüpft sind. Statt wie isolierte Spielmechaniken zu wirken, fügen sie sich nahtlos in die Welt ein und tragen aktiv zum Erzählen der Geschichte bei. Ebenso gelungen ist das moderne Hinweissystem. Wer einmal nicht weiterkommt, erhält nach und nach dezente Hilfestellungen, ohne dass die Lösung direkt vorweggenommen wird.

Dadurch bleibt die Herausforderung erhalten, während unnötiger Frust vermieden wird.

Die größte Stärke des Remakes liegt zweifellos in seiner Inszenierung. Die Villa ist weit mehr als nur ein Schauplatz – sie wird selbst zu einer zentralen Figur der Geschichte. Jeder Raum besitzt seinen eigenen Charakter und steckt voller Details, die zum Entdecken einladen. Verstaubte Möbel, versteckte Botschaften, alte Spielzeuge und zahllose kleine Hinweise erzählen von den Ereignissen, die sich hier einst abgespielt haben. Das Anwesen wirkt gleichermaßen verlassen und lebendig, als würde hinter jeder Tür ein weiteres Geheimnis warten. Einen wesentlichen Beitrag dazu leistet die hervorragende Lichtstimmung. Flackernde Kerzen, lange Schatten und gezielt eingesetzte Beleuchtungseffekte erzeugen eine konstant angespannte Atmosphäre.


Das Spiel setzt dabei weniger auf plötzliche Schreckmomente als auf ein dauerhaftes Gefühl des Unbehagens – und genau darin liegt seine größte Stärke. Besonders beeindruckend sind die volumetrischen Geistererscheinungen. Ihre Präsenz innerhalb der Spielwelt wirkt zugleich faszinierend und verstörend. Selten wurden übernatürliche Figuren so überzeugend in ein Adventure integriert. Auf der PlayStation 5 hinterlässt das Remake einen durchweg positiven Eindruck. Die Villa wurde vollständig neu aufgebaut und präsentiert sich mit detaillierten Umgebungen, stimmungsvollen Effekten und einer gelungenen Gesamtästhetik. Die technische Umsetzung sorgt dafür, dass die düstere Atmosphäre jederzeit glaubwürdig bleibt.

Auch die Performance gibt kaum Anlass zur Kritik. Ladezeiten fallen angenehm kurz aus und während des Testzeitraums traten keine gravierenden technischen Probleme auf. Die Steuerung funktioniert trotz der VR-Wurzeln überraschend gut. Interaktionen gehen leicht von der Hand, Objekte lassen sich komfortabel untersuchen und die Navigation durch das Anwesen gelingt präzise. Lediglich die standardmäßige Bewegungsgeschwindigkeit wirkt zunächst etwas träge. Eine Anpassung der Empfindlichkeit schafft hier jedoch schnell Abhilfe und verbessert das Spielgefühl spürbar.


Mindestens ebenso wichtig wie die Optik ist die akustische Gestaltung. Das Sounddesign gehört zu den größten Stärken des Spiels und trägt entscheidend zur Wirkung der Villa bei.

Knarrende Holzböden, entfernte Stimmen, leise Geräusche aus dunklen Fluren und plötzlich zuschlagende Türen erzeugen ein permanentes Gefühl der Unsicherheit. Die Musik hält sich meist dezent im Hintergrund und setzt gezielt emotionale Akzente, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Die englische Sprachausgabe liefert eine solide bis gute Leistung und verleiht den Figuren ausreichend Persönlichkeit. Die deutschen Untertitel sind sauber lokalisiert und ermöglichen es auch Spielern ohne Englischkenntnisse, der Handlung problemlos zu folgen.

The 7th Guest Remake beweist eindrucksvoll, wie eine moderne Neuinterpretation eines Kultklassikers aussehen kann. Statt lediglich die Grafik aufzuwerten, wurde das gesamte Spielerlebnis behutsam modernisiert und an heutige Erwartungen angepasst. Die spannende Mystery-Geschichte, die hervorragende Atmosphäre, die clever überarbeiteten Rätsel und die innovative Präsentation der Geisterfiguren machen das Abenteuer zu einer der interessantesten Neuauflagen der letzten Jahre. Gleichzeitig bewahrt das Spiel genau jene Elemente, die das Original einst so besonders machten. Wer sich auf das entschleunigte Tempo einlässt und Freude an Erkundung, Rätseln und atmosphärischem Storytelling hat, erhält ein außergewöhnliches Abenteuer, das lange in Erinnerung bleibt. Action steht hier bewusst nicht im Mittelpunkt – dafür bietet The 7th Guest Remake ein intensives, stimmungsvolles und intelligent gestaltetes Spielerlebnis, das eindrucksvoll zeigt, warum dieser Klassiker bis heute einen festen Platz in der Spielegeschichte besitzt.



Fakten:

 

Genre: Puzzle & Rätselspiel

Erscheinungsdatum: 04. Juni 2026

Publisher: Vertigo Games

Entwickler: Vertigo Games

Spieler: 1

Altersfreigabe: ab 16 Jahre

Preis: ab 19,99 Euro (PlayStation 5, Xbox Series X|S, PC)

Offizielle Website: https://the7thguestremake.com/


Bewertung:

© Urheberrecht PlayMoreGames. Verwendung von Text und Bildern nur mit schriftlicher Geneh­migung des Autors gestattet.


Kommentare


bottom of page