Copa City (PS5) im Test
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- vor 18 Stunden
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Wenn Zehntausende Fans durch die Straßen strömen, Sicherheitskräfte an neuralgischen Punkten Stellung beziehen und rund um das Stadion die letzten Vorbereitungen laufen, ist der eigentliche Anpfiff oft nur die Spitze des Eisbergs. Hinter jedem großen Fußballspiel verbirgt sich ein logistischer Kraftakt, der normalerweise im Schatten des Geschehens auf dem Rasen stattfindet. Genau diesen Blick hinter die Kulissen wagt Copa City – und hebt sich damit bereits in den ersten Minuten deutlich von nahezu jedem anderen Fußballspiel auf dem Markt ab.
Anstatt Spieler zu verpflichten, Taktiken auszutüfteln oder selbst Tore zu schießen, schlüpfen wir in die Rolle eines Veranstaltungsmanagers. Unsere Aufgabe: Ein Fußball-Großereignis organisieren, das sowohl wirtschaftlich erfolgreich als auch für Fans, Vereine und Medien ein voller Erfolg wird. Was zunächst wie eine ungewöhnliche Nischenidee klingt, entpuppt sich schnell als überraschend komplexe Management-Simulation mit einigen frischen Ansätzen – aber auch deutlichen Schwächen.

Copa City versteht Fußball nicht als Sport, sondern als gesellschaftliches Ereignis. Bevor der Ball überhaupt rollt, müssen Fanzonen errichtet, Versorgungsangebote geplant, Verkehrsströme gelenkt und Sicherheitskonzepte ausgearbeitet werden. Gleichzeitig gilt es, die Erwartungen der Vereine, Sponsoren und Besucher zu erfüllen. Dabei entsteht ein Spielprinzip, das eher an einen Event-Manager oder Städteplaner erinnert als an einen klassischen Fußballtitel. Jede Entscheidung beeinflusst mehrere Systeme gleichzeitig. Investieren wir in zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen, bleibt möglicherweise weniger Budget für Unterhaltung oder Infrastruktur. Vernachlässigen wir die Bedürfnisse der Fans, drohen schlechte Bewertungen und finanzielle Einbußen.
Gerade diese Wechselwirkungen gehören zu den größten Stärken des Spiels. Copa City vermittelt glaubhaft, wie viele Faktoren zusammenspielen müssen, damit aus einem Fußballspiel ein gelungenes Großereignis wird. Besonders gelungen ist die Präsentation der Austragungsorte. Berlin, Warschau und Rio de Janeiro unterscheiden sich nicht nur optisch, sondern vermitteln auch ein eigenes Flair. Wahrzeichen, Straßenzüge und Stadien verleihen den Schauplätzen einen hohen Wiedererkennungswert. Hinzu kommen lizenzierte Vereine wie Arsenal, Bayern München, Borussia Dortmund, Flamengo oder Beşiktaş.

Die unterschiedlichen Fanlager bringen ihre eigenen Farben, Stimmungen und Erwartungen mit, wodurch die Veranstaltungen spürbar lebendiger wirken. Zwar erreicht die Simulation nicht die Detailtiefe großer Städtebau-Spiele, doch die Atmosphäre eines wichtigen Fußballspiels wird erstaunlich überzeugend eingefangen. Vor allem dann, wenn sich die Straßen füllen und die Spannung vor dem Anpfiff spürbar steigt. So interessant die Grundidee auch ist, der Einstieg gestaltet sich unnötig schwierig. Das Tutorial erklärt zwar die wichtigsten Mechaniken, schafft es jedoch nur selten, diese verständlich zu vermitteln.
Regelmäßig werden Aufgaben gestellt, ohne dass das Spiel ausreichend erklärt, wo die benötigten Funktionen überhaupt zu finden sind.
Dadurch entsteht weniger das Gefühl eines Lernprozesses als vielmehr das einer mühsamen Suche durch Menüs und Kartenansichten. Auch später bleibt die Benutzerführung die größte Schwachstelle des Spiels. Viele Menüs wirken überladen, manche Funktionen sind umständlich erreichbar und die Steuerung fühlt sich insbesondere bei der Stadtplanung unnötig hakelig an. Hier fehlt es spürbar an Komfort und Feinschliff. Je länger man spielt, desto deutlicher wird jedoch ein weiteres Problem. Hinter den zahlreichen Management-Systemen steckt weniger Tiefe, als es zunächst den Anschein hat. Die Bedürfnisse der Fans werden häufig auf simple Werte reduziert. Fehlt Unterhaltung, werden zusätzliche Attraktionen platziert. Mangelt es an Verpflegung, baut man weitere Verkaufsstände.
Die Lösungen wirken oft mechanisch und vorhersehbar. Gerade weil die Grundidee so stark ist, fällt dieses verschenkte Potenzial besonders auf. Man wünscht sich komplexere Zusammenhänge, mehr unvorhersehbare Ereignisse und Entscheidungen, die nachhaltigere Auswirkungen auf den Spielverlauf haben. Trotz dieser Kritik entwickelt Copa City nach einigen Stunden eine bemerkenswerte Eigendynamik. Wer Freude daran hat, Systeme zu analysieren und Abläufe zu optimieren, findet hier eine Vielzahl an Stellschrauben. Mit jedem erfolgreich organisierten Spiel wächst der Ehrgeiz, die nächste Veranstaltung noch effizienter zu gestalten. Genau dann entfaltet die Simulation ihren größten Reiz. Aus kleinen Verbesserungen entstehen spürbare Erfolge, die den Spieler langfristig motivieren.
Copa City ist kein Spiel über Fußball – es ist ein Spiel über alles, was Fußball erst möglich macht. Triple Espresso liefert eine ungewöhnliche und mutige Management-Simulation, die eine bislang kaum beachtete Seite des Sports in den Mittelpunkt rückt. Die kreative Grundidee, die authentische Atmosphäre und das motivierende Mikromanagement machen den Titel zu einer interessanten Alternative für Strategiefans. Gleichzeitig verhindern die schwache Benutzerführung, der holprige Einstieg und die teilweise zu oberflächlichen Spielsysteme den Sprung in die Spitzengruppe des Genres. Dennoch bleibt Copa City ein erfrischend anderer Vertreter seiner Art. Wer Freude an Planung, Organisation und wirtschaftlicher Optimierung hat, erhält hier eine Simulation, die zwar nicht ihr gesamtes Potenzial ausschöpft, aber dennoch viele spannende Stunden bieten kann.
Fakten:
Genre: Simulation
Erscheinungsdatum: 16. Juni 2026
Publisher: Triple Espresso
Entwickler: Triple Espresso
Spieler: 1
Altersfreigabe: ab 0 Jahre
Preis: ab 39,99 Euro (PlayStation 5, Xbox Series X|S, PC)
Offizielle Website: https://copacity.club/
Bewertung:

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