GreedFall: The Dying World (PS5) im Test
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- 5. Apr.
- 3 Min. Lesezeit

Mit GreedFall: The Dying World knüpft Spiders Studio an die Stärken des ersten Teils an, entwickelt das Konzept jedoch spürbar weiter. Statt auf große Innovationen setzt das Studio auf gezielten Feinschliff – und genau das erweist sich als richtige Entscheidung. Schon GreedFall überzeugte durch seine ungewöhnliche Welt und die starke Entscheidungsfreiheit, und das Prequel baut diese Qualitäten konsequent aus.
Im Mittelpunkt steht diesmal ein Perspektivwechsel, der der Geschichte deutlich mehr Gewicht verleiht. Als Einheimischer der Insel Teer Fradee wird man gewaltsam auf den vom Krieg zerrissenen Kontinent Gacane verschleppt, wo neben politischen Konflikten auch die tödliche Krankheit Malichor wütet. Diese Ausgangslage sorgt für eine dichte, oft düstere Atmosphäre und eine Handlung, die von moralischen Grauzonen lebt. Entscheidungen fühlen sich selten eindeutig richtig oder falsch an, vielmehr muss man immer wieder abwägen, welche Konsequenzen man in Kauf nimmt. Die Erzählweise ist dabei ruhig, aber konsequent, und entfaltet ihre Stärke vor allem in den vielen Verzweigungen und Reaktionen der Spielwelt.

Auch spielerisch bleibt sich das Spiel treu, wirkt jedoch insgesamt runder. Die Welt ist offen gestaltet, ohne dabei in Beliebigkeit zu verfallen. Statt einer riesigen Sandbox erwartet die Spielenden eine strukturierte, glaubwürdig aufgebaute Umgebung mit lebendigen Städten, abwechslungsreichen Regionen und zahlreichen Nebenquests, die sinnvoll in das Gesamtbild eingebettet sind. Klassische Komfortfunktionen wie Schnellreise, Questlog oder Crafting-Systeme greifen gut ineinander und unterstützen den Spielfluss, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.
Eine der deutlichsten Verbesserungen zeigt sich im Kampfsystem, das sich klar an taktischen Rollenspielen wie Dragon Age: Origins orientiert. Echtzeitgefechte werden mit einer jederzeit aktivierbaren Pause kombiniert, die es erlaubt, das Kampfgeschehen zu analysieren und gezielt Befehle zu erteilen. Anfangs wirkt dieses System etwas sperrig und verlangt Eingewöhnung, doch mit zunehmender Spieldauer entfaltet sich eine angenehme strategische Tiefe. Besonders in anspruchsvolleren Kämpfen zahlt sich die Kontrolle über die Gruppe aus, auch wenn die KI der Begleiter nicht immer fehlerfrei agiert.

Apropos Begleiter: Die acht rekrutierbaren Charaktere gehören zu den größten Stärken des Spiels. Sie bringen eigene Geschichten, persönliche Quests und individuelle Reaktionen mit, wodurch sie weit mehr sind als bloße Unterstützung im Kampf. Beziehungen entwickeln sich dynamisch und können von Freundschaft über Rivalität bis hin zu romantischen Bindungen reichen. Diese Interaktionen verleihen dem Abenteuer zusätzliche emotionale Tiefe und sorgen dafür, dass Entscheidungen nicht nur die Welt, sondern auch das eigene Team spürbar beeinflussen.
Technisch bewegt sich GreedFall: The Dying World im gehobenen Mittelfeld. Die Umgebungen sind detailreich gestaltet, die Inszenierung stimmungsvoll und der Soundtrack unterstreicht die melancholische Grundatmosphäre wirkungsvoll. Kleinere Schwächen wie gelegentliche Ruckler oder unsaubere Animationen fallen zwar auf, beeinträchtigen das Spielerlebnis insgesamt aber nur gering.
Unterm Strich bietet das Spiel ein umfangreiches Rollenspielerlebnis mit einer Spielzeit von rund 30 Stunden für die Hauptgeschichte und deutlich mehr für alle, die sich intensiv mit Nebeninhalten beschäftigen. Durch unterschiedliche Lösungswege, Fraktionsentscheidungen und Begleiterdynamiken entsteht zudem ein solider Wiederspielwert.
GreedFall: The Dying World ist ein durchdachtes, atmosphärisch dichtes Rollenspiel, das seine Stärken gezielt ausbaut, ohne sich in übermäßigen Neuerungen zu verlieren. Die Mischung aus erzählerischer Tiefe, taktischen Kämpfen und lebendigen Charakteren macht es zu einem der interessantesten Genrevertreter jenseits großer AAA-Produktionen. Kleinere technische Schwächen und ein etwas holpriger Einstieg trüben das Gesamtbild nur leicht.
Fakten:
Genre: Action & Adventure, Rollenspiel
Erscheinungsdatum: 12. März 2026
Publisher: NACON
Entwickler: Spiders Studio
Spieler: 1
Altersfreigabe: ab 16 Jahre
Preis: ab 59,99 Euro (Playstation 5, Xbox Series X|S, PC)
Offizielle Website: https://www.nacongaming.com/
Bewertung:

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