Pragmata (PS5) im Test
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- vor 4 Tagen
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Mit Pragmata liefert Capcom eines der ungewöhnlichsten und atmosphärisch dichtesten Sci-Fi-Action-Adventures der letzten Jahre ab. Nach einer langen und von Verschiebungen geprägten Entwicklungszeit schien das Projekt zwischenzeitlich beinahe in Vergessenheit geraten zu sein. Umso beeindruckender ist nun das fertige Ergebnis: Pragmata erweist sich nicht als bloßes Technikexperiment oder stilisierte Konzeptstudie, sondern als überraschend reifes, spielerisch anspruchsvolles und emotional erstaunlich greifbares Abenteuer, das seine Stärken vor allem aus seiner kompromisslosen Atmosphäre und dem hervorragend verzahnten Gameplay zieht.
Die Geschichte von Pragmata beginnt auf einer verlassenen Mondforschungsstation, die nach einem katastrophalen Zwischenfall jeglichen Kontakt zur Erde verloren hat. Spieler schlüpfen in die Rolle von Hugh Williams, einem Mitglied eines Einsatzteams, das die Ursache der Funkstille untersuchen sollte. Doch schon kurz nach der Ankunft eskaliert die Situation vollständig. Die Station versinkt im Chaos, Hughs Einheit wird ausgelöscht und der verletzte Soldat bleibt isoliert inmitten einer feindlichen Umgebung zurück. Seine einzige Überlebenschance ist die Androidin Diana, die ihn rettet und fortan begleitet.

Was zunächst wie eine vertraute Science-Fiction-Prämisse wirkt, entwickelt sich schnell zu einem der größten Stärken des Spiels. Hugh und Diana tragen Pragmata nahezu vollständig auf ihren Schultern — und das überraschend souverän. Hugh ist kein überzeichneter Superheld, sondern ein erschöpfter Soldat, der zunehmend an seine Grenzen gerät. Diana wiederum ist weit mehr als nur ein KI-Begleiter. Ihre Rolle zieht sich konsequent durch sämtliche Systeme des Spiels und beeinflusst Kämpfe, Rätsel, Erkundung und Progression gleichermaßen.
Gerade spielerisch hebt sich Pragmata dadurch deutlich von vielen Genrevertretern ab. Während Hugh aktiv kämpft, Gegner kontrolliert und permanent in Bewegung bleiben muss, manipuliert Diana über ihre Hacking-Fähigkeiten feindliche Systeme, öffnet Schwachstellen oder deaktiviert Verteidigungsmechanismen. Dieses Zusammenspiel erzeugt einen ungewöhnlich taktischen Spielfluss, der deutlich mehr Aufmerksamkeit verlangt, als es die ersten Trailer vermuten ließen. Besonders bemerkenswert ist dabei das Ressourcenmanagement. Munition bleibt knapp, Heilung ist limitiert und Fehler werden konsequent bestraft.

Statt auf reine Daueraction setzt Pragmata auf kontrollierte Spannung. Jeder Kampf wirkt gefährlich, jede Begegnung potenziell tödlich. Dabei erinnert das Spiel stellenweise an moderne Survival-Action-Titel wie Resident Evil 2 oder Dead Space, ohne jedoch vollständig in klassischen Horror abzudriften. Die permanente Anspannung entsteht weniger durch Schockeffekte als durch das Gefühl, ständig unterlegen zu sein. Gegner greifen aggressiv an, positionieren sich intelligent und bestrafen unüberlegte Aktionen sofort. Gleichzeitig bleibt das Balancing fair. Checkpoints sind sinnvoll gesetzt und das Spiel motiviert dazu, aus Fehlern zu lernen, statt Frust zu erzeugen.
Einen großen Anteil daran hat auch das ausgezeichnete Progressionssystem. Im zentralen Hub-Bereich lassen sich gefundene Waffen über industrielle 3D-Drucker rekonstruieren und verbessern. Ressourcen wie Lunafilament dienen dabei als wertvolle Währung für Upgrades, zusätzliche Fähigkeiten oder verbesserte Heilung. Besonders clever: Sekundärwaffen gehen dauerhaft verloren, sobald ihre Munition vollständig verbraucht wurde. Dadurch erhalten selbst kleinere Entscheidungen plötzlich strategisches Gewicht. Diese Mechanik zwingt Spieler permanent dazu, Prioritäten zu setzen. Investiere ich Ressourcen in stärkere Feuerkraft, zusätzliche Mobilität oder langfristige Überlebensfähigkeit? Genau diese Abwägungen verleihen Pragmata eine spielerische Tiefe, die man im Genre nur noch selten findet.

Auch das Leveldesign überzeugt auf ganzer Linie. Die Mondstation wirkt nicht wie eine lineare Abfolge von Arenen, sondern wie ein glaubwürdiger Ort mit komplexer Struktur. Verwinkelte Forschungslabore, riesige Produktionsanlagen, beschädigte Wartungstunnel und alternative Routen sorgen konstant für Entdeckungsdrang. Immer wieder stößt man auf optionale Bereiche, versteckte Ressourcen oder Sammelobjekte, die nicht nur spielerische Belohnungen bieten, sondern zusätzlich kleine Einblicke in die Welt und ihre Bewohner liefern. Besonders gelungen sind dabei die ruhigeren Momente zwischen Hugh und Diana. Kleine Dialoge, optionale Interaktionen oder Fundstücke, die Diana geschenkt werden können, verleihen der Beziehung der beiden Figuren eine unerwartete Wärme.
Gerade dieser Kontrast zwischen emotionaler Nähe und technischer Kälte macht einen großen Teil der Atmosphäre aus. Visuell gehört Pragmata ohnehin zu den beeindruckendsten Spielen von Capcom. Die sterile Mondarchitektur, gigantischen Fertigungsanlagen und verlassenen Forschungsbereiche erzeugen eine einzigartige Mischung aus Isolation und futuristischer Faszination. Licht- und Schatteneffekte werden dabei hervorragend eingesetzt, um Spannung aufzubauen. Flackernde Warnleuchten, metallisch reflektierende Korridore und die allgegenwärtige Leere des Weltraums erschaffen eine fast schon bedrückende Grundstimmung, die das gesamte Abenteuer trägt.

Das absolute Highlight des Spiels sind jedoch die Bosskämpfe. Besonders die Begegnungen mit den gigantischen Kampf-Mechs demonstrieren eindrucksvoll, wie perfekt die einzelnen Systeme inzwischen ineinandergreifen. Während Diana Schwachstellen hackt und Verteidigungen manipuliert, muss Hugh permanent in Bewegung bleiben, Raketen ausweichen und kurze Schadensfenster optimal ausnutzen. Diese Kämpfe fühlen sich intensiv, chaotisch und gleichzeitig erstaunlich präzise an. Jeder Sieg wirkt verdient und nie bloß geskriptet.
Natürlich bleibt auch Pragmata nicht völlig frei von Schwächen. Einige spätere Areale wiederholen bestimmte Gegnertypen etwas zu häufig und gelegentlich verliert die Geschichte minimal an Tempo, wenn sich längere Erkundungsphasen zwischen größere Storymomente schieben. Auch die Steuerung wirkt in besonders hektischen Kämpfen stellenweise leicht überladen. Diese Kritikpunkte fallen jedoch kaum ins Gewicht angesichts der enormen Stärken des Gesamtpakets.
Was Pragmata letztlich so besonders macht, ist seine klare kreative Identität. Das Spiel versucht nicht, Trends hinterherzulaufen oder bekannte Sci-Fi-Versatzstücke einfach nur neu zu arrangieren. Stattdessen kombiniert Capcom Survival-Elemente, taktische Action, emotionale Charakterdynamik und atmosphärische Science Fiction zu einem Erlebnis, das sich trotz offensichtlicher Einflüsse erstaunlich eigenständig anfühlt. Nach Jahren der Unsicherheit hat sich Pragmata damit als eines der stärksten und mutigsten Projekte von Capcom entpuppt. Wenn moderne Science-Fiction-Spiele oft zwischen reiner Action und sterilem Technikfetischismus schwanken, gelingt Pragmata etwas deutlich Schwierigeres: Es verbindet mechanische Tiefe mit emotionaler Nähe und erschafft daraus ein Abenteuer, das noch lange nach dem Abspann nachhallt. Für Fans atmosphärischer Sci-Fi-Spiele, fordernder Action und intensiver Survival-Elemente gehört Pragmata deshalb ohne Zweifel zu den spannendsten Veröffentlichungen der letzten Jahre.
Fakten:
Genre: Action, Adventure
Erscheinungsdatum: 17. April 2026
Publisher: Capcom
Entwickler: Capcom
Spieler: 1
Altersfreigabe: ab 12 Jahre
Preis: ab 59,99 Euro (PlayStation®5, Xbox Series X|S, PC, Nintendo Switch 2)
Offizielle Website: https://www.capcom-games.com/pragmata/de/
Bewertung:

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