Resident Evil Requiem (Switch 2) im Test
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- vor 3 Tagen
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Mit Resident Evil Requiem erreicht die legendäre Horrorreihe von Capcom einen Punkt, an dem Vergangenheit und Zukunft der Serie nahezu perfekt miteinander verschmelzen. Dreißig Jahre nach dem Untergang von Raccoon City fühlt sich dieser neunte Hauptteil weniger wie eine bloße Fortsetzung an, sondern vielmehr wie eine düstere Rückkehr an den Ursprung des Grauens — nur moderner, kompromissloser und emotionaler inszeniert als je zuvor.
Schon die ersten Spielstunden machen deutlich, dass Resident Evil Requiem eine andere Richtung einschlägt als viele seiner Vorgänger. Statt sich vollständig dem Action-Horror zu verschreiben oder ausschließlich auf nostalgischen Survival-Horror zu setzen, kombiniert das Spiel beide Elemente zu einem überraschend harmonischen Gesamtbild. Genau darin liegt seine größte Stärke.

Im Mittelpunkt stehen diesmal zwei Figuren, die unterschiedlicher kaum sein könnten: FBI-Analystin Grace Ashcroft und Serienveteran Leon S. Kennedy. Grace untersucht eine Reihe mysteriöser Todesfälle in den Ruinen von Raccoon City — ausgerechnet an jenem Ort, an dem ihre Mutter Jahre zuvor ermordet wurde. Was zunächst wie eine gewöhnliche Ermittlung beginnt, entwickelt sich schnell zu einem persönlichen Albtraum voller verdrängter Erinnerungen, biologischer Experimente und neuer Schrecken. Als Leon schließlich in die Geschehnisse hineingezogen wird, gewinnt die Geschichte zusätzlich an Dynamik. Dabei gelingt dem Spiel etwas Bemerkenswertes: Beide Figuren fühlen sich nicht nur erzählerisch unterschiedlich an, sondern prägen auch das Gameplay auf völlig eigene Weise.
Grace verkörpert den klassischen Survival-Horror. Ihre Abschnitte spielen sich überwiegend aus der Ego-Perspektive und erzeugen eine fast klaustrophobische Spannung. Dunkle Korridore, verlassene Krankenzimmer und enge Innenräume sorgen konstant für Unsicherheit. Munition bleibt knapp, Heilitems sind rar und viele Gegner wirken bedrohlich genug, um Konfrontationen lieber zu vermeiden. Leon dagegen bringt die Action zurück in die Serie — allerdings deutlich kontrollierter und stilvoller als noch in früheren Ablegern.

Besonders gelungen ist der Rhythmus, den das Spiel durch den Wechsel zwischen beiden Charakteren erzeugt. Nach nervenaufreibenden Horrorpassagen mit Grace folgen explosive Actionsequenzen mit Leon, bevor Resident Evil Requiem das Tempo wieder reduziert und erneut bedrückende Spannung aufbaut. Dadurch bleibt die Kampagne konstant abwechslungsreich und verhindert, dass sich eines der beiden Gameplay-Konzepte abnutzt.
Auch atmosphärisch gehört Resident Evil Requiem zu den stärksten Serienteilen überhaupt. Die zerstörten Überreste von Raccoon City wirken wie ein riesiges Mahnmal vergangener Katastrophen.
Überall finden sich Spuren gescheiterter Evakuierungen, verlassene Notunterkünfte oder improvisierte Barrikaden. Das Spiel erzählt seine Geschichte nicht nur über Cutscenes und Dialoge, sondern vor allem über seine Umgebungen. Gerade Fans klassischer Resident-Evil-Spiele dürften diese Form des Umwelt-Storytellings schnell zu schätzen wissen. Tonal bewegt sich Resident Evil Requiem dabei deutlich näher am Horror der frühen Teile. Gleichzeitig verliert das Spiel jedoch nie den leicht trashigen Charme, der die Reihe seit jeher begleitet. Zwischen bedrückenden Szenen und groteskem Body-Horror bleibt immer wieder Raum für absurde Momente, bissige Kommentare oder bewusst überzeichnete Actionsequenzen. Genau dieser Balanceakt sorgt dafür, dass sich Resident Evil Requiem trotz seiner düsteren Grundstimmung niemals zu schwer oder humorlos anfühlt.

Technisch präsentiert sich das Spiel ebenfalls auf beeindruckendem Niveau. Die RE Engine liefert erneut fantastische Licht- und Schatteneffekte, detaillierte Charaktermodelle und extrem stimmungsvolle Umgebungen. Besonders die Beleuchtung trägt massiv zur Spannung bei. Oft reicht bereits ein flackerndes Neonlicht oder ein schwach ausgeleuchteter Hotelflur, um eine unangenehme Grundanspannung zu erzeugen. Überraschend stark fällt zudem die Umsetzung von Resident Evil Requiem für die Nintendo Switch 2 aus. Trotz kleiner technischer Kompromisse wirkt die portable Version erstaunlich hochwertig und beweist eindrucksvoll, wie flexibel die RE Engine inzwischen geworden ist. Gerade im Handheld-Modus entfaltet das Spiel eine intensive, fast unangenehm direkte Horrorwirkung.
Auch beim Umfang liefert Capcom überzeugend ab. Mehrere Schwierigkeitsgrade, freischaltbare Waffen, Challenge-Modifier und zahlreiche Geheimnisse sorgen dafür, dass die Motivation selbst nach dem ersten Durchlauf erhalten bleibt. Besonders Fans klassischer Resident-Evil-Spiele dürften sich über den optionalen Einsatz von Tintenbändern freuen, die auf höheren Schwierigkeitsgraden das Speichern erneut zu einer strategischen Entscheidung machen. Natürlich bleibt auch Resident Evil Requiem nicht vollkommen fehlerfrei. Einige spätere Actionpassagen geraten minimal zu bombastisch und bestimmte Gegnertypen verlieren mit zunehmender Spielzeit etwas von ihrem Schrecken. Zudem wäre ein vollwertiger New-Game-Plus-Modus wünschenswert gewesen. Diese Kritikpunkte ändern jedoch wenig daran, wie außergewöhnlich stark das Gesamtpaket ausfällt.
Was Resident Evil Requiem letztlich so besonders macht, ist seine Fähigkeit, die gesamte Geschichte der Reihe in einem einzigen Spiel einzufangen. Der Titel verbindet den langsamen, paranoiden Horror der Klassiker mit der Dynamik moderner Resident-Evil-Spiele und erschafft daraus eines der atmosphärisch dichtesten Survival-Horror-Erlebnisse der letzten Jahre. Für langjährige Fans fühlt sich die Rückkehr nach Raccoon City deshalb nicht einfach wie Nostalgie an — sondern wie ein längst überfälliges Wiedersehen mit den Geistern der Vergangenheit. Und genau deshalb gehört Resident Evil Requiem ohne Zweifel zu den stärksten Teilen der gesamten Reihe.
Fakten:
Genre: Action, Adventure
Erscheinungsdatum: 27. Februar 2026
Publisher: Capcom
Entwickler: Capcom
Spieler: 1
Altersfreigabe: ab 18 Jahre
Preis: ab 69,99 Euro (Nintendo Switch 2, PlayStation®5, Xbox Series X|S, PC)
Offizielle Website: https://www.residentevil.com/requiem/
Bewertung:

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