Directive 8020 (PS5) im Test
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Isolation. Misstrauen. Die ständige Angst, dass die Person neben einem vielleicht gar nicht mehr die Person ist, für die man sie hält. Kaum ein Horror-Szenario funktioniert so zuverlässig wie die Vorstellung, auf engstem Raum mit etwas Unbekanntem eingeschlossen zu sein. Genau diesen Gedanken greift Directive 8020 auf und macht ihn zum Herzstück seines Horrors.
Mit dem neuesten Kapitel der Dark Pictures Anthology verlässt Supermassive Games die bekannten Pfade klassischer Geistergeschichten und Slasher-Szenarien. Stattdessen geht es ins All – an Bord eines Kolonieschiffs, das zur letzten Hoffnung der Menschheit geworden ist. Das Ergebnis ist ein Science-Fiction-Horror-Abenteuer, das sich unverkennbar bei Genregrößen wie Alien, The Thing und Event Horizon inspirieren lässt, dabei aber genug eigene Ideen mitbringt, um mehr als nur eine Hommage zu sein.

Die Erde steht kurz vor dem Kollaps. Ressourcen werden knapp, die Zukunft der Menschheit scheint besiegelt. Die letzte Chance auf einen Neuanfang liegt auf Tau Ceti f, einem fernen Planeten, der als neue Heimat dienen soll. Doch noch bevor die Crew der Cassiopeia ihr Ziel erreicht, läuft die Mission katastrophal aus dem Ruder. Nach einem folgenschweren Zwischenfall entdeckt die Besatzung eine außerirdische Lebensform, die in der Lage ist, jede Person perfekt zu imitieren. Damit beginnt ein Überlebenskampf, der nicht nur von äußeren Gefahren geprägt wird. Das eigentliche Grauen entsteht durch die Frage, wem überhaupt noch vertraut werden kann.
Diese Prämisse nutzt Directive 8020 bemerkenswert effektiv. Anders als viele Horrorspiele verlässt sich der Titel nicht auf permanente Schockmomente. Stattdessen entwickelt sich eine unterschwellige Anspannung, die nahezu jede Szene begleitet. Jeder Dialog, jede Begegnung und jede Entscheidung wird von Zweifeln überschattet. Ist die Person vor mir wirklich noch dieselbe? Genau dieses Misstrauen macht einen Großteil der Faszination aus.
Die größte Stärke des Spiels bleibt die Erzählung. Supermassive Games versteht es mittlerweile meisterhaft, interaktive Geschichten aufzubauen, in denen Entscheidungen tatsächlich Gewicht besitzen.

Wie gewohnt können sämtliche Hauptcharaktere überleben – oder sterben. Doch anders als in früheren Dark-Pictures-Titeln wirken die Konsequenzen diesmal deutlich nachvollziehbarer. Entscheidungen entstehen häufiger aus moralischen Konflikten statt aus simplen Reaktionsprüfungen. Oft gibt es keine richtige Lösung. Rettet man einen Crewkameraden und gefährdet damit die Mission? Oder opfert man einen Menschen, um möglicherweise Milliarden andere zu schützen? Directive 8020 stellt diese Fragen regelmäßig und zwingt die Spieler dazu, unter Druck Entscheidungen zu treffen. Dadurch entsteht eine emotionale Bindung zu den Figuren, die viele vergleichbare Horrorspiele nicht erreichen.
Besonders positiv fällt auf, dass die Handlung über weite Strecken ein hohes Tempo hält. Überraschende Wendungen wirken selten konstruiert und sorgen dafür, dass die Geschichte bis zum Finale spannend bleibt. Einer der größten Kritikpunkte früherer Dark-Pictures-Spiele war der geringe spielerische Anspruch. Oft beschränkte sich das Geschehen auf Dialoge, Entscheidungen und gelegentliche Quick-Time-Events. Immer wieder müssen Spieler schleichen, Verstecke suchen oder feindlichen Kreaturen ausweichen. Diese neuen Survival-Horror-Elemente sorgen für deutlich mehr Interaktivität und verleihen dem Spiel eine zusätzliche Spannungsebene.

Gerade die Verfolgungssequenzen gehören zu den intensivsten Momenten des gesamten Abenteuers. Wenn man sich lautlos durch die dunklen Gänge der Cassiopeia bewegt und jederzeit entdeckt werden kann, entsteht eine Anspannung, die hervorragend zur Atmosphäre passt. Allerdings zeigt sich hier auch die größte Schwäche des Spiels. Viele dieser Passagen folgen einem ähnlichen Muster. Nach mehreren Stunden beginnt sich die Struktur zu wiederholen, wodurch einige Sequenzen an Wirkung verlieren. Zwar bleibt die Spannung erhalten, doch spielerisch hätte etwas mehr Vielfalt dem Erlebnis gutgetan.
Bereits die ersten Minuten machen deutlich, dass Directive 8020 das bislang aufwendigste Projekt von Supermassive Games ist.
Die Unreal Engine 5 sorgt für eine beeindruckende Bildqualität. Licht und Schatten spielen eine zentrale Rolle bei der Inszenierung des Horrors. Enge Korridore verschwinden in dunklen Schattenbereichen, reflektierende Metalloberflächen erzeugen eine sterile Kälte und jede Lichtquelle wird gezielt genutzt, um Spannung aufzubauen. Besonders die Charaktermodelle profitieren von der neuen Technik. Gesichter wirken natürlicher, Emotionen werden glaubwürdiger transportiert und die Animationen erreichen ein Niveau, das man in dieser Form bisher selten innerhalb der Reihe gesehen hat. Auch die Kameraführung verdient Lob. Häufig erinnert die Inszenierung eher an einen modernen Science-Fiction-Film als an ein klassisches Videospiel. Dynamische Perspektiven, ruhige Kamerafahrten und geschickt gesetzte Nahaufnahmen verstärken die cineastische Wirkung erheblich.
Oft sind es nicht die Monster selbst, die Angst erzeugen, sondern die Momente davor. Das entfernte Klappern einer Metalltür. Schritte in einem benachbarten Korridor. Ein unbekanntes Geräusch hinter einer Wand. Das Sounddesign gehört deshalb zu den größten Stärken des Spiels. Der zurückhaltende Soundtrack überlässt den Umgebungsgeräuschen die Bühne und erzeugt dadurch eine permanente Nervosität. Wenn schließlich tatsächlich Gefahr auftaucht, entfalten diese Momente eine deutlich stärkere Wirkung als klassische Jumpscares.
Mit Directive 8020 gelingt Supermassive Games genau das, was sich viele Fans seit Jahren gewünscht haben: Die bewährte Dark-Pictures-Formel wird nicht neu erfunden, aber sinnvoll weiterentwickelt. Die Mischung aus Science-Fiction-Horror, moralischen Entscheidungen und Survival-Gameplay funktioniert hervorragend. Unterstützt wird dies von einer starken Geschichte, glaubwürdigen Figuren und der mit Abstand besten Technik, die die Reihe bisher zu bieten hatte. Zwar können die neuen Gameplay-Mechaniken nicht jede Wiederholung vermeiden.
Fakten:
Genre: Action & Adventure
Erscheinungsdatum: 12. Mai 2026
Publisher: Bandai Namco
Entwickler: Supermassive Games
Spieler: 1 - 5
Altersfreigabe: ab 18 Jahre
Preis: ab 49,99 Euro (PlayStation 5, Xbox Series X|S, PC)
Offizielle Website: https://de.bandainamcoent.eu/
Bewertung:

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