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Cronos: The New Dawn (PS5) im Test

  • Autorenbild: playmoregames
    playmoregames
  • vor 3 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Mit "Cronos: The New Dawn" verlässt Bloober Team endgültig den rein psychologischen Horrorpfad und liefert ein Survival-Horror-Erlebnis, das mechanisch wie atmosphärisch auf maximale Intensität ausgelegt ist. Statt subtiler Andeutungen dominieren Ressourcenknappheit, strategische Gefechte und eine Welt, die ihre Grausamkeit nicht versteckt. Das Resultat ist ein Spiel, das weniger erschrecken will – und mehr zermürbt. Wir haben uns ohne Spoiler durch diese düstere Zeitreise gearbeitet.


Das Spiel zeichnet das Bild einer Zukunft, die bereits verloren scheint. Eine mysteriöse Krankheit hat die Zivilisation ausgelöscht, monströse Kreaturen bevölkern die Überreste einer Welt, deren Architektur stark vom osteuropäischen Brutalismus geprägt ist. Beton, Stahl und Kälte bestimmen die Ästhetik – ergänzt durch retro-futuristische Technik, die wie ein Relikt aus einer alternativen Geschichtsschreibung wirkt. Als ND-3576, genannt „die Reisende“, operieren wir im Auftrag eines rätselhaften Kollektivs.

Unsere Mission führt uns durch ein postapokalyptisches Ödland, in dem wir die Essenzen bestimmter Schlüsselfiguren sichern sollen. Eine zweite Zeitebene erweitert das Szenario: Durch temporale Risse gelangen wir ins Polen der 1980er-Jahre. Dort entfaltet sich die eigentliche Tragweite der Katastrophe – subtiler, politischer, aber nicht weniger beklemmend.

Die Erzählung bleibt bewusst fragmentarisch. Informationen ergeben sich aus Dokumenten, Dialogfetzen und Umgebungsdetails. Wer aufmerksam spielt, entdeckt eine vielschichtige Geschichte über Kontrolle, Opferbereitschaft und moralische Ambivalenz.


Spielerisch positioniert sich "Cronos: The New Dawn" kompromisslos im Genre. Sieben Waffen stehen zur Verfügung – doch Munition ist ein Luxus. Das Spiel zwingt zur Effizienz. Jeder Schuss ist eine Abwägung, jeder Kampf eine Kalkulation. Zentrales Element ist die Verschmelzungsmechanik der Gegner. Fallen besiegte Kreaturen nicht endgültig oder bleiben sie unbeaufsichtigt, können sie sich zusammenschließen und zu deutlich gefährlicheren Entitäten heranwachsen. Diese Dynamik verändert das Kampfverhalten fundamental: Priorisierung, Raumkontrolle und Timing gewinnen an Bedeutung.

Die Gefechte sind fordernd, aber fair. Wer unbedacht agiert, wird bestraft. Wer aufmerksam bleibt, erkennt Muster und Schwächen. Das Spiel belohnt Geduld – und bestraft Übermut.

Bloober Team versteht es, Atmosphäre nicht nur visuell, sondern akustisch zu formen. Ein melancholisch-düsterer 80er-Jahre-Soundtrack legt sich wie ein Schleier über das Geschehen. Synth-Flächen, dumpfe Resonanzen und leise Störgeräusche erzeugen ein permanentes Gefühl der Unruhe. Der Horror entsteht weniger durch billige Schockmomente als durch stetige Anspannung.


Enge Gänge, schlecht einsehbare Räume und verzerrte Geräuschkulissen halten das Stresslevel konstant hoch. Wenn Jumpscares auftreten, wirken sie gezielt und dramaturgisch sinnvoll platziert. Visuell überzeugt "Cronos: The New Dawn" durch klare künstlerische Handschrift: harte Kontraste, gezielt eingesetztes Licht, strukturierte Umgebungen. Die Schauplätze wirken nicht nur dekorativ, sondern erzählen ihre eigene Geschichte. Mit etwa 16 Stunden Spielzeit bleibt der Titel kompakt. Das Leveldesign ist überwiegend linear, erlaubt jedoch gezielte Erkundung in größeren Arealen. Orientierungslosigkeit wird vermieden, ohne Exploration zu vernachlässigen.

Neben der Hauptmission finden sich zahlreiche Lore-Dokumente, Upgrades für Ausrüstung und Waffen sowie kleinere, fast versöhnliche Details – Momente der Ruhe in einer ansonsten erbarmungslosen Welt. Diese Balance aus Spannung und kurzen Atempausen sorgt für ein durchgehend hohes Tempo.Auf aktueller Hardware präsentiert sich Cronos technisch solide. Die Performance bleibt stabil, besonders im Qualitätsmodus überzeugt die Beleuchtung durch plastische Effekte und stimmige Farbgebung.


Vereinzelt fallen leichte Verzögerungen beim Laden einzelner Objekte in Zwischensequenzen auf. Diese bleiben jedoch Randnotizen in einem insgesamt sauberen technischen Gesamtbild. Ein kostenloses Update ergänzt einen geradlinigeren Spielmodus, New Game+ inklusive Fortschrittsübernahme sowie kosmetische Inhalte wie den „Iron Rider“-Skin.

"Cronos: The New Dawn" ist ein Survival-Horror-Titel, der seine Prioritäten klar setzt: Atmosphäre vor Spektakel, Spannung vor Effekthascherei, Strategie vor Daueraction. Die Verschmelzungsmechanik verleiht dem Kampfsystem eine eigenständige Identität und hebt es vom Genrestandard ab. Die dichte Inszenierung, das konsequente Ressourcenmanagement und die strukturierte Spielwelt formen ein Erlebnis, das fordernd, intensiv und nachhaltig wirkt. Kleine technische Unsauberkeiten fallen angesichts der Gesamtleistung kaum ins Gewicht. Bloober Team demonstriert eindrucksvoll, dass moderner Horror nicht lauter, sondern präziser sein muss. Cronos ist kein Spiel für nebenbei – sondern eines, das Aufmerksamkeit verlangt und mit nachhaltiger Wirkung belohnt.



Fakten:

 

Genre: Action & Adventure

Erscheinungsdatum: 05. September 2025

Publisher: Bandai Namco, Bloober Team

Entwickler: Bloober Team

Spieler: 1

Altersfreigabe: ab 18 Jahre

Preis: ab 59,99 Euro (PS5, Nintendo Switch 2, Xbox Series X|S, PC)


Bewertung:

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