Chainstaff (Switch) im Test
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- vor 5 Tagen
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Mit ChainStaff liefert das Indie-Studio Mommy's Best Games unter der Leitung von Nathan Fouts einen bemerkenswert eigenständigen Beitrag zum Run-&-Gun-Genre ab. Statt sich auf bloße Retro-Nostalgie zu verlassen, kombiniert das Spiel klassische Tugenden mit modernen Designideen – und trifft dabei überraschend oft ins Schwarze.
Schon das Szenario setzt den Ton: Eine außerirdische Bedrohung hat die Tierwelt des Planeten in groteske Monster verwandelt, während sich ein parasitärer Organismus auf dem Kopf des Protagonisten festgesetzt hat. Was zunächst wie ein Nachteil klingt, entpuppt sich schnell als spielmechanischer Kern – denn dieses Wesen verleiht Zugang zur titelgebenden Waffe, dem ChainStaff. Diese ungewöhnliche Prämisse zieht sich konsequent durch das gesamte Spiel und sorgt für eine dichte, angenehm abseitige Atmosphäre irgendwo zwischen Sci-Fi-Horror und schwarzem Humor.

Spielerisch orientiert sich ChainStaff zwar sichtbar an Klassikern wie Super Contra, bricht jedoch bewusst mit deren eindimensionalem Ansatz. Statt reiner Dauerfeuer-Action steht hier die präzise Beherrschung eines vielseitigen Werkzeugs im Mittelpunkt. Der ChainStaff fungiert gleichzeitig als Wurfwaffe, Nahkampfinstrument, Defensivoption und Enterhaken. Gerade diese Kombination aus Kampf- und Bewegungsmechanik hebt das Spiel deutlich von Genrevertretern ab. Das Schwingen durch Levelabschnitte, das taktische Positionieren und das situationsabhängige Umschalten zwischen Angriff und Mobilität sorgen für ein überraschend dynamisches Spielgefühl, das eher an moderne Action-Platformer als an klassische Arcade-Shooter erinnert.
Ergänzt wird dieses Fundament durch eine ungewöhnlich konsequente Progressionsmechanik. Immer wieder trifft der Spieler auf gestrandete Soldaten und steht vor einer Entscheidung: retten oder „verwerten“. Letzteres bedeutet, sich durch groteske Upgrades unmittelbare Vorteile zu verschaffen – auf Kosten der Moral und potenzieller Alternativen im weiteren Spielverlauf. Diese Entscheidungen wirken sich nicht nur auf den eigenen Spielstil aus, sondern beeinflussen auch Struktur und Ausgang der Kampagne. Damit gewinnt ein traditionell lineares Genre eine unerwartete Tiefe, ohne den Spielfluss zu unterbrechen.

Die Levelstruktur zeigt sich erfreulich offen gestaltet. Verzweigungen, optionale Sammelobjekte und alternative Wege laden zum erneuten Durchspielen ein, während ein durchdachtes Checkpoint- und Schnellreisesystem unnötige Frustration vermeidet. Dennoch offenbaren sich hier auch die wenigen Schwächen des Spiels: In einigen Passagen übertreibt es ChainStaff mit der Gegnerdichte, was den ansonsten flüssigen Spielfluss spürbar ausbremst. Solche Momente wirken weniger herausfordernd als vielmehr leicht überladen und hätten von einer feineren Balance profitiert.
Unangefochtenes Highlight sind hingegen die Bosskämpfe. Jeder der bildschirmfüllenden Gegner bringt eigene Mechaniken mit, verlangt präzises Timing und den gezielten Einsatz aller erlernten Fähigkeiten. Statt bloß erlernter Angriffsmuster setzt das Spiel auf aktive Auseinandersetzung mit seinen Systemen – ein Designansatz, der selten so konsequent umgesetzt wird und hier für zahlreiche erinnerungswürdige Begegnungen sorgt.

Auch audiovisuell hinterlässt ChainStaff einen starken Eindruck. Die handgezeichneten 2D-Sprites erzeugen trotz klassischer Technik eine bemerkenswerte Tiefe und greifen stilistisch die Ästhetik alter Science-Fiction-Albumcover auf. Der Soundtrack von Deon van Heerden, bekannt unter anderem durch Broforce, unterstreicht das Geschehen mit druckvollen Gitarrenriffs, treibenden Beats und atmosphärischen Synthesizer-Passagen. Die musikalische Untermalung trägt entscheidend zur Intensität des Spielerlebnisses bei und zählt klar zu den Stärken der Produktion.
Beim Schwierigkeitsgrad zeigt sich das Spiel anspruchsvoll, aber fair. Zwei wählbare Stufen ermöglichen einen gewissen Zugang für Einsteiger, doch insbesondere in späteren Abschnitten wird präzises Spiel zur Voraussetzung. Fehler werden konsequent bestraft, bleiben jedoch jederzeit nachvollziehbar – ein entscheidender Faktor für langfristige Motivation. Am Ende steht ein Titel, der mehr ist als eine Hommage. ChainStaff versteht es, die DNA klassischer Run-&-Gun-Spiele zu bewahren und gleichzeitig sinnvoll zu erweitern. Kleinere Schwächen im Balancing verhindern zwar die absolute Spitzenwertung, ändern jedoch nichts daran, dass hier ein überraschend frischer, mechanisch durchdachter und stilistisch markanter Vertreter seines Genres vorliegt.
Ein intensiver, fordernder Action-Platformer mit eigenständiger Identität, der sich klar an Genre-Veteranen richtet, aber auch experimentierfreudigen Spielern viel zu bieten hat. Wer klassische Run-&-Gun-Action schätzt, findet hier eine der interessantesten Weiterentwicklungen der letzten Jahre.
Fakten:
Genre: Action, Platformer, Adventure, Shooter
Erscheinungsdatum: 08. April 2026
Publisher: Mommy's Best Games
Entwickler: Mommy's Best Games
Spieler: 1
Altersfreigabe: ab 18 Jahre
Preis: ab 14,99 Euro (Playstation 5, PlayStation 4, Xbox Series X|S, Nintendo Switch, PC)
Offizielle Website: https://chainstaffgame.com/
Bewertung:

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