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The Adventures of Elliot: The Millennium Tales (PS5) im Test

  • Autorenbild: playmoregames
    playmoregames
  • vor 2 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit

Seit Jahren steht Team Asano für klassische Rollenspiele, die traditionelle Genre-Tugenden mit moderner Technik verbinden. Mit The Adventures of Elliot: The Millennium Tales wagt das Studio nun einen bemerkenswerten Schritt aus der eigenen Komfortzone. Statt rundenbasierter Kämpfe erwartet Spieler ein Action-RPG mit Echtzeit-Gefechten, umfangreicher Erkundung und einer offenen Welt, die stärker an klassische Abenteuer als an moderne Rollenspiele erinnert.


Das Ergebnis wirkt auf den ersten Blick überraschend vertraut. Zeitreisen, uralte Ruinen, mysteriöse Artefakte und ein junger Held, der das Schicksal der Welt in seinen Händen hält – all das gehört zum festen Inventar des Fantasy-Genres. Doch gerade weil The Adventures of Elliot nicht versucht, das Rad neu zu erfinden, gelingt dem Spiel etwas, das vielen modernen Produktionen zunehmend schwerfällt: Es entfacht die pure Freude am Entdecken.

Im Mittelpunkt steht Elliot, ein junger Abenteurer aus dem Königreich Huther. Die letzte Bastion der Menschheit wird durch den Schutzzauber einer Prinzessin vor den Monstern der Außenwelt bewahrt. Als eines Tages eine rätselhafte Ruine erscheint, führt Elliots Auftrag ihn zu einer Entdeckung, die weitreichende Folgen haben wird: einem Portal, das Reisen durch die Zeit ermöglicht. Die Handlung bewegt sich dabei bewusst auf vertrautem Terrain. Die Figuren entsprechen weitgehend klassischen Fantasy-Archetypen, größere Wendungen lassen sich häufig früh erahnen und auch die zentrale Bedrohung folgt bekannten Mustern.


Dennoch entwickelt die Geschichte einen bemerkenswerten Sog. Das liegt vor allem an der gelungenen Inszenierung. Dialoge wirken natürlich, die Charaktere besitzen ausreichend Persönlichkeit und die Beziehung zwischen Elliot und seiner Begleiterin Faie entwickelt sich glaubwürdig. Besonders Faie erweist sich schnell als emotionale Stütze der Erzählung. Ihre Isolation von der restlichen Welt verleiht vielen Szenen eine unerwartete Melancholie, die dem Abenteuer zusätzliche Tiefe verleiht. Der eigentliche Star der Geschichte sind jedoch die vier Zeitalter, die Elliot im Verlauf seiner Reise besucht. Jede Epoche präsentiert eigene Konflikte, Kulturen und Herausforderungen.

Gleichzeitig setzt das Spiel die Möglichkeiten seiner Zeitreise-Thematik clever ein, um Zusammenhänge zwischen Vergangenheit und Zukunft sichtbar zu machen. Ereignisse, die zunächst bedeutungslos erscheinen, gewinnen Stunden später plötzlich eine völlig neue Bedeutung. Dadurch entwickelt die Handlung eine Dynamik, die den Spieler konstant motiviert, dem nächsten Geheimnis auf den Grund zu gehen. Spielerisch markiert das Kampfsystem den größten Wandel innerhalb der Team-Asano-Formel. Statt Befehle aus Menüs auszuwählen, stehen schnelle Reaktionen und präzise Positionierung im Mittelpunkt.

Sieben unterschiedliche Waffengattungen sorgen für Abwechslung.


Schwerter eignen sich für direkte Konfrontationen, Speere halten Gegner auf Distanz, während die Kettensichel besonders kreative Einsatzmöglichkeiten eröffnet. Jede Waffe besitzt eigene Spezialfähigkeiten und verändert den Spielfluss spürbar. Bemerkenswert ist dabei die Zugänglichkeit des Systems. Bereits nach kurzer Zeit entfalten die Kämpfe einen angenehmen Rhythmus aus Angriff, Verteidigung und Ausweichmanövern. Gleichzeitig bleibt genügend Raum für individuelle Spielweisen. Komplexität auf dem Niveau eines anspruchsvollen Action-RPGs erreicht das Kampfsystem allerdings nicht. Veteranen des Genres werden die grundlegenden Mechaniken vergleichsweise schnell durchschauen. Dennoch gelingt dem Spiel ein wichtiger Balanceakt: Die Gefechte bleiben über die gesamte Spielzeit unterhaltsam, ohne jemals unnötig kompliziert zu werden.

Besonders die Bosskämpfe profitieren davon. Statt den Spieler mit übertriebenen Schwierigkeitsgraden zu überfordern, setzen sie auf abwechslungsreiche Mechaniken, spektakuläre Inszenierung und ein gutes Gespür für Timing. So gelungen die Gefechte auch ausfallen, die wahre Qualität von The Adventures of Elliot offenbart sich während der Erkundung. Die Welt ist voller kleiner Geheimnisse, versteckter Pfade und optionaler Herausforderungen. Kaum ein Aussichtspunkt bleibt ohne Bedeutung, kaum eine verdächtige Ecke ohne Belohnung. Das Spiel versteht es hervorragend, Neugier zu wecken. Besonders motivierend wirkt dabei die stetige Erweiterung der eigenen Fähigkeiten. Neue Werkzeuge ermöglichen den Zugang zu zuvor unerreichbaren Gebieten und verleihen der Welt eine angenehme Metroidvania-Note. Wer aufmerksam erkundet, entdeckt ständig neue Abkürzungen, Schatzkammern oder optionale Aufgaben.


Ihre größte Stärke entfaltet die Spielwelt jedoch in den zahlreichen Ruinen und Dungeons. Hier erinnert The Adventures of Elliot unverkennbar an die großen Abenteuerklassiker früherer Konsolengenerationen. Rätsel, Schaltermechaniken, versteckte Räume und aufwendig gestaltete Bossarenen bestimmen das Geschehen. Moderne Produktionen setzen häufig auf spektakuläre Inszenierung, verzichten dafür aber auf komplexe Dungeon-Strukturen. The Adventures of Elliot geht den umgekehrten Weg – und profitiert enorm davon. Jede Ruine fühlt sich wie ein eigenständiges Abenteuer an. Die Kombination aus Rätseln, Kämpfen und Belohnungen sorgt dafür, dass diese Abschnitte zu den Höhepunkten des gesamten Spiels gehören.

Auch technisch präsentiert sich das Abenteuer in hervorragender Verfassung. Die HD-2D-Grafik zählt erneut zu den beeindruckendsten Stilmitteln des Studios. Detailreiche Pixelwelten treffen auf moderne Beleuchtungseffekte, dynamische Schatten und atmosphärische Partikelsysteme. Besonders in den unterschiedlichen Zeitaltern entstehen immer wieder beeindruckende Panoramen, die eindrucksvoll demonstrieren, weshalb sich dieser Grafikstil inzwischen zu einem Markenzeichen entwickelt hat. Begleitet wird das Geschehen von einem stimmungsvollen Soundtrack, der ruhige Erkundungsmomente ebenso überzeugend untermalt wie dramatische Bosskämpfe.


The Adventures of Elliot: The Millennium Tales ist kein Spiel der großen Innovationen. Viele seiner Ideen kennt man bereits aus anderen Genrevertretern, und insbesondere Fans klassischer Abenteuer werden zahlreiche Inspirationsquellen sofort erkennen. Dennoch gelingt Team Asano etwas Bemerkenswertes. Statt auf permanente Neuerfindung setzt das Studio auf handwerkliche Qualität, präzises Worldbuilding und die konsequente Ausarbeitung bewährter Konzepte. Das Resultat ist ein Abenteuer, das seine Spieler nicht durch spektakuläre Überraschungen fesselt, sondern durch die stetige Freude am Erkunden.

Selten fühlte sich die Suche nach dem nächsten Geheimnis, der nächsten Ruine oder dem nächsten Schatz so motivierend an. Wer klassische Fantasy-Abenteuer, durchdachte Dungeons und eine liebevoll gestaltete Spielwelt schätzt, findet hier eines der stärksten Action-RPGs der letzten Jahre.



Fakten:

 

Genre: Action & Adventure, Rollenspiel

Erscheinungsdatum: 18. Juni 2026

Publisher: Square Enix

Entwickler: Claytechworks Co. Ltd, Team Asano

Spieler: 1 - 2

Altersfreigabe: ab 12 Jahre

Preis: ab 59,99 Euro (PlayStation 5, Nintendo Switch 2, XBOX Series X|S, PC)


Bewertung:

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