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4PGP (Switch 2) im Test

  • Autorenbild: playmoregames
    playmoregames
  • vor 21 Stunden
  • 4 Min. Lesezeit

Es gab eine Zeit, in der Rennspiele nicht versuchten, die Realität zu simulieren. Eine Zeit, in der Fahrphysik zweitrangig war, solange das Geschwindigkeitsgefühl stimmte. Eine Zeit, in der man sich in Spielhallen um einen Automaten drängte, um noch eine Runde auf einer exotischen Strecke zu drehen, die eigene Bestzeit zu unterbieten oder Freunde im direkten Duell herauszufordern. Genau an diese Ära erinnert 4PGP – und zwar nicht nur oberflächlich, sondern mit bemerkenswerter Konsequenz.


Das neue Rennspiel von Vision Reelle und Publisher 3goo versteht sich als Hommage an die großen Arcade-Klassiker der 1990er-Jahre. Bereits die Beteiligung von Kenji Sasaki, der an Genregrößen wie Sega Rally und Ridge Racer mitwirkte, macht deutlich, wohin die Reise gehen soll. Statt realistischer Fahrzeugabstimmungen, komplizierter Setup-Menüs oder umfangreicher Karriereelemente setzt 4PGP auf das, was Arcade-Rennspiele einst so faszinierend machte: unmittelbaren Spielspaß, leicht zugängliche Steuerung und den ständigen Drang, noch eine Runde zu fahren.

Schon nach wenigen Minuten hinter dem virtuellen Lenkrad wird deutlich, dass die Entwickler ihre Inspirationsquellen nicht nur studiert, sondern verstanden haben. Die Fahrzeuge reagieren direkt und präzise auf jede Eingabe. Das Fahrgefühl vermittelt genau jene Mischung aus Kontrolle und Geschwindigkeit, die einst die großen Arcade-Racer auszeichnete. Anders als viele moderne Vertreter des Genres verzichtet 4PGP vollständig auf spektakuläre Driftmechaniken oder übertriebene Fahrhilfen. Stattdessen belohnt das Spiel saubere Linienwahl, korrektes Timing und die Fähigkeit, möglichst viel Schwung durch die Kurven mitzunehmen.


Dabei entsteht ein Spielfluss, der erstaunlich zeitlos wirkt. Häufig genügt es nicht, eine Strecke lediglich zu kennen. Wer wirklich schnelle Zeiten fahren möchte, muss ihre Eigenheiten verinnerlichen, Bremspunkte optimieren und den perfekten Kurvenradius finden. Gerade dieser Aspekt entwickelt eine enorme Motivation, denn jede Runde bietet Potenzial zur Verbesserung. Das Spiel schafft es, den Spieler permanent dazu zu verleiten, es noch einmal zu versuchen – eine Qualität, die viele moderne Rennspiele trotz ihres enormen Produktionsaufwands nicht mehr erreichen.

Unterstützt wird das Fahrgefühl durch ein simples, aber wirkungsvolles Boost-System. Ein begrenzter Turbo verschafft auf Knopfdruck zusätzliche Geschwindigkeit und eröffnet taktische Möglichkeiten, ohne das eigentliche Fahrkönnen in den Hintergrund zu drängen. Die Energiereserven lassen sich über Boxenstopps auffüllen, wodurch eine weitere strategische Komponente entsteht. Besonders in längeren Meisterschaften kann die Entscheidung über den richtigen Zeitpunkt eines Boxenstopps den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage ausmachen.


Erfreulich umfangreich präsentiert sich der Inhalt. Insgesamt stehen neunzehn Fahrzeuge und vierzehn Strecken zur Verfügung. Offizielle Lizenzen sucht man zwar vergeblich, doch Motorsportfans werden die Vorbilder schnell erkennen. Viele Fahrzeuge erinnern unverkennbar an Formel-1-Boliden der 1990er-Jahre, während die Strecken deutliche Parallelen zu bekannten Rennkursen erkennen lassen. Die Entwickler haben ihre Vorlagen jedoch nicht einfach kopiert, sondern gezielt an die Bedürfnisse eines Arcade-Rennspiels angepasst. Das Ergebnis sind abwechslungsreiche Kurse mit hohem Wiedererkennungswert, die zugleich ausreichend spielerische Herausforderungen bieten.

Neben Einzelrennen umfasst das Spiel einen Championship-Modus, in dem verschiedene Meisterschaften bestritten werden. Vier Schwierigkeitsgrade sorgen dafür, dass sowohl Einsteiger als auch erfahrene Spieler gefordert werden. Wer alle Herausforderungen meistern möchte, wird viele Stunden investieren müssen. Hinzu kommt ein gelungener Time-Attack-Modus, der sich schnell als heimlicher Star des Gesamtpakets entpuppt. Hier zeigt sich die Qualität des Streckendesigns besonders eindrucksvoll, denn jede Kurve, jeder Bremspunkt und jede Beschleunigungsphase können über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.


Besonders positiv fällt der Mehrspielerbereich auf. Bis zu vier Fahrer können gleichzeitig im Splitscreen gegeneinander antreten. In Zeiten, in denen lokale Mehrspielermodi zunehmend zur Ausnahme werden, wirkt diese Entscheidung beinahe erfrischend altmodisch. Genau hier entfaltet 4PGP jedoch einen großen Teil seines Charmes. Das direkte Kräftemessen auf der Couch erinnert an eine Ära, in der gemeinsame Spielerlebnisse wichtiger waren als Online-Ranglisten und Battle Passes.

Technisch hinterlässt das Spiel ebenfalls einen hervorragenden Eindruck. Vor allem auf der Nintendo Switch 2 profitiert 4PGP von der leistungsfähigeren Hardware. Die Bildrate erreicht bis zu 120 Bilder pro Sekunde und sorgt für eine außergewöhnlich flüssige Darstellung. Gerade bei einem Rennspiel dieser Art ist dies weit mehr als ein technisches Detail. Die hohe Bildrate verbessert die Reaktionsfähigkeit spürbar und verstärkt das ohnehin überzeugende Geschwindigkeitsgefühl zusätzlich. Auch die Bildschärfe und die allgemeine Performance bewegen sich auf einem erfreulich hohen Niveau.


Grafisch verfolgt das Spiel hingegen einen bewusst zurückhaltenden Ansatz. Fotorealistische Fahrzeuge oder spektakuläre Effekte sucht man vergeblich. Stattdessen konzentrieren sich die Entwickler auf Übersichtlichkeit und klare Lesbarkeit. Diese Entscheidung mag auf Screenshots unspektakulär wirken, erweist sich während des Spielens jedoch als sinnvoll. Das hohe Tempo verlangt nach einer klaren Darstellung der Strecke und ihrer Kurvenverläufe – eine Aufgabe, die 4PGP souverän erfüllt. Abgerundet wird das Gesamtbild durch einen gelungenen Soundtrack von Tomoyuki Kawamura. Die Musik begleitet die Rennen mit genau jener Energie, die man von klassischen japanischen Arcade-Rennspielen erwartet. Zusammen mit dem schnellen Gameplay entsteht eine Atmosphäre, die nostalgisch wirkt, ohne sich ausschließlich auf Retro-Reize zu verlassen.

Natürlich ist 4PGP kein Spiel für jeden Geschmack. Wer eine realistische Rennsimulation mit komplexem Schadensmodell, umfangreichen Tuningmöglichkeiten oder einer tiefgehenden Karriere erwartet, wird hier nicht fündig. Auch die Präsentation bleibt trotz ihres funktionalen Designs stellenweise etwas schlicht. Doch genau darin liegt letztlich die Stärke des Spiels. Es konzentriert sich kompromisslos auf sein Kernthema und versucht nicht, etwas zu sein, das es nicht ist.


Mit 4PGP gelingt Vision Reelle eine bemerkenswert authentische Rückkehr zu den Wurzeln des Arcade-Rennsports. Das Spiel verbindet klassisches Design mit moderner Technik und liefert ein Fahrerlebnis, das gleichermaßen zugänglich wie motivierend ausfällt. Vor allem Fans der großen Rennspielklassiker der 1990er-Jahre erhalten hier genau das, worauf sie seit Jahren warten: ein schnelles, präzises und unterhaltsames Rennspiel, das den Geist der Arcade-Hallen in die Gegenwart transportiert.


4PGP ist kein nostalgischer Schnellschuss, sondern eine durchdachte Hommage an eine beinahe vergessene Form des Rennspiels. Wer Geschwindigkeit, direkte Kontrolle und klassische Arcade-Action schätzt, findet hier einen der überzeugendsten Vertreter seines Genres.



Fakten:

 

Genre: Rennspiel, Arcade

Erscheinungsdatum: 05. Februar 2026

Publisher: 3goo

Entwickler: 3goo

Spieler: 1 - 4

Altersfreigabe: ab 0 Jahre

Preis: ab 24,99 Euro (Nintendo Switch 2, PlayStation 5, Nintendo Switch, PC)

Offizielle Website: 3GOO Japan


Bewertung:

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