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Shinobi: Art of Vengeance (Switch) im Test

  • Autorenbild: playmoregames
    playmoregames
  • 31. Aug. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

"Shinobi: Art of Vengeance" versteht sich nicht als lautes Comeback, sondern als präziser Schnitt. Statt Nostalgie zu verwalten, will das Spiel den Kern klassischer Ninja-Action bewahren und ihn mit moderner Technik neu ausformen. Keine Experimente, kein Übermaß – sondern Fokus, Kontrolle und Konsequenz.


Joe Musashi steht dabei im Mittelpunkt, ein Krieger, der seine Schlachten längst geschlagen zu haben glaubt. Gezeichnet von Verlusten hat er sich in die Abgeschiedenheit eines Dojos zurückgezogen, um sein Wissen weiterzugeben. Bambus, Nebel, Stille – eine Welt fernab von Machtkämpfen und Gewalt. Doch dieser Frieden ist nur von kurzer Dauer.

Ein Überfall zerstört das Dojo und reißt Musashi zurück in eine Realität, der er entkommen wollte. Hinter dem Angriff steckt die ENE Corporation, ein globaler Technologiekonzern, der mithilfe kybernetisch aufgerüsteter Kämpfer nach Kontrolle strebt. Was folgt, ist keine epische Weltenrettung, sondern ein persönlicher Feldzug. Musashi verfolgt die Spuren des Konzerns, trifft alte Verbündete und wird mit den Entscheidungen seiner Vergangenheit konfrontiert.


Die Erzählung bleibt bewusst geradlinig. "Shinobi: Art of Vengeance" setzt auf archetypische Motive statt komplexer Figurenzeichnung. Das funktioniert als stilistischer Rahmen, verschenkt jedoch emotionale Tiefe. Antagonisten bleiben Projektionsflächen, dramatische Momente werden angerissen, selten ausgespielt. Der Titel ist ein Spiel, das vollständig über sein Spielgefühl definiert wird. Jede Mechanik ordnet sich dem Ziel unter, maximale Kontrolle zu vermitteln. Vom ersten Sprung bis zum letzten Hieb wird deutlich: Hier zählt Präzision.

Die Steuerung ist unmittelbar und klar strukturiert. Zu Beginn beschränkt sich Musashis Repertoire auf grundlegende Katana-Angriffe und Distanzwürfe, doch schon bald erweitert sich das Moveset erheblich. Wandläufe, Doppelsprünge, Konter und Spezialmanöver eröffnen neue taktische Möglichkeiten. Die Lernkurve ist sauber abgestimmt und verlangt vom Spieler Aufmerksamkeit statt Geduld.


Eingaben werden ohne spürbare Verzögerung umgesetzt. Bewegungen greifen nahtlos ineinander, wodurch ein konstanter Spielfluss entsteht. Dieser Flow ist das eigentliche Herzstück des Spiels – ein Zustand, in dem Kämpfe nicht mehr geplant, sondern intuitiv ausgeführt werden. Das Kombosystem verlangt Timing und Übersicht. Wer planlos agiert, wird schnell bestraft. Wer jedoch Rhythmus findet, Angriffe staffelt und Verteidigung bewusst einsetzt, erlebt intensive Gefechte mit beinahe choreografischer Wirkung.

Vier frei konfigurierbare Spezialfähigkeiten ergänzen das Kampfsystem. Sie sind strategische Werkzeuge, keine bloßen Effekte. Da jeder Einsatz Ressourcen kostet, gewinnt taktisches Abwägen zunehmend an Bedeutung. Ein Upgrade-System ermöglicht zusätzliche Manöver und passive Verbesserungen, die spürbar ins Gameplay eingreifen. Auch das Leveldesign folgt dem Prinzip der Klarheit. Die Spielabschnitte sind vertikal gedacht, bieten alternative Wege und belohnen Neugier. Viele Areale erschließen ihr volles Potenzial erst mit fortgeschrittenen Fähigkeiten, was wiederholtes Erkunden sinnvoll und motivierend macht.


Visuell schlägt Shinobi: Art of Vengeance einen eigenständigen Weg ein. Handgezeichnete Hintergründe ersetzen realistische 3D-Welten und verleihen dem Spiel einen unverwechselbaren Look. Die Umgebungen wirken wie bewegte Tuschezeichnungen – reduziert, aber ausdrucksstark. Der Stil ist deutlich japanisch geprägt, ohne plakativ zu wirken. Architektur, Kleidung und Symbolik sind konsistent und mit spürbarer Sorgfalt umgesetzt. Animationen sind flüssig und präzise, Gegner unterscheiden sich nicht nur optisch, sondern auch in Haltung und Bewegungsmuster.

Der Soundtrack bleibt zurückhaltend und wirkungsvoll. Traditionelle Instrumente treffen auf moderne Klänge und erzeugen eine Atmosphäre zwischen meditativer Ruhe und angespannter Bedrohung. Statt eingängiger Melodien setzt das Spiel auf Stimmung. Geräuscheffekte sind punktgenau platziert und unterstreichen das Kampfgeschehen, ohne es zu dominieren.


Die Kampagne erstreckt sich über etwa zehn bis zwölf Stunden. Doch ein Großteil der Inhalte bleibt beim ersten Durchlauf verborgen. Versteckte Pfade, optionale Herausforderungen und sammelbare Upgrades sorgen für hohen Wiederspielwert. Was auffällt, ist das Fehlen eines Mehrspielermodus. Angesichts des präzisen Kampfsystems wäre Koop oder ein kompetitiver Modus eine logische Ergänzung gewesen. Hier bleibt ungenutztes Potenzial zurück.

"Shinobi: Art of Vengeance" sucht nicht die große Revolution. Stattdessen überzeugt es durch Konsequenz, handwerkliche Qualität und ein klares Verständnis für Action-Design. Es greift klassische Mechaniken auf und formt daraus ein modernes, fokussiertes Spielerlebnis. Das Kampfsystem ist anspruchsvoll, präzise und dauerhaft motivierend. Die Geschichte bleibt funktional, ohne nachhaltig zu berühren, doch Atmosphäre, Stil und Mechanik tragen das Spiel mühelos. Unterm Strich ist "Shinobi: Art of Vengeance" ein kontrolliertes, stimmiges Actionspiel, das zeigt, wie zeitlos gutes Spieldesign sein kann – scharf geschliffen, konzentriert und wirkungsvoll.



Fakten:

 

Genre: Action, Platformer

Erscheinungsdatum: 29. August 2025

Publisher: SEGA

Entwickler: Lizardcube

Spieler: 1

Altersfreigabe: ab 12 Jahre

Preis: ab 29,99 Euro (Nintendo Switch, PlayStation 5, Xbox Series X|S, PC, PS4)


Bewertung:

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