Project Motor Racing (PS5) im Test
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Mit "Project Motor Racing" betritt ein Entwicklerteam die Bühne, das in der SimRacing-Welt alles andere als unbekannt ist. Straight4 setzt sich größtenteils aus ehemaligen Köpfen der Slightly Mad Studios zusammen – jenem Team, das mit Project Cars einst den Spagat zwischen Simulation und Massenmarkt wagte. Nun folgt der nächste Anlauf, diesmal mit klarerem Fokus, höherem Anspruch und der Rückendeckung von Giants Software. Das Ziel: ein ernstzunehmender SimRacer, der nicht nur auf dem PC, sondern auch auf der Konsole Bestand haben soll.
Kaum ein aktueller Rennsimulator startet mit einer derart breiten Fahrzeugpalette. "Project Motor Racing" deckt nahezu sämtliche relevanten Disziplinen des modernen und historischen Motorsports ab. Einstiegsserien wie der Mazda MX-5 Cup stehen ebenso bereit wie historische Sportwagen, amerikanische IMSA-GTO-Boliden, GT3- und GT4-Fahrzeuge sowie moderne Prototypenklassen.

Besonders bemerkenswert ist die Präsenz der aktuellen Hypercar-Generation. LMDh- und LMH-Fahrzeuge, wie sie in der FIA WEC eingesetzt werden, sind in ungewöhnlicher Vollständigkeit vertreten. Porsche 963, Toyota GR010 Hybrid und Lamborghini SC63 vermitteln glaubhaft den Anspruch, aktuelle Motorsportgeschichte abzubilden. Dass ausgerechnet der Ferrari 499P fehlt, wirkt wie eine bewusst offen gelassene Lücke – und bleibt dennoch ein empfindlicher Makel.
Lizenztechnisch präsentiert sich das Spiel ansonsten solide. Zahlreiche authentische Lackierungen realer Teams sorgen für Wiedererkennungswert. Was hingegen vollständig fehlt, ist die Möglichkeit zur Individualisierung. Weder eigene Designs noch Sponsorplatzierungen sind vorgesehen – ein erstaunliches Defizit für ein Spiel, das Teamaufbau und Karriere ins Zentrum rückt. Auch auf der Streckenseite gibt sich "Project Motor Racing" betont realistisch. Fantasie-Layouts sucht man vergeblich, stattdessen finden sich ausschließlich reale Rennkurse aus aller Welt. Klassiker wie Spa-Francorchamps, Zolder, Kyalami oder Mount Panorama sorgen für internationale Vielfalt, während die Nürburgring-Nordschleife den Anspruch auf Authentizität unterstreicht.

Allerdings fehlt mit dem Circuit de la Sarthe ausgerechnet jene Strecke, die für Prototypen- und Langstreckenrennen von zentraler Bedeutung ist. Angesichts der starken Hypercar-Ausrichtung wirkt dieses Fehlen kaum nachvollziehbar, selbst wenn ein späteres Update Abhilfe schaffen soll. Ein Teil der Strecken tritt unter verfremdeten Namen auf, bleibt in Layout und Umgebung jedoch erfreulich originalgetreu. Im Fahrbetrieb verliert dieser Umstand schnell an Bedeutung.
Der Karrieremodus verzichtet auf narrative Ausschmückungen und setzt stattdessen auf nüchterne Motorsport-Realität. Spieler erstellen Fahrer und Team, definieren Budget, Renndistanz und KI-Niveau – und tragen von Beginn an finanzielle Verantwortung.
Ein zentrales Element ist das Sponsoring-System, das verschiedene Risiko-Profile bietet. Konservative Verträge garantieren stabile Einnahmen, leistungsabhängige Modelle locken mit hohen Prämien bei gleichzeitigem finanziellen Risiko. Hinzu kommen Startgebühren, Reisekosten und Reparaturen, die konsequent vom Budget abgezogen werden.

Dieses System erzeugt glaubwürdigen Druck und hebt sich positiv von simpleren Karrieremodi ab. Gleichzeitig offenbart sich ein Bruch in der Immersion: Sponsoren existieren ausschließlich in Menüs, nicht auf den Fahrzeugen. Der wirtschaftliche Unterbau ist spürbar – seine visuelle Entsprechung fehlt vollständig. Schon in den ersten Trainingsrunden wird klar: "Project Motor Racing" verlangt Disziplin. Das Spiel setzt konsequent auf Cockpit-Perspektive, vollständige Fahrzeugkontrolle in der Box und lange Rennformate. Sitzposition und Blickwinkel lassen sich präzise anpassen, die Innenräume sind hochwertig modelliert und vermitteln glaubhaftes Rennfeeling.
Setup-Optionen sind in großer Tiefe vorhanden, reichen von Aerodynamik über Fahrwerk bis zur Bremsbalance. Hilfestellungen gibt es jedoch keine. Wer nicht weiß, wie sich Sturz, Dämpfer oder Differenziale auswirken, bleibt auf sich allein gestellt. Ein virtueller Renningenieur oder erklärende Presets fehlen – ein unnötig harter Einstieg, selbst für ambitionierte SimRacer. Im Rennbetrieb zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Plattformen. Während die PC-Version volle Starterfelder ermöglicht, ist das Grid auf der PS5 auf 16 Fahrzeuge limitiert. Gerade bei Multiclass-Rennen – einem Kernfeature des Spiels – wirkt diese Begrenzung massiv einschränkend.

Zusätzlich fehlen rollende Starts vollständig. Alle Rennen beginnen aus dem Stand, selbst in Klassen, in denen dies realitätsfern ist. Der Simulationsanspruch wird hier unnötig untergraben. Die KI agiert kompromisslos und fahrerisch kompetent, zeigt jedoch kaum Situationsbewusstsein. Sie hält stur an der Ideallinie fest und nimmt Kollisionen billigend in Kauf. Das führt zwar zu fordernden Zweikämpfen, aber auch zu zahlreichen unfairen Situationen. Gravierender als die KI-Probleme ist jedoch das Strafensystem.
Streckenlimits werden strikt und ohne Kontext geahndet. Ob der Spieler einen Vorteil erlangt hat oder unverschuldet von der Strecke gedrängt wurde, spielt keine Rolle. Zeitstrafen, erzwungene Geschwindigkeitsbegrenzungen und Durchfahrtsstrafen werden teils unzureichend kommuniziert und wirken willkürlich. In Kombination mit dem stets aktiven, sehr empfindlichen Schadensmodell entsteht ein hohes Frustpotenzial. Schon kleinere Rempler können kostspielige Reparaturen nach sich ziehen, die den wirtschaftlichen Fortschritt der Karriere zunichtemachen. Der Realismus schlägt hier in Unfairness um.

Grundsätzlich bietet "Project Motor Racing" ein solides Fundament. Fahrzeuge reagieren unterschiedlich, Reifentemperaturen und -verschleiß sind spürbar, und der Gripaufbau erfolgt nachvollziehbar. Doch dieses Fundament ist nicht gleichmäßig ausgearbeitet. Viele Fahrzeuge reagieren übermäßig hecklastig und erfordern extreme Vorsicht beim Beschleunigen. Besonders problematisch präsentieren sich die Hypercars: Im Test zeigten sie ein instabiles, teils unkontrollierbares Verhalten beim Einsetzen des Hybridboosts. Hier wirkt die Physik unausgereift und inkonsistent.
Grafisch liefert das Spiel ein widersprüchliches Bild. Cockpitansichten und Fahrzeugmodelle in den Menüs sind hochwertig und detailliert. Im Rennbetrieb hingegen trüben schwache Beleuchtung, inkonsistente Materialien und regelmäßige Ruckler den Eindruck.
Besonders enttäuschend sind die Replays, die technisch weit hinter aktuellen Standards zurückbleiben. Fahrzeuge und Strecken wirken dort wie aus unterschiedlichen Generationen zusammengewürfelt. Wettereffekte erfüllen funktional ihren Zweck, bleiben visuell jedoch blass.
Der angekündigte Mod-Support – inklusive Konsolen – könnte "Project Motor Racing" langfristig erheblich aufwerten. Community-Inhalte haben das Potenzial, Lücken im Content zu schließen und die Lebensdauer des Spiels deutlich zu verlängern. Gleichzeitig entsteht der Eindruck, dass zentrale Inhalte bewusst auf spätere, kostenpflichtige Erweiterungen ausgelagert werden.
"Project Motor Racing" ist kein schlechtes Spiel. Es ist ein ambitioniertes, in Teilen beeindruckendes Projekt, das jedoch spürbar unfertig wirkt. Fahrzeug- und Streckenauswahl sind stark, der Karriereansatz ist konsequent, und der Simulationsanspruch ist klar erkennbar.
Doch unausgereifte Fahrphysik einzelner Klassen, ein überhartes Strafensystem, technische Schwächen und konsolenspezifische Einschränkungen verhindern derzeit den Durchbruch. Die Konkurrenz ist reifer, stabiler und in vielen Bereichen deutlich weiter. Das Spiel steht sinnbildlich für seinen Namen: ein Projekt – mit viel Potenzial, aber noch ohne die Reife, um ganz oben mitzufahren.
Fakten:
Genre: Rennspiel
Erscheinungsdatum: 25. November 2025
Publisher: GIANTS Software
Entwickler: Straight4 Studios
Spieler: 1 - 32
Altersfreigabe: ab 0 Jahre
Preis: ab 49,99 Euro (PS5, Xbox Series X|S, PC)
Offizielle Website: https://projectmotorracing.com/
Bewertung:

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