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Rayman: 30th Anniversary Edition (PS5) im Test

  • Autorenbild: playmoregames
    playmoregames
  • vor 1 Tag
  • 3 Min. Lesezeit

Drei Jahrzehnte nach seinem Debüt kehrt einer der prägendsten Helden des klassischen Jump-&-Run-Genres zurück: Rayman. Mit der 30th Anniversary Edition liefert Ubisoft jedoch kein Remake im modernen Sinne, sondern eine umfangreiche Retrospektive, die sich bewusst der Bewahrung des Originals verschreibt. Gemeinsam mit Digital Eclipse und Ubisoft Montpellier entstand eine Sammlung, die gleichermaßen Spiel, Archiv und Zeitdokument ist. Doch wie gut funktioniert ein solcher Ansatz im Jahr 2026?


Die Antwort darauf fällt differenziert aus. Denn während diese Edition inhaltlich beeindruckt und nostalgisch punktgenau ins Schwarze trifft, offenbart sie gleichzeitig die Grenzen eines Konzepts, das sich stärker an der Vergangenheit als an modernen Spielerwartungen orientiert.

Im Zentrum steht natürlich das ursprüngliche Rayman, das hier gleich in mehreren Inkarnationen enthalten ist. Neben der PlayStation-Version finden sich auch Umsetzungen für Atari Jaguar, MS-DOS sowie die beiden Handheld-Ableger für Game Boy Advance und Game Boy Color. Diese Vielfalt ist mehr als nur ein Bonus – sie zeigt eindrucksvoll, wie unterschiedlich ein und dasselbe Spiel je nach Plattform interpretiert wurde. Für historisch interessierte Spieler ergibt sich daraus ein faszinierender Blick auf technische Einschränkungen und kreative Lösungen vergangener Hardware-Generationen.


Ergänzt wird das Paket durch rund 120 zusätzliche Level aus früheren Bonusveröffentlichungen sowie einen bislang unveröffentlichten SNES-Prototyp. Letzterer ist weniger als vollwertiges Spiel zu verstehen, sondern vielmehr als interaktives Ausstellungsstück – eine spielbare Momentaufnahme aus der Entwicklungsphase, die den experimentellen Charakter der frühen Produktion unterstreicht. Besonderes Gewicht legt Ubisoft zudem auf die integrierte Dokumentation.

Mit über 50 Minuten an Interviews, Konzeptzeichnungen und Designentwürfen hebt sich die Sammlung deutlich von klassischen Re-Releases ab. Dieser Blick hinter die Kulissen vermittelt nicht nur die kreative Vision der Entwickler, sondern ordnet Rayman auch in einen größeren Kontext der Spielegeschichte ein. Es ist ein Feature, das vor allem Kenner und Brancheninteressierte zu schätzen wissen werden. Spielerisch bleibt hingegen alles beim Alten – im Guten wie im Schlechten. Das grundlegende Prinzip ist schnell erklärt: In klassischer 2D-Perspektive bewegt sich Rayman durch farbenfrohe, teils surreal gestaltete Level, weicht Gegnern aus, sammelt sogenannte Electoons und stellt sich schließlich dem finsteren Mr. Dark. Die Stärke des Spiels liegt dabei weniger in seiner Geschichte als vielmehr im Leveldesign, das mit kreativen Ideen, versteckten Pfaden und abwechslungsreichen Themenwelten überzeugt.


Doch gerade hier zeigt sich auch, wie sehr sich das Genre in den letzten Jahrzehnten weiterentwickelt hat. Die Steuerung wirkt aus heutiger Sicht ungewohnt träge, die Sprungphysik teilweise unpräzise, und der Schwierigkeitsgrad schwankt zwischen fordernd und frustrierend. Was damals als herausfordernd galt, kann heute schnell abschreckend wirken. Ubisoft begegnet diesem Problem mit modernen Komfortfunktionen: Eine Rückspulfunktion, unendlich viele Leben sowie optionale Unverwundbarkeit sollen den Zugang erleichtern. Diese Eingriffe sind sinnvoll, verändern jedoch die ursprüngliche Spielerfahrung nicht unerheblich.

Optisch hingegen überzeugt die Anniversary Edition auf ganzer Linie. Der unverwechselbare, handgezeichnete Stil von Rayman hat die Zeit erstaunlich gut überdauert. Farbenfrohe Landschaften, liebevoll animierte Figuren und ein durchgehend kreatives Design sorgen dafür, dass das Spiel auch auf heutigen Displays nichts von seinem Charme verliert. Die technische Umsetzung ist sauber, die Darstellung scharf und stabil – genau so, wie man es sich von einer modernen Aufbereitung wünscht.


Beim Sound geht Ubisoft einen anderen Weg. Der originale Soundtrack wurde von Christophe Héral neu arrangiert und klanglich modernisiert. Das Ergebnis ist hochwertig produziert und fügt sich stimmig in die überarbeitete Präsentation ein. Dennoch bleibt ein gewisser Wermutstropfen: Die fehlende Möglichkeit, auf den Originalsound umzuschalten, dürfte insbesondere Puristen enttäuschen. Gerade bei einem Titel, der so stark von Nostalgie lebt, wäre diese Option wünschenswert gewesen.

Eine umfangreiche, detailverliebte Retrospektive eines Klassikers, die vor allem durch ihren historischen Wert und ihren Nostalgiefaktor glänzt – spielerisch jedoch nicht in allen Bereichen mit der Gegenwart mithalten kann. Technisch präsentiert sich die Sammlung insgesamt solide. Die Emulation der verschiedenen Versionen funktioniert zuverlässig, auch wenn kleinere Inkonsistenzen und typische Eigenheiten der jeweiligen Originale erhalten bleiben. Die Benutzeroberfläche erfüllt ihren Zweck, wirkt jedoch stellenweise etwas umständlich. Hier zeigt sich erneut die Grundphilosophie der Edition: Authentizität hat Vorrang vor Komfort.



Fakten:

 

Genre: Jump & Run

Erscheinungsdatum: 13. Februar 2026

Publisher: Ubisoft

Entwickler: Digital Eclipse

Spieler: 1

Altersfreigabe: ab 0 Jahre

Preis: ab 19,99 Euro (Playstation 5, Xbox Series X|S, Nintendo Switch, PC)

Offizielle Website: https://www.ubisoft.com/de-de


Bewertung:

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