Nobody Wants to Die (PS5) im Test
- playmoregames

- 19. Juli 2024
- 3 Min. Lesezeit

Mit "Nobody Wants to Die" legt das polnische Indie-Studio Critical Hit Games ein bemerkenswert reifes Debüt vor. Der interaktive Noir-Krimi entführt Spieler in ein dystopisches New York der Zukunft, in dem technologische Unsterblichkeit zur Realität geworden ist und klassische moralische Werte längst ihre Gültigkeit verloren haben. In dieser Welt aus Korruption, Verbrechen und gesellschaftlicher Spaltung erzählt das Spiel eine düstere Detektivgeschichte, die sich Zeit nimmt, ihre Themen zu entfalten, und dabei klar auf Atmosphäre und Erzählung setzt.
Im Zentrum der Handlung steht Detective James Karra, ein abgeklärter Ermittler, der nur knapp einem tödlichen Anschlag entkommt. Kaum wieder im Dienst, wird er von seinem Vorgesetzten mit einem geheimen Fall betraut, der sich schnell als weitaus komplexer erweist, als zunächst angenommen. Unterstützt wird Karra von der jungen Polizeibeamtin Sara Kai, deren Idealismus und moralische Standhaftigkeit einen spannenden Gegenpol zu seiner abgeklärten Weltsicht bilden. Gemeinsam tauchen sie immer tiefer in die dunklen Machenschaften der Stadt ein und stoßen dabei auf eine Verschwörung, die das Schicksal von New York nachhaltig verändern könnte. Die Möglichkeit, menschliches Bewusstsein durch Technologie zu konservieren, zieht sich dabei wie ein roter Faden durch die Geschichte und wirft immer wieder ethische Fragen auf, die geschickt in Dialoge und Spielentscheidungen eingebunden sind.

Das futuristische Setting erinnert unverkennbar an Genregrößen wie Blade Runner oder Minority Report, findet jedoch schnell eine eigene Identität. Die Spielwelt führt durch verfallene Gebäude, enge, düstere Gassen und imposante, aber moralisch verkommene Geschäftsviertel. Zahlreiche Nebencharaktere mit eigenen Motiven und Hintergrundgeschichten tragen dazu bei, dass sich diese Welt glaubwürdig und lebendig anfühlt. Fast jede Begegnung vermittelt das Gefühl, Teil eines größeren gesellschaftlichen Gefüges zu sein, in dem jeder etwas zu verbergen hat.
Spielerisch versteht sich "Nobody Wants to Die" klar als erzählgetriebenes Adventure. Action ist zwar vorhanden, steht aber nie im Vordergrund. Stattdessen liegt der Fokus auf klassischer Detektivarbeit: Tatorte werden untersucht, Hinweise gesammelt, Dialoge geführt und Zusammenhänge rekonstruiert. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Möglichkeit zur Zeitmanipulation. Ereignisse lassen sich anhalten, zurückspulen oder aus anderen Perspektiven betrachten, um neue Erkenntnisse zu gewinnen. Was zunächst ungewöhnlich wirkt, fügt sich nahtlos ins Spielkonzept ein und erweitert die Ermittlungsarbeit um eine spannende mechanische Ebene. Die Rätsel sind sinnvoll in die Handlung integriert und fordern mitunter ein hohes Maß an Aufmerksamkeit und logischem Denken, ohne dabei unfair zu wirken.

Die Steuerung präsentiert sich präzise und intuitiv, das Leveldesign unterstützt das eher gemächliche Spieltempo hervorragend. Wer ein actionlastiges Spiel erwartet, wird hier möglicherweise enttäuscht, doch gerade die bewusste Zurückhaltung bei der Inszenierung sorgt dafür, dass sich Spannung und Atmosphäre konstant aufbauen können. "Nobody Wants to Die" lebt von Ruhe, Beobachtung und der sorgfältigen Analyse seiner Spielwelt.
Technisch überzeugt das Spiel vor allem durch seine stimmige Präsentation. Die dystopische Zukunft New Yorks wird mit viel Liebe zum Detail dargestellt. Von schäbigen Hinterhöfen über verfallene Wohnkomplexe bis hin zu glitzernden Wolkenkratzern wirkt jede Umgebung sorgfältig gestaltet. Licht- und Schatteneffekte, realistische Wetterbedingungen und eine konsequent düstere Farbpalette tragen maßgeblich zur dichten Noir-Atmosphäre bei. Auf Konsolen stehen ein Grafikmodus mit höherer Auflösung und ein Performance-Modus mit flüssigeren Bildraten zur Auswahl. Aufgrund des ruhigen Gameplays fällt die niedrigere Bildrate im Grafikmodus kaum ins Gewicht, zumal optionale Raytracing-Effekte für zusätzliche visuelle Tiefe sorgen.
Auch akustisch weiß das Spiel zu überzeugen. Der zurückhaltende, spannungsgeladene Soundtrack unterstreicht die melancholische Grundstimmung und verstärkt das Gefühl permanenter Bedrohung. Soundeffekte und Vertonung fügen sich harmonisch ins Gesamtbild ein und tragen dazu bei, dass die Spielwelt glaubwürdig und immersiv wirkt.
Insgesamt ist "Nobody Wants to Die" ein starkes, erzählerisch dichtes Adventure, das sich bewusst Zeit für seine Geschichte und seine Figuren nimmt. Critical Hit Games gelingt mit ihrem Erstlingswerk ein stimmungsvoller Genrebeitrag, der besonders Fans von Noir-Erzählungen und storylastigen Spielen ansprechen dürfte. Die Handlung hält bis zum Ende die Spannung hoch, überrascht mit gelungenen Wendungen und konfrontiert den Spieler immer wieder mit moralischen Grauzonen. Wer bereit ist, sich auf das ruhige Tempo einzulassen, wird mit einem intensiven und nachhaltigen Spielerlebnis belohnt, das lange im Gedächtnis bleibt.
Fakten:
Genre: Action, Adventure
Erscheinungsdatum: 17. Juli 2024
Publisher: PLAION
Entwickler: Critical Hit Games
Spieler: 1
Altersfreigabe: ab 18 Jahre
Preis: ab 24,99 Euro (PlayStation 5, Xbox Series X|S, PC)
Offizielle Website: https://plaion.com/
Bewertung:

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