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MotoGP 26 (PS5) im Test

  • Autorenbild: playmoregames
    playmoregames
  • vor 5 Stunden
  • 4 Min. Lesezeit

Mit MotoGP™26 schlägt Milestone kein neues Kapitel auf – aber es schreibt das bestehende mit deutlich mehr Nachdruck weiter. In Zusammenarbeit mit der MotoGP Sports Entertainment Group bleibt die Reihe ihrer Linie treu: maximale Nähe zum realen Rennsport, ohne die Zugänglichkeit völlig aus den Augen zu verlieren. Doch gerade in diesem Jahr verschiebt sich das Gleichgewicht spürbar. Der Fokus liegt klar auf fahrerischer Präzision, körperlicher Kontrolle und einem deutlich intensiveren Verständnis dafür, wie sich ein MotoGP-Bike tatsächlich anfühlen könnte.


Der entscheidende Fortschritt liegt im Fundament des Spiels – dem Fahrmodell. Das neue, fahrerzentrierte Handling-System verändert die Art und Weise, wie sich MotoGP™26 spielt, grundlegend. Während frühere Teile die Maschine selbst in den Mittelpunkt stellten, wird nun der Fahrer zur eigentlichen Steuerinstanz. Jede Gewichtsverlagerung, jede minimale Korrektur der Körperhaltung wirkt sich unmittelbar auf Stabilität, Grip und Linienwahl aus. Das Motorrad folgt nicht mehr einfach Eingaben – es reagiert auf physische Impulse. Diese Umstellung entfaltet eine Wucht, die man so in der Serie bislang nicht erlebt hat.

Kurven fühlen sich nicht mehr wie berechnete Abläufe an, sondern wie fein austarierte Balanceakte am Limit der Haftung. Besonders beim Anbremsen enger Passagen oder beim Herausbeschleunigen aus langsamen Kurven wird deutlich, wie sensibel das System arbeitet. Ein minimal zu aggressiver Impuls kann das Bike aus der Ruhe bringen, während saubere, kontrollierte Bewegungen mit einer fast perfekten Linienführung belohnt werden. Allerdings verlangt MotoGP™26 seinem Spieler dafür einiges ab. Die ersten Stunden sind geprägt von Unsicherheit, Überreaktionen und häufigen Fehlern. Das Spiel zwingt dazu, gewohnte Muster zu hinterfragen und neu zu erlernen.


Genau darin liegt jedoch seine Qualität: Der Lernprozess fühlt sich organisch an. Mit jeder Runde wächst das Verständnis für das Zusammenspiel aus Gewicht, Geschwindigkeit und Kontrolle. Hat man diesen Punkt erreicht, entfaltet sich ein Fahrerlebnis, das in seiner Intensität und Authentizität innerhalb des Genres aktuell Maßstäbe setzt. Unterstützt wird dieses Erlebnis durch eine herausragende Einbindung moderner Hardware. Insbesondere der DualSense Wireless Controller entwickelt sich vom Eingabegerät zum echten Kommunikationsmittel zwischen Spiel und Spieler. Die adaptiven Trigger vermitteln feinste Unterschiede im Bremsdruck oder bei nachlassender Traktion, während das Vibrationsfeedback selbst kleinste Unebenheiten der Strecke spürbar macht.

Das Ergebnis ist eine physische Rückmeldung, die weit über klassische Steuerung hinausgeht und das Gefühl verstärkt, tatsächlich mit der Maschine zu arbeiten, anstatt sie nur zu kontrollieren. Technisch basiert das Spiel auf der Unreal Engine 5, was sich vor allem auf der Strecke eindrucksvoll zeigt. Die Motorräder sind mit einer Detailtiefe modelliert, die ihresgleichen sucht: feinste Materialstrukturen, realistische Lichtreflexionen und glaubwürdige Gebrauchsspuren erzeugen ein nahezu fotorealistisches Gesamtbild. In Bewegung entsteht so eine visuelle Dynamik, die das hohe Geschwindigkeitsgefühl zusätzlich verstärkt.


Doch dieser hohe Anspruch wird nicht konsequent durchgehalten. Abseits der Ideallinie zeigt MotoGP™26 deutliche Schwächen. Zuschauer wirken leblos, Umgebungen teilweise überraschend simpel, und auch die Strecken selbst bleiben hinter dem technisch Machbaren zurück. Besonders schwer wiegt der weiterhin fehlende Einsatz von Laserscans. Ungenaue Curbs oder leicht verfälschte Streckenprofile können das Fahrverhalten negativ beeinflussen und reißen den Spieler immer wieder aus der ansonsten so dichten Immersion. In einem Spiel, das so sehr auf Präzision setzt, ist das ein spürbarer Widerspruch.

Akustisch hingegen gelingt Milestone ein großer Schritt nach vorn. Die Motoren klingen kraftvoll, differenziert und vor allem glaubwürdig. Jede Klasse vermittelt ihren eigenen Charakter: von den hochdrehenden, nun deutlich volleren Moto3-Bikes über die aggressiv knurrenden Moto2-Maschinen bis hin zu den brachialen MotoGP-Prototypen, die mit roher Gewalt und beeindruckender Klangtiefe dominieren. Dieses Sounddesign trägt entscheidend dazu bei, die Intensität jedes Rennens zu steigern.


Abseits der Strecke bemüht sich MotoGP™26 um mehr Kontext und Dynamik. Der Karrieremodus wurde erweitert und integriert neue Systeme wie Medieninteraktionen, ein Management-Element für Vertragsverhandlungen sowie ein zentrales Paddock als Dreh- und Angelpunkt. Auch die Möglichkeit, reale Fahrerkarrieren neu zu gestalten, eröffnet interessante Perspektiven. Dennoch bleibt das Gesamtbild hinter seinen Möglichkeiten zurück. Die einzelnen Elemente greifen nicht immer nahtlos ineinander, und es fehlt an dramaturgischer Inszenierung, um langfristig eine echte Bindung zum eigenen Werdegang aufzubauen.

Einen gelungenen Ansatz stellen hingegen die dynamischen Fahrerbewertungen dar. Sie sorgen dafür, dass Leistungen innerhalb einer Saison sichtbar werden und sich das Kräfteverhältnis im Feld nachvollziehbar verändert. Dadurch gewinnt der Rennalltag an Glaubwürdigkeit und strategischer Tiefe. Im Mehrspielerbereich zeigt sich MotoGP™26 dagegen nahezu vollständig auf der Höhe der Zeit. Plattformübergreifendes Crossplay, große Online-Lobbys und stabile Verbindungen schaffen eine solide Basis für kompetitive Rennen. Besonders hervorzuheben ist der lokale Splitscreen-Modus – ein Feature, das in modernen Rennspielen selten geworden ist und hier für willkommene Abwechslung sorgt.


Die größte verbleibende Schwäche bleibt die künstliche Intelligenz. Trotz der starken fahrerischen Basis agieren CPU-Gegner nicht immer nachvollziehbar. Unsaubere Linien, inkonsequentes Verhalten und gelegentlich unrealistische Aktionen trüben das Gesamtbild. Gerade weil das Fahrmodell so präzise arbeitet, fallen diese Unstimmigkeiten umso stärker ins Gewicht.

Am Ende ist MotoGP™26 ein Spiel der Gegensätze. Auf der einen Seite steht ein herausragendes, forderndes Fahrgefühl, das die Essenz des Motorradrennsports so intensiv einfängt wie selten zuvor. Auf der anderen Seite stehen technische Unsauberkeiten, eine inkonstante KI und ein Karrieremodus, der seine eigenen Ambitionen nicht vollständig einlöst.

Wer jedoch bereit ist, sich auf die neue Fahrphysik einzulassen und die notwendige Lernkurve zu durchlaufen, wird mit einem Erlebnis belohnt, das in seiner Dichte, Spannung und Authentizität seinesgleichen sucht. MotoGP™26 ist kein perfektes Spiel – aber eines, das näher als viele Konkurrenten an das heranrückt, was Motorradrennen so faszinierend macht: die permanente Gratwanderung zwischen Kontrolle und Kontrollverlust.



Fakten:

 

Genre: Rennspiel

Erscheinungsdatum: 29. April 2026

Publisher: Milestone

Entwickler: Milestone

Spieler: 1 - 22

Altersfreigabe: ab 0 Jahre

Preis: ab 59,99 Euro (PlayStation®5, Xbox Series X|S, Nintendo Switch™2, Nintendo Switch™, ROG Xbox Ally, ROG Xbox Ally X, PC)

Offizielle Website: https://milestone.it/


Bewertung:

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