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The Coma 3: Bloodlines (PS5) im Test

  • Autorenbild: playmoregames
    playmoregames
  • vor 4 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Mit The Coma 3: Bloodlines findet die düstere Reihe von Dvora Studio und Headup ihren Abschluss – und dieser fällt konsequent, fordernd und bemerkenswert stilsicher aus. Statt auf große Effekte oder inszenatorische Übertreibung setzt das Spiel auf eine kontrollierte, fast schon unangenehm dichte Form von Horror, die sich langsam entfaltet und lange nachwirkt.


Die Geschichte führt bekannte Figuren wie Youngho, Mina und Jihyun erneut zusammen, verlässt jedoch die vertrauten Grenzen der Schule und öffnet die Tür zu deutlich gefährlicheren, unberechenbareren Schauplätzen. Dabei bleibt der Fokus klar: Nicht das Übernatürliche allein steht im Vordergrund, sondern die menschlichen Konflikte dahinter. Schuld, Angst und die Konsequenzen früherer Entscheidungen ziehen sich wie ein roter Faden durch die Handlung und verleihen ihr ein Gewicht, das über klassische Horror-Erzählungen hinausgeht.

Eine der wichtigsten Neuerungen ist der Wechsel zwischen mehreren spielbaren Charakteren. Was zunächst wie ein erzählerisches Stilmittel wirkt, entwickelt sich schnell zu einem tragenden Element des Gameplays. Jede Figur bringt eigene Stärken und Schwächen mit, die das Vorgehen nachhaltig beeinflussen. Der Unterschied liegt dabei weniger in spektakulären Fähigkeiten, sondern in feinen Nuancen: Beweglichkeit, Widerstandsfähigkeit oder Schleichen verändern, wie man Situationen angeht – und vor allem, wie sicher man sich fühlt.


Genau dieses Gefühl von Unsicherheit ist der Kern von Bloodlines. Vertraute Wege verlieren ihre Verlässlichkeit, bekannte Situationen kippen plötzlich ins Gefährliche. Ein Abschnitt, der eben noch kontrollierbar wirkte, kann aus einer anderen Perspektive zur echten Bedrohung werden. Das Spiel erzeugt so eine permanente Anspannung, ohne sich auf permanente Action verlassen zu müssen.

Spielerisch bleibt sich die Reihe treu. Flucht, Verstecken und das geschickte Umgehen von Gegnern bestimmen den Rhythmus. Kämpfe sind möglich, aber selten sinnvoll – und genau das ist Absicht. The Coma 3: Bloodlines zwingt den Spieler, defensiv zu denken. Es geht nicht darum, sich durchzusetzen, sondern durchzukommen. Diese klare Haltung verleiht dem Spiel eine bemerkenswerte Konsequenz.


Die Gegner-KI unterstützt dieses Konzept wirkungsvoll. Feinde agieren nicht mechanisch, sondern reagieren auf das Verhalten des Spielers. Sie passen sich an, durchbrechen Routinen und setzen den Spieler unter Druck, ohne dabei unfair zu wirken. Entscheidungen entstehen oft im Moment: Risiko eingehen oder vorsichtig bleiben? Tempo oder Kontrolle? Gerade in engen Situationen entfaltet sich daraus eine intensive Dynamik.

Das Leveldesign verstärkt diesen Eindruck zusätzlich. Statt offener Areale dominieren enge, verschachtelte Strukturen. Räume wirken beengt, Wege führen in Schleifen zurück, und mit jeder Abkürzung wächst die Komplexität der Umgebung. Orientierung wird zur Herausforderung, Sicherheit zur Illusion. Die Welt fühlt sich nicht nur gefährlich an – sie ist es auch. Die Rätsel fügen sich nahtlos in dieses Konzept ein. Sie sind weniger klassische Denksportaufgaben als vielmehr Beobachtungsübungen. Wer aufmerksam ist, erkennt Muster, Zusammenhänge und Lösungen direkt in der Umgebung. Das sorgt für ein stimmiges Gesamtbild, in dem Gameplay und Welt eng miteinander verzahnt sind.


Atmosphärisch erreicht The Coma 3: Bloodlines ein beeindruckendes Niveau. Der visuelle Stil lebt von starken Kontrasten, gezieltem Einsatz von Licht und Schatten sowie einer bewusst reduzierten Farbpalette. Die Koma-Welt wirkt gleichzeitig surreal und greifbar – ein Ort, der sich ständig leicht „falsch“ anfühlt. Unterstützt wird das Ganze durch ein exzellentes Sounddesign: entfernte Geräusche, hallende Schritte und eine oft fast vollständige Stille erzeugen eine Spannung, die sich kaum greifbar, aber ständig präsent anfühlt.

Wenn das Spiel dieses fragile Gleichgewicht durchbricht, geschieht das mit voller Intensität. Verfolgungssequenzen sind chaotisch, schnell und fordernd – Momente, in denen die Kontrolle bewusst entgleitet. Gerade dieser Kontrast zwischen ruhigen und extremen Phasen macht den Spannungsaufbau so wirkungsvoll. Trotz dieser Stärken bleibt das Spiel nicht frei von Problemen. Der Spielfluss gerät gelegentlich ins Stocken, vor allem durch längere Laufwege oder unklare Zielvorgaben. Die vernetzte Karte, so gelungen sie grundsätzlich ist, kann in solchen Momenten eher frustrieren als motivieren. Auch der Schwierigkeitsgrad ist hoch angesetzt und zeigt wenig Nachsicht – eine Designentscheidung, die nicht jeden Spielertyp ansprechen dürfte.


Hinzu kommen kleinere technische Schwächen. Die Steuerung wirkt in stressigen Situationen nicht immer so präzise, wie sie sein müsste, was besonders in kritischen Momenten auffällt. Diese Ungenauigkeiten sind selten spielentscheidend, aber spürbar. Dennoch gelingt The Coma 3: Bloodlines das, woran viele Genrevertreter scheitern: Es bleibt sich selbst treu und entwickelt seine Stärken konsequent weiter. Die Geschichte findet ein rundes, wenn auch bewusst nicht vollständig erklärendes Ende, das der Reihe gerecht wird und ihr eine klare Identität bewahrt.

The Coma 3: Bloodlines ist kein lauter Abschluss, sondern ein intensiver. Ein Spiel, das seine Wirkung aus Atmosphäre, Unsicherheit und psychologischer Spannung zieht. Trotz kleiner Schwächen im Tempo und Handling überzeugt es als durchdachtes, forderndes Finale, das die Qualitäten der Reihe auf den Punkt bringt – und dabei mehr nachhallt, als es im ersten Moment zeigt.



Fakten:

 

Genre: Action & Adventure, Rollenspiel

Erscheinungsdatum: 30. April 2026

Publisher: Headup Games

Entwickler: Dvora Studio

Spieler: 1 - 22

Altersfreigabe: ab 12 Jahre

Preis: ab 14,99 Euro (PlayStation®5, Xbox Series X|S, PC)

Offizielle Website: https://www.headupgames.com/


Bewertung:

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