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Little Nightmares III (PS5) im Test

  • Autorenbild: playmoregames
    playmoregames
  • 7. Feb.
  • 4 Min. Lesezeit

Mit "Little Nightmares 3" stellt die Reihe ihr bisheriges Selbstverständnis infrage. Erstmals rückt kooperatives Spielen ins Zentrum eines Serienkonzepts, das bislang von Isolation, Ohnmacht und stiller Beobachtung lebte. Dieser Schritt ist konsequent und riskant zugleich: Denn wo Einsamkeit bislang ein zentrales Stilmittel war, tritt nun Zusammenarbeit an ihre Stelle. Die entscheidende Frage lautet nicht, ob Koop technisch funktioniert, sondern ob er die spezifische Wirkung von Little Nightmares tragen kann.


Strukturell bleibt das Spiel der Serie treu. Die Handlung entfaltet sich in klar abgegrenzten Kapiteln, die jeweils einen eigenen thematischen Fokus setzen und wie in sich geschlossene Albtraumsequenzen funktionieren. Diese modulare Erzählweise erlaubt eine dichte Inszenierung, ohne den roten Faden zu verlieren. Das spielerische Fundament hat sich jedoch grundlegend verändert. Statt einer einzelnen, bewusst verletzlich inszenierten Figur werden nun zwei Charaktere gesteuert.

Der Titel ist vollständig um dieses Duo herum konzipiert – wahlweise im Online-Koop oder allein mit KI-Begleitung. Beide Figuren verfügen über klar definierte, sich ergänzende Fähigkeiten, die das Leveldesign maßgeblich bestimmen. Eine Rolle ist auf präzise Ferninteraktion ausgelegt, die andere auf physische Eingriffe in die Spielwelt. Fortschritt ist nur möglich, wenn beide Aufgaben sinnvoll ineinandergreifen. Koop ist damit kein optionales Feature, sondern integraler Bestandteil der Spielmechanik. Das Rätseldesign gehört zu den überzeugendsten Elementen von "Little Nightmares 3".


Die Aufgabenstellungen sind logisch aufgebaut, visuell klar lesbar und konsequent in die Spielwelt eingebettet. Mechaniken wirken selten konstruiert, sondern erscheinen als natürliche Erweiterung der Umgebung. Der Schwierigkeitsgrad ist bewusst moderat gewählt. Das Spiel fordert Aufmerksamkeit, Beobachtungsgabe und Abstimmung, verzichtet aber auf unnötige Komplexität. Positiv fällt auf, dass Lösungen nicht durch Markierungen oder permanente Hinweise vorweggenommen werden. Stattdessen entsteht ein Lernprozess, der sich organisch anfühlt und im Koop besonders gut funktioniert.

Im Solomodus mit KI bleibt diese Qualität grundsätzlich erhalten, wenngleich die Erfahrung an Dynamik verliert. Die KI erfüllt ihre Aufgabe zuverlässig, bleibt jedoch rein funktional und ersetzt nicht das kommunikative Moment menschlicher Zusammenarbeit. Weniger souverän zeigt sich das Spiel beim Thema Spielfluss. Die Rücksetzpunkte sind teilweise ungünstig platziert, insbesondere in Abschnitten, die präzise Sprünge oder exaktes Timing verlangen. Da die Figuren bewusst träge reagieren, um ihre Verletzlichkeit zu betonen, führen Fehlversuche schnell zu Wiederholungen, die den Rhythmus stören.


Hinzu kommt die Kameraperspektive, die in einzelnen Situationen die räumliche Orientierung erschwert. Die leicht versetzte Draufsicht erschwert das Einschätzen von Distanzen und Höhen. Misslungene Sprünge fühlen sich dadurch nicht immer wie das Ergebnis eigener Fehler an, sondern wie eine Konsequenz unklarer Darstellung – ein Problem, das gerade in einem atmosphärisch dichten Spiel stärker ins Gewicht fällt. Atmosphärisch bleibt "Little Nightmares 3" unverkennbar Teil der Serie. Die Spielwelt ist erneut von grotesken Dimensionen, verzerrten Proportionen und verstörenden Details geprägt. Räume wirken feindselig, überdimensioniert und bewusst fremd, wodurch sich das Gefühl permanenter Bedrohung einstellt.

Jedes Kapitel besitzt eine eigenständige visuelle Identität, ohne den übergeordneten Stil zu verlassen. Lichtführung, Farbgebung und Architektur dienen nicht nur der Ästhetik, sondern auch der subtilen Spielerführung. Besonders wirkungsvoll ist der Wechsel zwischen stiller Erkundung und abrupten Fluchtmomenten, der kontinuierlich Spannung erzeugt.

Der Koop-Modus verändert die emotionale Wirkung spürbar. Das Gefühl absoluter Einsamkeit weicht einer geteilten Verantwortung. Das Ergebnis ist weniger existenzielle Isolation, dafür eine neue Form von Anspannung: das Wissen, dass ein Fehler nicht nur den eigenen Fortschritt gefährdet.


Visuell überzeugt "Little Nightmares 3" vor allem durch sein Artdesign. Die Umgebungen sind detailreich, stimmungsvoll ausgeleuchtet und stilistisch kohärent. Technisch bleibt der Titel jedoch hinter seinen gestalterischen Ambitionen zurück. Insbesondere die Performance zeigt Schwächen. In aufwendig inszenierten Szenen kommt es zu spürbaren Einbrüchen der Bildrate, die das Spielgefühl beeinträchtigen können. Zwar ist das Spiel insgesamt stabil und frei von gravierenden Fehlern, doch die inkonstante Performance fällt gerade deshalb auf, weil präzise Steuerung wiederholt eingefordert wird.

Die Klanggestaltung unterstützt die Atmosphäre wirkungsvoll. Geräusche werden gezielt eingesetzt, um Unsicherheit zu erzeugen oder Bedrohungen anzukündigen. Die musikalische Untermalung bleibt hingegen zurückhaltend und funktional. Sie fügt sich in das Gesamtbild ein, setzt jedoch nur selten prägende Akzente. Angesichts der starken Ausrichtung auf Zusammenarbeit wirkt das Fehlen eines lokalen Koop-Modus schwer nachvollziehbar. Gerade ein Spiel, das von stiller Abstimmung und gemeinsamer Problemlösung lebt, hätte vom gemeinsamen Spielen an einem Bildschirm erheblich profitiert. Diese Entscheidung beschneidet das soziale Potenzial des Konzepts unnötig.


"Little Nightmares 3" ist ein ambitionierter und größtenteils gelungener Schritt in eine neue Richtung. Der kooperative Fokus bereichert das Spiel spürbar und schafft neue, spannende Situationen, ohne den charakteristischen Ton der Reihe grundlegend zu verfälschen. Gleichzeitig verhindern Performanceprobleme, unpräzise Perspektiven und der Verzicht auf Couch-Koop, dass das volle Potenzial ausgeschöpft wird. Als Weiterentwicklung überzeugt der Titel mehr konzeptionell als technisch. Er zeigt, wohin sich die Serie bewegen kann – und wo sie noch nachschärfen muss, um diese neue Identität vollständig zu tragen.



Fakten:

 

Genre: Action & Adventure

Erscheinungsdatum: 10. Oktober 2025

Publisher: Bandai Namco

Entwickler: Supermassive Games

Spieler: 1 - 2

Altersfreigabe: ab 16 Jahre

Preis: ab 39,99 Euro (PS5, PlayStation 4, Xbox Series X|S, Xbox One, Nintendo Switch 2, Nintendo Switch, PC)

Offizielle Website: https://de.bandainamcoent.eu/


Bewertung:

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