Kunitsu-Gami: Path of the Goddess (Switch 2) im Test
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Als "Kunitsu-Gami: Path of the Goddess" vor rund einem Jahr für Xbox, PlayStation und PC erschien, ging der ungewöhnliche Genre-Mix im Release-Trubel beinahe unter. Schnell jedoch etablierte sich der Titel als Geheimtipp: eigenwillig, atmosphärisch und mutig anders. Nun folgt die Umsetzung für Nintendos Switch 2 – Zeit für eine erneute Bestandsaufnahme.
Im Mittelpunkt von "Kunitsu-Gami" steht der Berg Kafuku, der von einer dämonischen Verderbnis namens „Seethe“ heimgesucht wird. Spieler übernehmen die Rolle von Soh, dessen Aufgabe es ist, die Priesterin Yoshiro zu beschützen. Sie ist der Schlüssel zur Reinigung des Landes, da nur sie die notwendigen Rituale durchführen kann, um die Dämonentore – die Torii – zu bannen.

Das Spielgeschehen ist klar strukturiert und lebt vom Wechsel zwischen zwei Phasen. Am Tag erkundet ihr die überschaubaren Areale, sammelt Ressourcen, befreit Dorfbewohner und reinigt verseuchte Bereiche. Die so verdienten Punkte werden genutzt, um Yoshiro einen sicheren Pfad zu den Torii zu ermöglichen. Sie bewegt sich dabei langsam und in rituellen Tanzschritten voran – ein bewusstes Stilmittel, das die spirituelle Ausrichtung des Spiels unterstreicht.
Sobald die Dämonen aus den Torii strömen, offenbart "Kunitsu-Gami" sein eigentliches Herzstück: ein taktisches Tower-Defense-System, das geschickt mit direkter Action verknüpft wird. Die zuvor geretteten Dorfbewohner lassen sich verschiedenen Klassen zuordnen – etwa Nahkämpfer oder Fernschützen – und strategisch auf der Karte platzieren. Sie fungieren als mobile Verteidigungseinheiten, die automatisch angreifen.

Soh selbst bleibt dabei jederzeit aktiv. Seine Steuerung ist bewusst zugänglich gehalten und setzt auf wenige, aber effektive Angriffskombinationen. Auch hier greift das zentrale Motiv des Spiels: Jede Bewegung wirkt wie Teil einer choreografierten Kampfperformance. Das verleiht den Gefechten eine ganz eigene Ästhetik, ohne spielerische Tiefe einzubüßen.
Der besondere Reiz von "Kunitsu-Gami" entsteht durch seine stetig wachsenden Anforderungen an Planung und Übersicht. Spätestens wenn Gegner aus mehreren Richtungen angreifen, reicht reines Reagieren nicht mehr aus. Positionierung, Klassenwahl und der gezielte Einsatz von Soh entscheiden über Erfolg oder Niederlage.
Kleine, aber clevere Designentscheidungen verstärken diesen Anspruch. So müssen Höhlen zunächst ausgeleuchtet werden, damit Dorfbewohner dort überhaupt kämpfen können. Auch die Bosskämpfe verlangen mehr als bloße Schadensmaximierung: Erst das gezielte Schwächen der Gegner eröffnet kurze Zeitfenster, in denen sie wirklich verwundbar sind.
Nach abgeschlossenen Missionen lassen sich befreite Areale als Basis nutzen. Hier zeigt sich jedoch eine der wenigen Schwächen des Spiels. Das Dorfmanagement bleibt extrem rudimentär und beschränkt sich im Wesentlichen auf das Zuweisen von Reparaturarbeiten. Diese werden erst nach weiteren Einsätzen abgeschlossen, was regelmäßige Rückkehr zur Basis erzwingt.

Das wirkt unnötig umständlich, wird jedoch durch ein flexibles Aufwertungssystem teilweise abgefedert. Upgradepunkte für Klassen lassen sich jederzeit neu verteilen, wodurch sich gezielt auf bestimmte Missionen oder optionale Herausforderungen vorbereiten lässt.
Die Switch-2-Version bringt ein exklusives Feature mit: die optionale Maussteuerung über die Joy-Con-2-Controller. Der rechte Joy-Con kann wie eine PC-Maus verwendet werden und steuert einen präzisen Cursor. Gerade beim Platzieren von Einheiten funktioniert das überraschend gut.
Im direkten Kampf bleibt die klassische Controllersteuerung jedoch klar überlegen. Da Capcom die Mausfunktion nicht erzwingt, sondern als Ergänzung anbietet, fügt sie sich sinnvoll ins Gesamtkonzept ein – ohne das Spielgefühl zu verfälschen.
Abseits davon entspricht die Switch-2-Version inhaltlich exakt den anderen Fassungen und enthält bereits alle später veröffentlichten Inhalte, inklusive des Post-Game-Modus Otherworldly Venture. Neue Inhalte bleiben jedoch aus, was angesichts des unveränderten Preises von 39,99 Euro für die Switch 2-Version etwas enttäuscht.
Audiovisuell ist "Kunitsu-Gami" weiterhin eine Ausnahmeerscheinung. Die von japanischer Mythologie inspirierten Dämonen sind eindrucksvoll grotesk gestaltet, während Umgebungen und Effekte eine dichte, fast rituelle Atmosphäre erzeugen.
Ein klarer Tipp: Die japanische Sprachausgabe wählen. Sie passt perfekt zum Tonfall des Spiels und wertet die Inszenierung spürbar auf. Die englische Synchronisation fällt dagegen deutlich ab und kann die Stimmung sogar brechen. Technisch zeigt sich die Switch-2-Version stabil. Lediglich im Handheld-Modus kam es vereinzelt zu minimalen Rucklern, die jedoch kaum ins Gewicht fallen. Der Spielfluss bleibt jederzeit erhalten – gerade im intensiven Tag-Nacht-Rhythmus fallen kleine Schwächen kaum auf.
"Kunitsu-Gami: Path of the Goddess" ist auch auf der Switch 2 ein außergewöhnliches Spielerlebnis. Die neue Version bietet zwar kaum zusätzliche Inhalte, doch das kreative Zusammenspiel aus Action, Strategie und ritueller Ästhetik funktioniert nach wie vor hervorragend. Wer den Titel bislang verpasst hat, sollte die Gelegenheit nutzen. Trotz kleiner Schwächen im Dorfmanagement bleibt Kunitsu-Gami ein mutiger, eigenständiger Titel, der sich wohltuend vom Mainstream abhebt – und auch ein Jahr nach Release noch frisch anfühlt.
Fakten:
Genre: Action, Strategie
Erscheinungsdatum: 05. Juni 2025
Publisher: Capcom
Entwickler: Capcom
Spieler: 1
Altersfreigabe: ab 12 Jahre
Preis: ab 39,99 Euro (Nintendo Switch 2, PlayStation 5, Xbox Series X|S, PC)
Offizielle Website: https://www.capcom-germany.de/
Bewertung:

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