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Styx: Blades of Greed (PS5) im Test

  • Autorenbild: playmoregames
    playmoregames
  • vor 2 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Mit "Styx: Blades of Greed" kehrt einer der eigenwilligsten Vertreter des Stealth-Genres auf die aktuelle Konsolengeneration zurück. Neun Jahre nach Styx: Shards of Darkness schickt Cyanide Studio seinen zynischen Goblin erneut in die Schatten – diesmal technisch modernisiert und strukturell deutlich ambitionierter. Statt linearer Schleichmissionen setzt der dritte Teil auf weitläufige Gebiete, vertikale Levelarchitektur und ein spürbar erweitertes Arsenal an Fähigkeiten. Das Ziel ist klar: mehr Freiheit, mehr Kreativität, mehr spielerische Eigenverantwortung.


Erzählerisch rückt das Spiel seinen Protagonisten stärker in den Mittelpunkt. Styx agiert nicht länger nur als zynischer Opportunist, sondern verfolgt eine klare Agenda: die Kontrolle über Quarz, eine mächtige Ressource, die in einer Welt am Rande eines Krieges zwischen Elfen, Menschen und Orks für Spannungen sorgt. Mit einer eigenen Crew im Rücken und einem Zeppelin als mobilem Hauptquartier etabliert er die Gruppierung „Schwarze Hand“ und mischt im geopolitischen Machtgefüge kräftig mit.

Die Handlung bleibt dabei typisch Styx – bissig kommentiert, moralisch ambivalent und mit einem Hang zur Selbstironie. Zwar erreicht die Inszenierung keine cineastischen Höhen, doch sie verleiht den Missionen einen klaren narrativen Rahmen. Die größte spielerische Weiterentwicklung zeigt sich im Leveldesign. Drei weitläufige Areale – darunter die gewaltige Grenzbefestigung „The Wall“, das Orkgebiet Turquoise Dawn und die Ruinen der Elfenmetropole Akenash – laden zur freien Erkundung ein.


Die Umgebungen sind konsequent vertikal gedacht. Dächer, Gerüste, Türme, Abgründe und unterirdische Wege schaffen ein komplexes Netz alternativer Routen. Klassische Stealth-Prinzipien wie Licht und Schatten, Sichtlinien und Geräuschquellen greifen hier sauber ineinander. Wer aufmerksam plant, findet fast immer mehrere Lösungswege – vom lautlosen Hochseilmanöver bis zur manipulativen Gedankenkontrolle eines Wachpostens. Werkzeuge wie Enterhaken, Gleiter oder Kletterkrallen verstärken diese Freiheit zusätzlich. Das Leveldesign belohnt Experimentierfreude und Geduld – zwei Tugenden, die das Spiel konsequent einfordert.

Styx bleibt sich treu: Er ist kein Frontkämpfer. Offene Gefechte sind riskant und meist tödlich. Stattdessen entfaltet sich die spielerische Tiefe über sein vielseitiges Fähigkeitenset. Unsichtbarkeit, Klonen, Gedankenkontrolle und sogar Zeitmanipulation eröffnen taktische Möglichkeiten, die über simples Verstecken hinausgehen. Hinzu kommen Crafting-Elemente und vorbereitbare Ausrüstung, die jeder Mission eine strategische Vorplanung verleihen. Besonders gelungen ist, wie die Fähigkeiten miteinander kombiniert werden können – etwa um komplexe Ablenkungsmanöver oder mehrstufige Infiltrationen zu ermöglichen.


Nicht ganz auf diesem Niveau bewegt sich jedoch die Steuerung. In heiklen Momenten wirken Animationen gelegentlich etwas unpräzise, was bei einem anspruchsvollen Schleichspiel stärker ins Gewicht fällt als bei actionorientierten Titeln. Frustmomente entstehen selten, aber spürbar. Dank Unreal Engine 5 präsentiert sich die Spielwelt atmosphärisch dicht und detailreich. Vertikale Landschaften wirken imposant, Licht- und Schatteneffekte tragen maßgeblich zur Spannung bei. Besonders nächtliche Abschnitte profitieren von der modernen Technik.

Dennoch offenbaren sich im Detail Einschränkungen: Einige Texturen wiederholen sich, Missionsstrukturen ähneln sich im späteren Verlauf stärker als erhofft, und kleinere technische Unsauberkeiten – etwa ruckelnde Animationen oder vereinzelte Bugs – trüben stellenweise den Gesamteindruck. Die Performance bleibt überwiegend stabil, schwankt jedoch gelegentlich in komplexeren Szenen. Akustisch punktet das Spiel vor allem mit seiner dichten Klangkulisse. Umgebungsgeräusche, leise musikalische Akzente und situative Soundeffekte erzeugen eine konstante Grundspannung, die das Schleichgefühl effektiv unterstützt.


Weniger überzeugend fallen hingegen einige Sprecherleistungen aus. Dialoge wirken mitunter nüchtern oder wenig emotional, was gerade in storyrelevanten Momenten die Immersion leicht mindert. Hier verschenkt das Spiel Potenzial, das sein charismatischer Protagonist eigentlich bieten würde.

"Styx: Blades of Greed" ist eine konsequente Weiterentwicklung der Reihe. Die offene Struktur, die ausgeprägte Vertikalität und das vielseitige Fähigkeitensystem verleihen dem Spiel eine taktische Tiefe, die im Genre zunehmend selten geworden ist. Es fordert Geduld, Beobachtungsgabe und strategisches Denken – belohnt dafür aber mit kreativen Lösungsansätzen und echter spielerischer Freiheit. Gleichzeitig verhindern kleinere technische Schwächen, eine nicht immer präzise Steuerung und qualitative Schwankungen im Missionsdesign den ganz großen Wurf. Für Fans anspruchsvoller Stealth-Erfahrungen ist dieser Titel dennoch eine klare Empfehlung. Wer hingegen ein makellos inszeniertes Blockbuster-Abenteuer erwartet, wird hier eher ein ambitioniertes Projekt mit Charakter als ein perfektes Prestigeprodukt finden.



Fakten:

 

Genre: Action & Adventure

Erscheinungsdatum: 19. Februar 2026

Publisher: Nacon

Entwickler: Cyanide Studio

Spieler: 1

Altersfreigabe: ab 16 Jahre

Preis: ab 49,99 Euro (PS5, Xbox Series X|S, PC)

Offizielle Website: https://cyanide-studio.com/


Bewertung:

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