Kingdom Come: Deliverance - NextGen - Update (PS5) im Test
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- vor 23 Stunden
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Mit "Kingdom Come: Deliverance" verfolgt Warhorse Studios einen Ansatz, der im modernen Rollenspielmarkt Seltenheitswert besitzt: historische Genauigkeit statt Fantasy-Eskapismus, soziale Glaubwürdigkeit statt überhöhter Heldenreise. Das Ergebnis ist ein Titel, der bewusst aneckt – und gerade dadurch nachhaltig beeindruckt. Wir testen das neue und kostenlose Update des Spiels für euch.
Im Mittelpunkt steht Heinrich, Sohn eines Schmieds aus dem Dorf Skalitz. Nach der Zerstörung seiner Heimat durch die Truppen Sigismunds von Ungarn findet er sich im Strudel eines politischen Machtkonflikts wieder, der auf realhistorischen Ereignissen basiert. Anders als viele Genrevertreter inszeniert das Spiel seinen Protagonisten nicht als außergewöhnliche Figur mit übernatürlichem Talent, sondern als jungen Mann, der sich seine Fähigkeiten mühsam erarbeiten muss.

Die Erzählweise bleibt dabei angenehm bodenständig. Heinrich verfolgt persönliche Ziele – Rache, Loyalität, Überleben – während sich um ihn herum die politischen Fronten verschieben. Dialoge sind sorgfältig geschrieben und in der deutschen Fassung hochwertig vertont. Die Figuren wirken glaubwürdig in ihrer sozialen Rolle, auch wenn die teils steifen Gesichtsanimationen gelegentlich die emotionale Wirkung schmälern.
Ein umfangreicher Kodex ergänzt die Handlung mit historischen Hintergründen und vertieft das Verständnis für die gesellschaftlichen Strukturen des spätmittelalterlichen Böhmens.
Was "Kingdom Come: Deliverance" von klassischen Open-World-RPGs unterscheidet, ist sein kompromissloser Realismus. Der Alltag Heinrichs folgt festen Regeln: Hunger, Müdigkeit und Verletzungen beeinflussen Leistungsfähigkeit und soziale Interaktionen. Kleidung ist nicht nur kosmetisches Beiwerk – sie bestimmt, ob Heinrich respektiert oder belächelt wird. Verschmutzte Rüstung oder blutige Gewänder können Gespräche negativ beeinflussen.

Zeit besitzt ebenfalls Bedeutung. Manche Aufträge dulden keinen Aufschub, Schulden oder Versäumnisse ziehen Konsequenzen nach sich. Diese Mechaniken erzeugen eine bemerkenswerte Immersion, verlangen jedoch vom Spieler ein hohes Maß an Aufmerksamkeit. Der Einstieg wirkt mitunter überfordernd, da zahlreiche Systeme gleichzeitig greifen. Mit zunehmender Spielzeit entwickelt sich jedoch eine Routine, die das Mikromanagement organischer erscheinen lässt.
Nicht jede Designentscheidung erweist sich als gleich gelungen. Bestimmte Abläufe – etwa längere Wartephasen beim Schlafen – können auf Dauer ermüdend wirken. Dennoch bleibt die Grundidee konsequent: Das Spiel opfert Komfort zugunsten von Glaubwürdigkeit.
Auch das Kampfsystem folgt dieser Philosophie. Statt schneller, effektgeladener Schlagabtausche setzt das Spiel auf ein richtungsbasiertes System, das Timing, Ausdauerverwaltung und defensive Manöver betont. Jeder Angriff muss bewusst geführt werden, jeder Fehler kann schwerwiegende Folgen haben.

Besonders in Duellen entfaltet sich eine intensive Dynamik, bei der Technik und Geduld wichtiger sind als bloße Aggression. Problematischer gestalten sich Kämpfe gegen mehrere Gegner. Hier stößt das System an seine Grenzen und kann stellenweise unfair wirken.
Konsequent ist zudem die Progression: Fähigkeiten verbessern sich ausschließlich durch Anwendung. Wer Konflikte bevorzugt diplomatisch löst, bleibt im Schwertkampf unerfahren – was sich später deutlich bemerkbar machen kann. Auch der Umgang mit dem Bogen verzichtet auf Komfortfunktionen wie ein Fadenkreuz und verlangt Übung sowie Gefühl für Distanz und Bewegung.
Visuell zeichnet das Spiel ein stimmungsvolles Bild des mittelalterlichen Böhmens. Weite Felder, dichte Wälder und kleine Siedlungen erzeugen eine glaubhafte Welt, die weniger spektakulär als vielmehr authentisch wirkt. Besonders eindrucksvoll ist die Nachtgestaltung: Dunkelheit ist hier tatsächlich finster und verändert das Spielgefühl spürbar. Die überarbeitete PS5-Version profitiert spürbar von technischen Verbesserungen. Bis zu 60 Bilder pro Sekunde sorgen für flüssigere Abläufe, während 4K-Upscaling bei nativer 1440p-Rendering-Auflösung die Bildschärfe erhöht.
Verbesserte Texturen, optimierte Beleuchtung und eine größere Sichtweite verleihen der Welt zusätzliche Tiefe. Deutlich verkürzte Ladezeiten dank SSD beseitigen zudem einen der größten Kritikpunkte der ursprünglichen Konsolenfassung. Akustisch unterstützt ein zurückhaltender, atmosphärischer Soundtrack das Geschehen. Umgebungsgeräusche – vom Hämmern des Schmieds bis zum Rascheln der Wälder – tragen wesentlich zur Immersion bei.
"Kingdom Come: Deliverance" ist ein Rollenspiel, das bewusst gegen gängige Komfortmechaniken arbeitet. Es fordert Geduld, Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, sich auf seine Systeme einzulassen. Nicht jede Entscheidung ist perfekt ausbalanciert, doch die konsequente Designphilosophie verleiht dem Spiel eine starke Identität. Wer ein zugängliches Action-RPG mit rascher Progression sucht, wird hier womöglich frustriert. Wer jedoch eine historisch fundierte, atmosphärisch dichte Mittelalter-Erfahrung schätzt, findet in diesem Titel eines der eigenständigsten Rollenspiele der letzten Jahre. Dank des neuen und vor allem kostenlosen Update, hat der Titel eine tolle Verbesserung erhalten und werden Fans und Neulinge direkt beeindruckt sein.
Fakten:
Genre: Rollenspiel
Erscheinungsdatum: 13. Februar 2026
Publisher: PLAION, Deep Silver
Entwickler: Warhorse Studios
Spieler: 1
Altersfreigabe: ab 16 Jahre
Preis: ab 29,99 Euro (PS5, Xbox Series X|S, PC, PlayStation 4, Xbox One, Nintendo Switch, xCloud, GeForce Now, Microsoft Windows, Amazon Luna)
Offizielle Website: https://www.kingdomcomerpg.com/
Bewertung:

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