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Pragmata (PS5) in der Vorschau

  • Autorenbild: playmoregames
    playmoregames
  • vor 7 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Totgesagte leben länger: Nach Jahren der Ungewissheit und mehreren Terminverschiebungen wirkt "Pragmata" plötzlich erstaunlich greifbar. In einer weiteren ausführlichen Anspielsession demonstrierte Capcom, dass das Projekt nicht nur existiert, sondern zunehmend Profil gewinnt. Statt vager Visionen zeigt sich nun ein Spiel mit klarer Identität – mechanisch ambitioniert, atmosphärisch dicht und überraschend fordernd.


Im Mittelpunkt steht Hugh Williams, der als Teil eines Einsatzteams eine verstummte Mondforschungsstation untersuchen sollte – und nach einem katastrophalen Zwischenfall selbst zum Überlebenden wird. Verletzt, isoliert und abgeschnitten von seiner Einheit, ist er auf die Hilfe der Androidin Diana angewiesen. Was zunächst wie eine klassische Sci-Fi-Prämisse anmutet, entfaltet durch das Duo eine eigene Dynamik. Hugh ist nicht der allmächtige Actionheld, sondern ein Soldat unter Druck.

Diana wiederum ist weit mehr als ein Begleit-NPC: Ihre Hacking-Fähigkeiten sind integraler Bestandteil jedes Gefechts und jeder Erkundung. Eine der auffälligsten Neuerungen der aktuellen Version ist das ausgebaute Hub-Areal. Hier wird deutlich, dass "Pragmata" keine reine Vorwärts-Offensive ist, sondern ein Spiel über Vorbereitung und Kalkül. Ein industrieller 3D-Drucker erlaubt es, zuvor gefundene Sekundärwaffen neu zu produzieren – ein essenzielles Feature, da diese nach vollständigem Munitionsverbrauch verloren gehen.


Ressourcen wie Lunafilament dienen als Währung für gezielte Verbesserungen: stärkere Medikits, zusätzliche Ausweichmanöver oder optimierte Waffenwerte. Besonders gelungen ist die Verzahnung der Systeme. Fortschritt entsteht nicht automatisch, sondern ist das Resultat bewusster Entscheidungen. Investiere ich in unmittelbare Feuerkraft – oder in langfristige Überlebensfähigkeit? Diese Abwägungen verleihen der Struktur eine taktische Tiefe, die man in Action-Adventures nicht selbstverständlich findet.

Im direkten Vergleich zur ersten Präsentation wurde der Schwierigkeitsgrad merklich angezogen. Gegner agieren aggressiver, positionieren sich klüger und bestrafen Unachtsamkeit konsequent. Das Resultat ist ein Survival-Gefühl, das entfernt an die Neuinterpretationen von Resident Evil 2 erinnert – jedoch ohne dessen klassische Horror-Ikonografie zu kopieren. Die Spannung entsteht weniger durch Schockmomente als durch Ressourcenknappheit und taktische Überforderung. Munition ist wertvoll, Heilung begrenzt, Fehler kosten Substanz. Gleichzeitig bleiben Checkpoints fair gesetzt, sodass der Anspruch fordernd, aber nicht frustrierend wirkt.


Auch im Leveldesign zeigt sich ein klarer Reifeprozess. Bekannte Areale wurden erweitert, mit zusätzlichen Umweltgefahren versehen und in ihrer Struktur komplexer gestaltet. Laserschranken, alternative Routen und optionale Sammelobjekte sorgen für ein höheres Maß an Interaktion. Neu eingeführte Sammelfiguren locken mit akustischen Hinweisen und fügen sich als dekorative Trophäen ins Hub ein. Darüber hinaus können bestimmte Fundstücke Diana geschenkt werden – kleine Momente, die das Verhältnis zwischen den beiden Figuren vertiefen und dem sonst kühlen Setting Wärme verleihen.

Das spielerische Glanzstück unserer Session war ein vollständiger Bosskampf gegen einen massiven Kampf-Mech. Hier kulminieren sämtliche Systeme: Diana legt per Hacking verwundbare Stellen offen, während Hugh in Bewegung bleibt, Raketen ausweicht und Angriffsfenster erkennt. Sobald der Gegner ins Taumeln gerät, entfaltet sich eine dynamische Schadensphase, die in einem brachial inszenierten Overdrive-Finisher gipfelt. Die Inszenierung überzeugt audiovisuell, doch entscheidend ist das Zusammenspiel – der Kampf fühlt sich verdient an, nicht geskriptet.


Visuell bleibt "Pragmata" eigenständig. Die sterile Mondarchitektur, futuristische Fertigungsanlagen und surreal verfremdete irdische Motive erzeugen eine Mischung aus Isolation und technischer Faszination. Zwischen Gefechten erlaubt sich das Spiel bewusst ruhigere Passagen, in denen die Beziehung zwischen Hugh und Diana Raum bekommt.

Gerade diese Balance aus Intimität und Bedrohung verleiht dem Projekt Charakter.

"Pragmata" ist kein bloßes Showcase-Experiment mehr, sondern ein strukturiert wachsendes Action-Adventure mit klarer Vision. Progression, Anspruch und Inszenierung greifen zunehmend harmonisch ineinander. Sollte es Capcom gelingen, diese Qualität über die gesamte Kampagne zu tragen, könnte hier ein Titel entstehen, der das Sci-Fi-Genre nicht neu erfindet – aber es mit bemerkenswerter Konsequenz interpretiert. Kurzum: Aus vorsichtiger Neugier ist ernsthafte Vorfreude geworden.



Fakten:

 

Genre: Action-Adventure

Erscheinungsdatum: 24. April 2026

Publisher: Capcom

Entwickler: Capcom

Spieler: 1

Altersfreigabe: ab 12 Jahre

Preis: ab 59,99 Euro (PlayStation®5, Nintendo Switch 2, Xbox Series X|S, Windows PC)


Einschätzung:

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