Flesh Made Fear (PS5) im Test
- playmoregames

- vor 2 Tagen
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Das Survival-Horror-Genre erlebt seit einigen Jahren eine kleine Renaissance. Während große Publisher ihre Klassiker aufwendig neu auflegen, setzen zahlreiche Indie-Studios auf den entgegengesetzten Ansatz: Sie versuchen nicht, die alten Spiele zu modernisieren, sondern sie möglichst originalgetreu wieder aufleben zu lassen. Genau diesen Weg geht auch Flesh Made Fear von Tainted Pact Games.
Bereits auf dem PC konnte sich der Titel eine treue Fangemeinde aufbauen. Nun erscheint das Spiel auch für die PlayStation 5 und richtet sich an all jene Spieler, die sich nach festen Kameraperspektiven, Panzersteuerung und begrenzten Speicherpunkten sehnen. Schnell wird jedoch deutlich, dass die Entwickler nicht nur die Stärken der Genreklassiker übernommen haben, sondern auch viele ihrer Schwächen.

Die Handlung beginnt wenig spektakulär. Die Spezialeinheit Reaper Intervention Platoon (R.I.P.) wird entsandt, um den ehemaligen CIA-Agenten Victor „The Dripper“ Ripper aufzuspüren. Dieser führt in einer verlassenen Kleinstadt grausame Experimente an Menschen durch und erschafft eine Armee grotesker Mutanten. Bereits zu Beginn darf zwischen den beiden Agenten Jack und Natalie gewählt werden. Beide unterscheiden sich leicht bei Inventargröße, Attributen und einzelnen Storydetails, wodurch ein zweiter Spieldurchgang durchaus seinen Reiz besitzt.
Die eigentliche Geschichte bleibt allerdings über weite Strecken vorhersehbar. Das Setting erinnert unverkennbar an die frühen Resident-Evil-Spiele: eine isolierte Ortschaft, geheime Forschungseinrichtungen, monströse Kreaturen und ein wahnsinniger Wissenschaftler. Eigene Akzente setzt Flesh Made Fear dabei kaum. Hinzu kommt eine eher schwache Erzählweise. Die zahlreichen Notizen und Tonaufnahmen liefern zwar Hintergrundinformationen, bleiben sprachlich jedoch meist blass und entwickeln nur selten jene bedrückende Atmosphäre, die Genreklassiker mit ihren legendären Tagebucheinträgen erzeugten. Auch die Dialoge bewegen sich häufig auf B-Movie-Niveau. Das besitzt zwar einen gewissen Trash-Charme, wirkt aber selten wirklich spannend.

Spielerisch orientiert sich Flesh Made Fear kompromisslos an seinen Vorbildern.
Feste Kameraperspektiven bestimmen das Geschehen ebenso wie die klassische Panzersteuerung. Munition ist knapp, Heilgegenstände bleiben kostbar und gespeichert werden darf ausschließlich an bestimmten Punkten. Bereits nach wenigen Minuten wird klar, dass jede Entscheidung Konsequenzen haben kann. Das Ressourcenmanagement gehört zu den größten Stärken des Spiels. Da der Inventarplatz stark begrenzt ist, müssen Gegenstände sorgfältig ausgewählt und regelmäßig in Kisten zwischengelagert werden. Gerade dieser ständige Mangel erzeugt eine permanente Anspannung, die viele moderne Horror-Spiele längst verloren haben.
Auch die Rätsel orientieren sich klar an den Klassikern. Schlüssel suchen, Mechanismen aktivieren und verschiedene Gegenstände kombinieren gehören zum festen Ablauf. Die Aufgaben sind selten besonders schwierig, lockern das Spielgeschehen aber angenehm auf.
Wo Licht ist, fällt allerdings auch Schatten. Die feste Kameraführung erzeugt zwar häufig eindrucksvolle Bildkompositionen und steigert das Gefühl permanenter Unsicherheit, sie erschwert aber ebenso oft die Orientierung. Gerade während Kämpfen wechseln die Perspektiven ungünstig, wodurch Gegner plötzlich außerhalb des Sichtfeldes stehen.

Auch die Kämpfe selbst hinterlassen einen zwiespältigen Eindruck. Das Trefferfeedback wirkt etwas schwammig, die Animationen bleiben hölzern und das Zielen verlangt Geduld. Zwar gehört genau diese Sperrigkeit für viele Fans zum nostalgischen Gesamtpaket, wirklich zeitgemäß fühlt sich das Gameplay dadurch aber nicht an. Erschwerend kommt hinzu, dass die Karte nur begrenzt beim Navigieren hilft. Besonders im späteren Spielverlauf führt dies immer wieder zu unnötigem Backtracking. Seine größten Pluspunkte sammelt Flesh Made Fear bei Präsentation und Atmosphäre.
Die Low-Poly-Grafik orientiert sich zwar klar an der ersten PlayStation-Generation, nutzt aber moderne Licht- und Schatteneffekte geschickt aus. Dadurch entsteht ein eigenständiger Stil, der bewusst nostalgisch wirkt, ohne altbacken auszusehen. Besonders gelungen sind die Monsterdesigns. Die grotesken Kreaturen erinnern an Body-Horror-Filme der Achtzigerjahre und passen hervorragend zur düsteren Grundstimmung. Zusammen mit kräftigen Farbkontrasten und einem leicht comicartigen Look entwickelt das Spiel einen überraschend hohen Wiedererkennungswert. Auch das Sounddesign überzeugt. Knarzende Türen, entfernte Schreie und dezente Musikuntermalung erzeugen genau jene unterschwellige Spannung, die das Genre seit jeher auszeichnet.
Flesh Made Fear weiß genau, welche Zielgruppe es ansprechen möchte. Der Titel ist keine moderne Interpretation des Survival Horrors, sondern eine bewusste Zeitreise zurück in die Ära der ersten PlayStation. Das gelingt atmosphärisch erstaunlich gut. Die bedrückende Stimmung, das konsequente Ressourcenmanagement und die stilvolle Low-Poly-Optik machen den Horrortrip zu einer authentischen Liebeserklärung an die Klassiker des Genres.
Gleichzeitig zeigt sich jedoch, dass Nostalgie allein kein Garant für ein hervorragendes Spiel ist. Die wenig spannende Handlung, die schwachen Texte, die sperrigen Kämpfe sowie die teilweise frustrierende Kameraführung verhindern, dass sich Flesh Made Fear aus der Masse aktueller Retro-Horror-Spiele abheben kann. Viele Designentscheidungen wirken weniger wie bewusste Hommagen als vielmehr wie Altlasten, die das Genre inzwischen überwunden hat. Wer mit den Eigenheiten klassischer Survival-Horror-Spiele aufgewachsen ist, wird dennoch viel Freude an der kompromisslosen Ausrichtung haben. Alle anderen sollten sich bewusst sein, dass Flesh Made Fear seine Vorbilder nahezu ungefiltert kopiert – inklusive ihrer Macken.
Fakten:
Genre: Arcade, Horror
Erscheinungsdatum: 25. Juni 2026
Publisher: Assemble Entertainment
Entwickler: Tainted Pact Games
Spieler: 1
Altersfreigabe: ab 16 Jahre
Preis: ab 14,99 Euro (PlayStation 5, PC)
Offizielle Website: http://www.assembleteam.com
Bewertung:

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