Assassin's Creed Shadows (Switch 2) im Test
- playmoregames

- 8. Feb.
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Die "Assassin's Creed"-Reihe zählt seit nahezu zwanzig Jahren zu den tragenden Säulen des AAA-Marktes. Kaum ein anderes Franchise hat derart viele historische Epochen, spielerische Iterationen und inhaltliche Erweiterungen durchlaufen. Mit "Assassin's Creed Shadows" greift Ubisoft nun ein Szenario auf, das innerhalb der Community seit Jahren als Wunschkandidat galt: das feudale Japan.
Angesiedelt ist die Handlung im Jahr 1579, inmitten der Sengoku-Periode – einer Phase politischer Fragmentierung, militärischer Expansion und gesellschaftlicher Umbrüche. Oda Nobunaga treibt die Einigung Japans mit kompromissloser Gewalt voran, während regionale Machtstrukturen zerfallen und äußere Einflüsse das fragile Gleichgewicht weiter destabilisieren. Vor diesem Hintergrund wird die Provinz Iga Ziel eines zerstörerischen Angriffs, der den Ausgangspunkt für die Geschichte bildet. Das Spiel erzählt seine Handlung über zwei klar voneinander abgegrenzte Protagonisten.

Naoe, eine Shinobi aus Iga, folgt einem von Verlust, Rache und Pflicht geprägten Pfad. Yasuke hingegen – ein historisch belegter afrikanischer Samurai im Dienst Nobunagas – steht im Zentrum einer Erzählung über Identität, Loyalität und moralische Ambivalenz. Beide Handlungsstränge verlaufen zunächst getrennt, verweben sich jedoch zunehmend und münden in einer gemeinsamen Konfrontation mit den zentralen Antagonisten. Die Animus-Rahmenhandlung bleibt bewusst reduziert. Kurze narrative Hinweise verorten das Geschehen innerhalb der bekannten Serienlogik, ohne den Fokus von der historischen Ebene abzulenken.
Spielmechanisch setzt "Assassin's Creed Shadows" auf eine klare Trennung der Spielstile. Naoe repräsentiert den klassischen Kern der Serie: lautloses Vorgehen, vertikales Leveldesign, gezielte Attentate und taktische Nutzung von Licht und Umgebung. Schleichmechaniken stehen hier klar im Vordergrund. Yasuke bildet den bewussten Gegenpol. Seine massive Statur und kampforientierte Auslegung fördern einen direkten, konfrontativen Ansatz. Türen werden aufgebrochen, Gegner frontal überwältigt, und klassische Parkour-Elemente sind nur eingeschränkt nutzbar. Diese Unterschiede sind nicht oberflächlich, sondern systemisch verankert: Fähigkeitenbäume, Waffenarsenale und Missionsdesign unterstreichen die jeweilige Spielphilosophie.

Im Gegensatz zu früheren Serienteilen sind die Charaktere nicht frei austauschbar. Viele Missionen sind gezielt auf eine der beiden Figuren zugeschnitten, während ausgewählte Abschnitte bewusst Wahlfreiheit erlauben. Dadurch gewinnt das Gameplay an Profil und verhindert spielerische Beliebigkeit. Inhaltlich bleibt das Spiel der bekannten Open-World-Formel treu. Neben der umfangreichen Hauptkampagne – mit einer Spielzeit von etwa 40 bis 60 Stunden – erwarten den Spieler zahlreiche Nebenaktivitäten, Fraktionsaufgaben, wiederholbare Missionen sowie der Ausbau einer eigenen Basis.
Diese Fülle bietet langfristige Motivation, geht jedoch erneut mit typischen Begleiterscheinungen einher: hoher Zeitaufwand, weite Wege und stellenweise strukturelle Redundanz. Das Ausrüstungssystem erlaubt individuelle Anpassungen und Verbesserungen, kosmetische Optionen sind reichlich vorhanden. Ein Ingame-Shop existiert, bleibt jedoch optional und nicht zwingend erforderlich für den Spielfortschritt. Die technische Realisierung stellt eine der ambitioniertesten Portierungen eines Open-World-Titels auf einer Nintendo-Konsole dar.

Im Docked-Modus nutzt "Assassin's Creed Shadows" DLSS-Upscaling und VRR, um eine Zielbildrate von 30 Bildern pro Sekunde zu erreichen. In dicht bevölkerten Arealen kommt es zu spürbaren Einbrüchen, insgesamt bleibt die Performance jedoch überraschend stabil.
Gegenüber anderen Plattformen sind Abstriche unvermeidlich: reduzierte Sichtweite, geringere Auflösung, fehlende Raytracing-Effekte sowie vereinzelte Textur- und Kantenartefakte. Dennoch wirkt die Präsentation geschlossen und funktional – insbesondere angesichts der Größe und Komplexität der Spielwelt. Im Handheld-Modus treten die Limitierungen deutlicher hervor. Die Auflösung sinkt spürbar, Texturen verlieren an Schärfe, die Vegetation wirkt durch das Upscaling weichgezeichnet, und Ladezeiten können bis zu 30 Sekunden erreichen.
Spielbar bleibt der Titel dennoch, präsentiert sich unterwegs jedoch klar kompromissbehaftet. Unabhängig von der technischen Plattform überzeugt die Inszenierung. Farbpalette, Landschaftsgestaltung, Wettereffekte und wechselnde Jahreszeiten erzeugen eine glaubwürdige und atmosphärisch dichte Spielwelt. Besonders Lichtstimmungen und Naturpanoramen tragen wesentlich zur Immersion bei. Auch die akustische Umsetzung ist stimmig. Umgebungsgeräusche, Musik und Soundeffekte sind differenziert eingesetzt und unterstützen sowohl ruhige Infiltrationssequenzen als auch groß angelegte Gefechte. Die Sprachausgabe ist mehrsprachig verfügbar; Englisch und Japanisch sind standardmäßig enthalten, die deutsche Synchronisation kann kostenlos nachgeladen werden.
Ubisoft liefert mit "Assassin's Creed Shadows" einen inhaltlich starken und technisch ambitionierten Serienteil, der auf der Nintendo Switch 2 eine vollwertige, wenn auch kompromissbehaftete Alternative zu den Versionen anderer Plattformen darstellt. Für Spieler ohne leistungsstärkere Hardware ist diese Umsetzung klar empfehlenswert. Insgesamt zählt der Titel zu den derzeit eindrucksvollsten Open-World-Erfahrungen auf der Switch 2 und unterstreicht die wachsende Bedeutung der Plattform für große AAA-Produktionen.
Fakten:
Genre: Action, Adventure
Erscheinungsdatum: 2. Dezember 2025
Publisher: Ubisoft
Entwickler: Ubisoft
Spieler: 1
Altersfreigabe: ab 18 Jahre
Preis: ab 49,99 Euro (Nintendo Switch 2, PS5, Xbox Series X|S, PC)
Offizielle Website: https://www.ubisoft.com/de-de/
Bewertung:

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