Screamer (PS5) im Test
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- vor 3 Tagen
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Mit Screamer wagt Milestone mehr als nur ein klassisches Comeback. Statt die traditionsreiche Marke einfach zu modernisieren, interpretiert das Studio das Arcade-Rennspiel radikal neu: mit erzählerischem Anspruch, mechanischer Tiefe und einer stilistisch markanten Anime-Präsentation. Heraus kommt ein Titel, der sich bewusst von etablierten Genre-Konventionen löst – und genau daraus seine Stärke zieht.
Schon der erzählerische Rahmen setzt ein deutliches Ausrufezeichen. In einer dystopischen Zukunft kämpfen mehrere rivalisierende Teams in einem illegalen Turnier um Ruhm, Macht und persönliche Ziele. Hinter den Rennen steht mit Mr. A eine geheimnisvolle Figur, die das Geschehen kontrolliert und orchestriert. Die Geschichte wird in aufwendig inszenierten Zwischensequenzen erzählt, die in Zusammenarbeit mit Polygon Pictures entstanden sind. Stilistisch orientiert sich das Spiel klar an Anime- und JRPG-Konventionen: überzeichnete Charaktere, persönliche Konflikte und große Emotionen prägen die Inszenierung.

Unterstützt wird das Ganze von bekannten Stimmen wie Troy Baker und Aleks Le, die den Figuren zusätzlich Gewicht verleihen. Zwar bleibt die Handlung insgesamt vorhersehbar, doch innerhalb des Genres sorgt sie für eine bemerkenswerte narrative Dichte. Auf den ersten Blick präsentiert sich Screamer als kompromissloser Arcade-Racer: hohe Geschwindigkeit, spektakuläre Effekte und ein bewusst verzeihendes Kollisionssystem. Doch unter der Oberfläche arbeitet ein durchdachtes Spielsystem, das deutlich mehr verlangt als reines Reaktionsvermögen.
Im Zentrum steht das sogenannte Echo-System. Zwei Ressourcen – Sync und Entropy – bestimmen, wie offensiv oder defensiv ein Rennen angegangen wird. Boosts und Schutzmechaniken konkurrieren mit aggressiven Fähigkeiten wie Angriffen oder Overdrive-Effekten. Dadurch entsteht ein permanenter Entscheidungsdruck: Energie sparen oder im richtigen Moment alles riskieren? Diese Verzahnung aus Renn- und Kampfelementen verleiht dem Spiel eine ungewöhnliche strategische Komponente. Gerade in engen Rennen entscheidet oft nicht die Ideallinie, sondern das bessere Timing.

Ein wesentlicher Bestandteil dieser spielerischen Identität ist die Twin-Stick-Steuerung. Während der linke Stick die Richtung vorgibt, wird das Driftverhalten vollständig über den rechten gesteuert. Dieses Konzept bricht bewusst mit Genre-Gewohnheiten. Die Eingewöhnung fällt entsprechend anspruchsvoll aus. Zu Beginn wirken Fahrzeuge träge, Kurven schwer kalkulierbar. Doch mit zunehmender Spielzeit offenbart sich die eigentliche Stärke: eine außergewöhnlich direkte Kontrolle über das Fahrverhalten. Drifts lassen sich präzise dosieren, Linien aktiv formen, Fahrmanöver bewusst gestalten.Das System belohnt Übung und Verständnis – verlangt aber auch beides. Gerade Einsteiger könnten hier zunächst abgeschreckt werden.
Mit 32 Strecken und mehreren Spielmodi zeigt sich Screamer erfreulich umfangreich. Besonders positiv: Alle Inhalte stehen von Beginn an zur Verfügung, wodurch künstliche Progressionsbarrieren vermieden werden. Die Bandbreite reicht von klassischen Formaten wie Zeitrennen und Checkpoint-Läufen bis hin zu komplexeren Modi mit Teamfokus oder risikobasierten Mechaniken. Teamrennen fordern koordinierte Strategien, während Overdrive-Events auf maximale Eskalation setzen. Ergänzt wird das Angebot durch punktbasierte Herausforderungen, die Geschicklichkeit und Stil in den Vordergrund stellen. Dadurch entsteht eine angenehme Vielfalt, die unterschiedliche Spielertypen anspricht.

Seine volle Wirkung entfaltet Screamer im Mehrspielermodus. Ob online in Ranglistenrennen oder lokal im Splitscreen für bis zu vier Spieler – das Zusammenspiel aus Tempo, Fähigkeiten und taktischen Optionen sorgt für intensive, oft unvorhersehbare Rennverläufe. Gerade im direkten Duell zeigt sich die Qualität der Systeme: Angriffe, Boosts und Drifts greifen ineinander und erzeugen ein Renngefühl, das sich deutlich von klassischen Arcade-Racern unterscheidet. Audiovisuell setzt Screamer klare Akzente. Die Anime-inspirierte Ästhetik verleiht dem Spiel ein eigenständiges Profil, das sich bewusst von realistischen Rennsimulationen abgrenzt.
Trotz hoher Geschwindigkeit, dichter Fahrerfelder und zahlreicher Effekte bleibt die technische Performance stabil. Selbst in chaotischen Rennsituationen mit Explosionen und Boost-Ketten läuft das Spiel flüssig und sauber. Der Soundtrack unterstützt die energiegeladene Atmosphäre passend, während individuelle musikalische Themen für zusätzliche Charaktertiefe sorgen.
Screamer ist ein mutiger Genrevertreter, der sich nicht mit bekannten Mustern zufriedengibt. Stattdessen kombiniert das Spiel klassische Arcade-Elemente mit taktischer Tiefe, ungewöhnlicher Steuerung und einer für Rennspiele überraschend starken Inszenierung. Nicht alle Entscheidungen sind massentauglich – insbesondere die Steuerung verlangt Geduld und Anpassung. Doch genau darin liegt auch der Reiz: Screamer fordert seine Spieler und bietet im Gegenzug ein frisches, eigenständiges Fahrerlebnis. Milestone gelingt damit mehr als nur ein gelungenes Revival. Es ist eine selbstbewusste Neuerfindung, die zeigt, wie viel Innovationspotenzial selbst in einem etablierten Genre noch steckt.
Fakten:
Genre: Rennspiel
Erscheinungsdatum: 26. März 2026
Publisher: Milestone
Entwickler: Milestone
Spieler: 1 - 16
Altersfreigabe: ab 12 Jahre
Preis: ab 49,99 Euro (Playstation 5, Xbox Series X|S, PC)
Offizielle Website: https://milestone.it/games/screamer/
Bewertung:

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