Reptilian Rising (Switch) im Test
- playmoregames

- vor 3 Tagen
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Mit Reptilian Rising bringen Gregarious Games und Robot Circus gemeinsam mit Numskull Games ein Taktikspiel auf den Markt, das sich bewusst zwischen Humor, Retro-Ästhetik und strategischem Anspruch bewegt. Die Mischung aus Zeitreise, historischen Figuren und reptiloiden Gegnern klingt zunächst wie ein kurioser Gag – entpuppt sich aber schnell als erstaunlich fesselndes Spielerlebnis mit ganz eigenen Stärken und Schwächen.
Die Prämisse macht keinen Hehl daraus, dass hier nicht Realismus, sondern Unterhaltung im Vordergrund steht: Eine reptiloide Macht bedroht die gesamte Zeitlinie, und nur ein zusammengewürfeltes Team aus ikonischen Persönlichkeiten kann den Kollaps verhindern.
So ziehen Figuren wie Winston Churchill, Cleopatra und Albert Einstein gemeinsam in den Kampf gegen groteske Kreaturen wie Dino-Cyborgs oder den bewusst überzeichneten „Dictatorsaur“.

Die Handlung bleibt dabei eher Beiwerk als erzählerischer Motor und verliert sich stellenweise in unnötig langen Textpassagen, die dem Tempo des Spiels nicht guttun.
Die größte Stärke von Reptilian Rising liegt im Gameplay. Trotz rundenbasierter Struktur spielt sich das Geschehen erstaunlich flüssig und direkt. Einheiten werden über kompakte Schlachtfelder bewegt, Zeitportale dienen als zentrale taktische Elemente und Missionsziele zugleich. Jede Figur verfügt über individuelle Fähigkeiten und klare Rollen im Team. Die Kombination dieser Einheiten entscheidet maßgeblich über den Erfolg.
Besonders gelungen ist dabei, wie schnell sich das Spiel erschließt: Viele Mechaniken wirken intuitiv und laden zum Experimentieren ein – oft effektiver als das sperrige Tutorial, das mit langen Textblöcken eher abschreckt als hilft. Das reaktive Kampfsystem sorgt zusätzlich für Dynamik. Aktionen greifen ineinander, wodurch Kämpfe weniger statisch wirken und mehr wie ein fließender Ablauf aus Entscheidungen und Konsequenzen. So zugänglich und motivierend das Kampfsystem ist, so deutlich zeigen sich im Verlauf spielerische Ungleichgewichte. Bestimmte Strategien – insbesondere der Einsatz von Fernkämpfern mit Flächenangriffen – erweisen sich schnell als überdurchschnittlich effektiv.

Da viele Gegner auf Nahkampf ausgelegt sind, lassen sich ganze Gefechte aus sicherer Distanz dominieren. Das führt dazu, dass taktische Vielfalt zunehmend in den Hintergrund rückt. Statt unterschiedliche Teamkombinationen auszuprobieren, lohnt es sich oft, auf bewährte, besonders starke Setups zu setzen. Auch die Schwierigkeitsgrade greifen hier nur bedingt ein. Sie verlängern Kämpfe spürbar, erhöhen jedoch selten die tatsächliche Herausforderung. Niederlagen bleiben die Ausnahme, wodurch ein Teil der strategischen Spannung verloren geht.
Das integrierte Rogue-lite-System sorgt für langfristige Motivation. Nach und zwischen Missionen lassen sich permanente Verbesserungen freischalten, die den eigenen Trupp kontinuierlich stärken. Selbst gescheiterte Runs fühlen sich dadurch nicht verloren an.
Allerdings verstärkt dieses System auch die bestehenden Balance-Probleme. Mit zunehmender Spielzeit wachsen die Einheiten über sich hinaus, während viele Gegner kaum mithalten können. Einige Upgrades verlieren zudem im späteren Verlauf an Relevanz, was die Progression leicht unausgewogen wirken lässt.

Optisch setzt das Spiel auf eine klare, bewusst reduzierte Knetfiguren-Ästhetik im Stil klassischer Tabletop-Miniaturen. Technisch bleibt das Ganze schlicht, doch genau diese Reduktion unterstützt die Übersichtlichkeit im Spielgeschehen. Die Animationen sind funktional, Effekte gezielt eingesetzt und die Umgebungen so gestaltet, dass sie das Gameplay nicht überfrachten. Statt visueller Opulenz steht Lesbarkeit im Vordergrund – eine sinnvolle Entscheidung für ein Taktikspiel.
Der Sound hingegen überrascht positiv: Individuelle Stimmen, überzeichnete Akzente und passende Soundeffekte unterstreichen den humorvollen Ton. Auch die Musik fügt sich gut ein und bleibt selbst bei längeren Sessions angenehm.
Reptilian Rising ist ein Spiel, das weniger durch perfekte Balance als durch seinen Spielfluss überzeugt. Hinter der skurrilen Idee verbirgt sich ein zugängliches, motivierendes Taktiksystem, das schnell fesselt und lange unterhält. Die Schwächen liegen vor allem im Detail: ein holpriger Einstieg, eine unausgewogene Spielbalance und eine Story, die mehr bremst als bereichert. Dennoch überwiegt der positive Eindruck deutlich. Wer ein ungewöhnliches Strategiespiel mit eigenem Stil sucht und kleinere Designprobleme in Kauf nehmen kann, bekommt hier ein überraschend spaßiges und eigenständiges Erlebnis – eines, das man oft länger spielt, als man ursprünglich geplant hatte.
Fakten:
Genre: Adventure, Strategie, RPG
Erscheinungsdatum: 23. April 2026
Publisher: Numskull Games
Entwickler: Gregarious Games
Spieler: 1
Altersfreigabe: ab 12 Jahre
Preis: ab 27,99 Euro (Nintendo Switch, PC)
Offizielle Website: https://numskullgames.com/game/reptilian-rising/
Bewertung:

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