top of page

Mullet MadJack (Switch) im Test

  • Autorenbild: playmoregames
    playmoregames
  • vor 1 Stunde
  • 4 Min. Lesezeit

Mit MULLET MADJACK bringen Hammer95 Studios und Epopeia Games einen der ungewöhnlichsten Indie-Shooter der vergangenen Jahre auf die Nintendo Switch. Der bereits auf anderen Plattformen gefeierte Titel kombiniert kompromisslose Ego-Shooter-Action mit Roguelite-Elementen, einem unverwechselbaren Retro-Anime-Look und einer Spielmechanik, die den Puls dauerhaft in die Höhe treibt. Das Ergebnis ist ein außergewöhnliches Actionspiel, das sich bewusst von modernen Genre-Konventionen abgrenzt und stattdessen auf Geschwindigkeit, Stil und unmittelbare Belohnung setzt.


Die Welt von MULLET MADJACK präsentiert sich als satirische Zukunftsvision, in der künstliche Intelligenzen die Macht übernommen haben und Menschen von permanenter Unterhaltung abhängig sind. In dieser dystopischen Gesellschaft übernehmen sogenannte „Moderatoren“ gefährliche Aufträge für die Öffentlichkeit. Als Jack Banhammer erhält der Spieler den Auftrag, eine Influencer-Prinzessin aus einem gigantischen Wolkenkratzer zu retten, der von aggressiven Robotern kontrolliert wird.

Die Geschichte nimmt sich dabei nie allzu ernst. Statt tiefgründiger Charakterentwicklung oder komplexer Erzählstrukturen setzt das Spiel auf überzeichneten Humor, bissige Gesellschaftskritik und bewusst absurde Situationen. Überraschenderweise funktioniert dieser Ansatz hervorragend. Die Geschichte dient zwar primär als Rahmen für die Action, sorgt aber durch ihre kreative Inszenierung regelmäßig für unterhaltsame Zwischensequenzen und motiviert dazu, immer weiter vorzudringen. Der größte Unterschied zu klassischen Ego-Shootern offenbart sich bereits nach wenigen Sekunden.


In MULLET MADJACK läuft permanent ein Zehn-Sekunden-Timer ab. Erreicht dieser Null, endet der Lauf. Die einzige Möglichkeit, zusätzliche Zeit zu gewinnen, besteht darin, Gegner auszuschalten. Dadurch entsteht ein permanenter Vorwärtsdrang, der praktisch jede Spielsekunde bestimmt. Diese Mechanik verwandelt selbst einfache Gefechte in hektische Hochgeschwindigkeits-Herausforderungen. Wer stehen bleibt, Deckung sucht oder zu lange nach dem optimalen Weg sucht, wird bestraft. Stattdessen fordert das Spiel aggressives Vorgehen, schnelle Entscheidungen und ständige Bewegung.

Besonders beeindruckend ist dabei, wie präzise sämtliche Systeme auf diese Kernidee abgestimmt wurden. Die Level sind kompakt gestaltet, Gegner geschickt platziert und sämtliche Bewegungsoptionen darauf ausgelegt, den Spielfluss aufrechtzuerhalten. Jeder erfolgreiche Angriff, jeder Tritt und jeder Finisher erzeugt ein unmittelbares Erfolgserlebnis und treibt den Spieler förmlich weiter durch die Etagen des Wolkenkratzers. Das Waffenangebot fällt erfreulich umfangreich aus. Neben klassischen Revolvern, Maschinenpistolen, Sturmgewehren und Schrotflinten stehen später auch futuristische Railguns, Energiewaffen und Nahkampfoptionen wie Katanas zur Verfügung.


Besonders gelungen ist die Integration der Upgrade-Systeme. Waffen verändern sich nicht nur hinsichtlich ihrer Schadenswerte, sondern erhalten oftmals zusätzliche Eigenschaften oder visuelle Veränderungen. Dadurch entsteht ein spürbarer Fortschritt, der jede neue Spielrunde interessant hält. Zwischen den einzelnen Etagen können verschiedene Verbesserungen ausgewählt werden. Über 50 unterschiedliche Power-ups ermöglichen individuelle Builds und sorgen dafür, dass sich zwei Durchgänge selten identisch spielen. Zwar erreicht die Roguelite-Komponente nicht die Komplexität genreprägender Vertreter wie Hades oder Dead Cells, dennoch erweitert sie die Langzeitmotivation sinnvoll und verhindert, dass das Spielkonzept zu schnell an Reiz verliert.

Auf den ersten Blick könnte man MULLET MADJACK als reinen Arcade-Shooter abstempeln. Tatsächlich bietet das Spiel jedoch überraschend viele Inhalte. Neben der Kampagne stehen zusätzliche Modi wie Survival, Boss Rush und weitere Herausforderungen zur Verfügung.

Besonders erfreulich ist die Integration eines klassischen Modus ohne Zeitlimit. Dieser richtet sich an Spieler, die den hervorragenden Shooter-Mechaniken auch ohne permanenten Zeitdruck nachgehen möchten. Dadurch wird das Spiel deutlich zugänglicher, ohne seine Identität zu verlieren. Auch der Wiederspielwert fällt hoch aus. Unterschiedliche Waffenkombinationen, alternative Upgrades und die Jagd nach besseren Ergebnissen sorgen dafür, dass man selbst nach Abschluss der Hauptkampagne immer wieder zurückkehrt.


Eine der größten Fragen bei der Switch-Version betrifft naturgemäß die technische Umsetzung. Schließlich lebt das Spiel von seiner enormen Geschwindigkeit und seinen blitzschnellen Reaktionen. Erfreulicherweise haben Hammer95 Studios die Portierung sehr sauber umgesetzt. Sowohl im TV-Modus als auch im Handheld-Betrieb läuft das Spiel überwiegend flüssig und reagiert präzise auf Eingaben. Die Steuerung wurde sinnvoll auf die Nintendo-Hardware angepasst und profitiert zusätzlich von der integrierten Gyroskop-Unterstützung, die insbesondere bei präzisen Schüssen eine wertvolle Hilfe darstellt.

Gelegentlich stößt die Hardware bei besonders effektlastigen Szenen zwar an ihre Grenzen, gravierende Einbrüche oder technische Probleme bleiben jedoch die Ausnahme. Ladezeiten fallen angenehm kurz aus und unterbrechen den Spielfluss kaum. Optisch gehört MULLET MADJACK zweifellos zu den auffälligsten Shootern der letzten Jahre. Der Stil orientiert sich unverkennbar an klassischen Anime-Produktionen der späten 80er- und frühen 90er-Jahre und kombiniert deren Ästhetik mit einer grellen Cyberpunk-Farbpalette. Leuchtende Neonfarben, überzeichnete Charakterdesigns, explosive Spezialeffekte und dynamische Animationen erzeugen eine visuelle Identität, die man sofort wiedererkennt.


Das Spiel wirkt wie eine Mischung aus verloren gegangener VHS-Anime-Serie und futuristischem Arcade-Automaten. Auch die Zwischensequenzen hinterlassen einen starken Eindruck. Sie transportieren die Geschichte nicht nur effektiv, sondern unterstreichen gleichzeitig den bewusst überdrehten Ton des gesamten Abenteuers. Der Soundtrack ergänzt die Bildsprache nahezu perfekt. Elektronische Beats treffen auf rockige Elemente und erzeugen eine permanente Aufbruchsstimmung, die hervorragend zur hohen Spielgeschwindigkeit passt. Unterstützt wird dies durch kraftvolle Soundeffekte, die jedem Treffer und jeder Explosion das nötige Gewicht verleihen.

MULLET MADJACK beweist eindrucksvoll, dass kreative Ideen und konsequentes Game-Design oftmals wichtiger sind als riesige Budgets. Der Shooter konzentriert sich kompromisslos auf eine zentrale Spielmechanik und schöpft deren Potenzial nahezu vollständig aus. Die Kombination aus rasanten Kämpfen, originellem Setting, motivierender Progression und außergewöhnlicher Präsentation sorgt für ein Spielerlebnis, das sich deutlich von der Konkurrenz abhebt. Die Roguelite-Elemente bleiben vergleichsweise oberflächlich und die permanente Hochgeschwindigkeits-Action kann auf Dauer etwas repetitiv wirken. Dennoch überwiegen die Stärken deutlich. Vor allem auf der Nintendo Switch entfaltet das Spiel dank seiner kurzen, intensiven Sessions einen besonderen Reiz und eignet sich hervorragend für unterwegs. Wer schnelle Ego-Shooter, Retro-Anime-Ästhetik und kompromisslose Arcade-Action schätzt, findet hier einen der interessantesten Indie-Shooter der letzten Jahre. MULLET MADJACK ist nicht nur ein stilistisches Highlight, sondern auch ein Paradebeispiel dafür, wie man aus einer einfachen Idee ein packendes Spielerlebnis erschafft.



Fakten:

 

Genre: Adventure, Arcade, Shooter

Erscheinungsdatum: 30. April 2026

Publisher: Epopeia Games

Entwickler: HAMMER95

Spieler: 1

Altersfreigabe: ab 18 Jahre

Preis: ab 19,99 Euro (Nintendo Switch, Xbox Series X|S, PC)


Bewertung:

© Urheberrecht PlayMoreGames. Verwendung von Text und Bildern nur mit schriftlicher Geneh­migung des Autors gestattet.


Kommentare


bottom of page