007 First Light (PS5) im Test
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Und dann gibt es James Bond. Obwohl der britische Geheimagent zu den bekanntesten Figuren der Unterhaltungsgeschichte gehört, hat er in der Spielewelt nie dauerhaft Fuß fassen können. Nach Jahren der Funkstille wagt nun IO Interactive den Neustart – und kaum ein Studio schien dafür besser geeignet als die Macher der HITMAN-Reihe. Mit 007 First Light erzählt das Team nicht die Geschichte des legendären Agenten, den wir aus Filmen kennen. Stattdessen erleben wir einen jungen Bond, lange bevor er zur Ikone wurde. Das Ergebnis ist ein Spionage-Thriller, der viele Dinge richtig macht und zeitweise sogar das Gefühl vermittelt, endlich das James-Bond-Spiel zu sein, auf das Fans seit Jahren warten.
Bond steht am Anfang seiner Karriere. Noch trägt er nicht die Souveränität eines erfahrenen Geheimagenten in sich, sondern wirkt ehrgeizig, impulsiv und manchmal sogar überraschend verletzlich. Als ehemaliges Besatzungsmitglied der Royal Navy wird er für das neu aufgelegte 00-Programm des MI6 rekrutiert und findet sich schon bald in einer Welt aus Intrigen, Verrat und internationalen Machtspielen wieder.

Besonders erfreulich ist die Art und Weise, wie die Geschichte erzählt wird. Statt auf permanente Explosionen und pausenlose Action zu setzen, nimmt sich das Spiel Zeit für seine Figuren. Beziehungen entwickeln sich glaubwürdig, Motive werden nachvollziehbar aufgebaut und die eigentliche Bedrohung entfaltet sich erst nach und nach. Dadurch entsteht eine Spannung, die weit über das klassische „Rette-die-Welt“-Szenario hinausgeht. Wer aufmerksam spielt, entdeckt zahlreiche Hinweise und Verbindungen, die das Gesamtbild Stück für Stück vervollständigen. Genau diese ruhigen Momente verleihen der Geschichte ihre besondere Stärke.
Die größte Überraschung liefert jedoch das Gameplay. Während viele Bond-Spiele der Vergangenheit den Fokus auf Schusswechsel legten, versteht IO Interactive, worum es bei einem Geheimagenten eigentlich geht. Informationen beschaffen. Ziele beobachten. Sicherheitslücken ausnutzen. Unauffällig bleiben. Die besten Missionen des Spiels fühlen sich wie interaktive Spionagefilme an. Jede Umgebung wird zum Spielplatz für kreative Lösungen. Gegner können umgangen, Ablenkungen genutzt oder Gadgets clever eingesetzt werden. Oft gibt es mehrere Wege zum Ziel, sodass sich jede Mission individuell anfühlt.

Hier macht sich die Erfahrung der Entwickler deutlich bemerkbar. Wer die HITMAN-Reihe kennt, wird viele bekannte Designprinzipien wiedererkennen. Gleichzeitig wirkt 007 First Light nie wie ein bloßer Bond-Anstrich für Hitman. Das Spiel entwickelt eine eigene Identität, die deutlich stärker auf Story und Charakterentwicklung setzt. Vor allem die lautlosen Einsätze sorgen regelmäßig für Gänsehautmomente. Wenn ein perfekt geplanter Einsatz gelingt, ohne entdeckt zu werden, entfaltet das Spiel eine Spannung, die nur wenige Genrevertreter erreichen. So überzeugend die Spionageelemente ausfallen, so wechselhaft präsentiert sich die Action.
Sobald Tarnung und Planung scheitern, wird häufig geschossen – und genau hier offenbaren sich einige Schwächen. Die Feuergefechte wirken weniger präzise als die Schleichpassagen und erreichen nie ganz die Qualität moderner Shooter. Mehrfach entsteht das Gefühl, dass das Kampfsystem eher Mittel zum Zweck ist als eine echte Stärke des Spiels. Besonders in längeren Gefechten kann Frust aufkommen, wenn Munition knapp wird oder Gegner aus ungünstigen Positionen angreifen. Dabei zeigt sich deutlich, dass 007 First Light am besten funktioniert, wenn Spieler wie ein Geheimagent denken und nicht wie eine Ein-Mann-Armee handeln.

Optisch liefert IO Interactive eine beeindruckende Vorstellung ab. Die Schauplätze sind abwechslungsreich, detailliert gestaltet und fangen den luxuriösen Stil der Bond-Welt hervorragend ein. Von exklusiven Resorts bis zu streng gesicherten Forschungseinrichtungen bietet nahezu jede Mission neue visuelle Highlights. Auch die Charaktermodelle und Zwischensequenzen hinterlassen einen hochwertigen Eindruck. Die Inszenierung erinnert häufig eher an eine aufwendig produzierte Streaming-Serie als an ein klassisches Videospiel.
Leider wird dieser positive Eindruck immer wieder durch technische Probleme gestört. Während des Tests traten regelmäßig kleinere Bugs auf. NPCs bleiben an Objekten hängen, Animationen laufen nicht korrekt ab oder Gegner reagieren auf Situationen überraschend unlogisch. Besonders die künstliche Intelligenz zeigt sich stellenweise inkonsequent. Mal reagieren Wachen überempfindlich auf kleinste Auffälligkeiten, mal ignorieren sie offensichtliche Gefahren vollständig. Solche Momente reißen immer wieder aus der ansonsten gelungenen Atmosphäre heraus. Trotz aller Kritik gelingt dem Spiel etwas, woran viele Vorgänger gescheitert sind: Es fühlt sich nach James Bond an.
007 First Light ist kein perfektes Spiel. Die Gegner-KI schwächelt, technische Probleme verhindern einen makellosen Gesamteindruck und die Schusswechsel erreichen nicht das Niveau der hervorragenden Stealth-Mechaniken. Dennoch gelingt IO Interactive etwas Bemerkenswertes. Das Studio versteht die DNA von James Bond besser als viele Filmadaptionen der vergangenen Jahre. Die spannende Origin-Story, das flexible Missionsdesign und die exzellenten Spionagepassagen sorgen dafür, dass man sich tatsächlich wie ein angehender 00-Agent fühlt. Wer auf intelligente Schleichspiele, spannende Agentengeschichten und das klassische Bond-Flair steht, findet hier eines der interessantesten Action-Adventures des Jahres. Nicht alles sitzt perfekt, aber die Richtung stimmt – und sie macht große Lust auf weitere Missionen dieses jungen James Bond.
Fakten:
Genre: Action & Adventure
Erscheinungsdatum: 27. Mai 2026
Publisher: IO Interactive
Entwickler: IO Interactive
Spieler: 1
Altersfreigabe: ab 16 Jahre
Preis: ab 59,99 Euro (PlayStation®5, Xbox Series X|S, PC, Amazon)
Offizielle Website: https://ioi.dk/007firstlightgame
Bewertung:

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