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It Reaches (PS5) im Test

  • Autorenbild: playmoregames
    playmoregames
  • vor 1 Stunde
  • 4 Min. Lesezeit

Horror-Spiele leben von Unsicherheit. Von dem Gefühl, nie genau zu wissen, was sich hinter der nächsten Ecke verbirgt. Mit It Reaches versucht das deutsche Entwicklerstudio Emberflight Games genau dieses Gefühl einzufangen und kombiniert klassischen Survival-Horror mit einer Bodycam-Perspektive, die für zusätzliche Immersion sorgen soll. Die Prämisse klingt vielversprechend: Als Polizist folgt man einem Notruf in ein verlassenes Krankenhaus und gerät dort in einen Strudel aus übernatürlichem Schrecken, psychologischem Horror und tödlichen Kreaturen.


Officer Jason Thompson wird zu einem verlassenen Krankenhaus gerufen – ein Schauplatz, der im Horror-Genre mittlerweile beinahe zum Inventar gehört. Bereits nach den ersten Minuten wird klar, dass sich hinter den maroden Mauern mehr verbirgt als ein gewöhnlicher Einsatz. Tief unter dem Gebäude erstreckt sich ein verwinkeltes Labyrinth aus Korridoren, Laboren und vergessenen Räumen, in denen unheimliche Kreaturen auf ihre Opfer lauern.

Atmosphärisch gelingt es It Reaches durchaus, eine unangenehme Grundspannung aufzubauen. Das Gefühl der Isolation funktioniert, die Dunkelheit erzeugt Druck und die stetige Unsicherheit darüber, was hinter der nächsten Tür wartet, sorgt zunächst für Neugier.

Allerdings verliert das Szenario schnell an Wirkung. Zu vertraut wirken viele Umgebungen, zu austauschbar zahlreiche Assets. Türen, Korridore, Warnschilder und Interaktionselemente vermitteln permanent das Gefühl, bereits in zahllosen anderen Indie-Horror-Spielen unterwegs gewesen zu sein. Statt eine eigene Identität zu entwickeln, bewegt sich das Spiel oftmals in bekannten Genre-Mustern.


Spielerisch orientiert sich It Reaches stark an klassischen Survival-Horror-Konzepten. Hinweise sammeln, Schalter aktivieren, Schlüssel finden und Gegnern ausweichen bestimmen den Großteil der Spielzeit. Das Problem besteht dabei weniger in den bekannten Mechaniken selbst, sondern in deren Umsetzung. Die Rätsel bleiben durchweg simpel und verlangen kaum mehr als das Absuchen der Umgebung. Anspruchsvolle Denkaufgaben oder kreative Spielideen sucht man vergeblich. Auch die Gegner sorgen nur bedingt für Spannung. Kleinere Kreaturen stellen kaum eine ernsthafte Gefahr dar und dienen eher als Hindernis denn als Bedrohung.

Die größeren Monster hingegen schlagen häufig ins andere Extrem um und können den Spieler innerhalb kürzester Zeit ausschalten. Dadurch entsteht ein unausgewogenes Spielgefühl, das selten herausfordernd, aber gelegentlich frustrierend wirkt. Hinzu kommt, dass das Ressourcenmanagement überraschend wenig Bedeutung besitzt. Munition und Hilfsmittel sind ausreichend vorhanden, wodurch der typische Überlebenskampf des Genres kaum zur Geltung kommt. Die Möglichkeit, Waffen durch gefundene Bolzen aufzuwerten, klingt zunächst interessant, entfaltet spielerisch jedoch nur begrenzte Auswirkungen.


Das zentrale Verkaufsargument von It Reaches ist zweifellos die Bodycam-Darstellung. Die Perspektive soll das Geschehen authentischer wirken lassen und die Distanz zwischen Spieler und Spielfigur minimieren. In einzelnen Momenten gelingt das tatsächlich. Wenn sich eine Kreatur aus der Dunkelheit nähert oder unbekannte Geräusche durch die verlassenen Gänge hallen, entsteht durchaus ein intensives Mittendrin-Gefühl. Langfristig wird die Perspektive jedoch selbst zum Problem. Der dauerhaft aktive Fischaugen-Effekt verzerrt das Bild erheblich und erschwert die Orientierung. Selbst nach mehreren Stunden wirkt die Darstellung ungewohnt und anstrengend.

Während das optionale Kamerawackeln deaktiviert werden kann, bleibt die starke Verzerrung dauerhaft erhalten. Dadurch entsteht stellenweise weniger Immersion als vielmehr visuelle Überforderung. Gerade in hektischen Situationen leidet die Übersicht erheblich, was den Spielfluss spürbar beeinträchtigt. Besonders schade ist, dass It Reaches durchaus einige kreative Ansätze bietet. So können bestimmte Monster auf Geräusche reagieren und sogar das Mikrofon des Controllers wahrnehmen. Wer zu laut atmet oder spricht, riskiert unter Umständen, entdeckt zu werden.


Solche Ideen besitzen das Potenzial, für intensive Horrormomente zu sorgen. Leider wird dieser positive Eindruck regelmäßig durch technische Probleme überschattet. Vor allem die Performance präsentiert sich in einem unausgereiften Zustand. Immer dann, wenn Gegner auftauchen oder mehrere Effekte gleichzeitig dargestellt werden, gerät die Bildrate sichtbar ins Straucheln. Gerade in Verfolgungssequenzen oder Fluchtsituationen kann dies erhebliche Auswirkungen auf das Spielerlebnis haben. Hinzu kommen kleinere Grafikfehler, Pop-ins und gelegentliche Darstellungsprobleme, die den Eindruck einer insgesamt unfertigen Produktion verstärken.

Auch die akustische Präsentation hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Zwar erzeugen Musik und Soundeffekte grundsätzlich eine passende Horroratmosphäre, die Abmischung wirkt jedoch unausgewogen. Dialoge gehen regelmäßig in der Hintergrundmusik unter und verlieren dadurch an Wirkung. Besonders ärgerlich fällt dies in storyrelevanten Momenten auf, in denen wichtige Informationen nur schwer verständlich bleiben. Die Untertitel schaffen nur bedingt Abhilfe. Ihre geringe Größe macht das Lesen auf größeren Fernsehern unnötig schwierig. Moderne Optionen zur Anpassung von Schriftgröße oder Lesbarkeit fehlen vollständig. Gerade bei einem storyorientierten Horror-Spiel wirkt dieser Mangel an Barrierefreiheitsoptionen überraschend rückständig.


Nach etwa drei bis vier Stunden ist das Abenteuer bereits beendet. Grundsätzlich spricht nichts gegen eine kompakte Spielzeit – viele erfolgreiche Horror-Titel profitieren sogar von ihrer Kürze. Im Fall von It Reaches entsteht jedoch das Gefühl, dass zahlreiche Ideen nicht ausreichend ausgearbeitet wurden. Die Handlung entwickelt interessante Ansätze rund um die Vergangenheit des Protagonisten, erreicht jedoch nie die emotionale Tiefe, die notwendig wäre, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Auch das Finale wirkt abrupt und hinterlässt mehr offene Fragen als befriedigende Antworten. Dadurch endet die Reise genau in dem Moment, in dem sie eigentlich an Fahrt aufnehmen sollte.

It Reaches ist ein Horror-Spiel voller guter Ideen, das jedoch nur selten das Niveau erreicht, das seine Konzepte versprechen. Die Bodycam-Perspektive sorgt zunächst für Neugier, verliert durch ihre anstrengende Umsetzung aber schnell an Reiz. Atmosphärisch gelingen dem Titel einige starke Momente, doch spielerische Durchschnittskost, technische Probleme und eine wenig überzeugende Geschichte verhindern den Sprung über das Mittelmaß hinaus.

Wer nach einem kurzen Horror-Abenteuer für einen Abend sucht und technische Schwächen tolerieren kann, findet hier durchaus solide Unterhaltung. Die wirklich großen Schockmomente oder nachhaltigen Erinnerungen bleiben jedoch aus. Am Ende fühlt sich It Reaches wie ein Spiel an, das viele interessante Ideen besitzt, aber nie die Zeit oder die Mittel hatte, sie vollständig auszuschöpfen.



Fakten:

 

Genre: Action, Adventure

Erscheinungsdatum: 26. Mai 2026

Publisher: Perp Games

Entwickler: Emberflight Games

Spieler: 1

Altersfreigabe: ab 18 Jahre

Preis: ab 14,99 Euro (PlayStation 5, Xbox Series X|S, PC)

Offizielle Website: https://perpgames.com/


Bewertung:

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