Ereban: Shadow Legacy (PS5) im Test
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- vor 4 Tagen
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Mit Ereban: Shadow Legacy betritt ein Indie-Titel die Bühne, der sich bewusst von klassischen Schleichspielen absetzt. Das Debüt von Baby Robot Games, veröffentlicht von SelectaPlay, kombiniert Stealth, Platforming und hohe Bewegungsgeschwindigkeit zu einem ungewöhnlich dynamischen Gesamtbild. Statt Geduld und Stillstand stehen hier Timing, Flow und kreative Nutzung von Schatten im Vordergrund.
Das zentrale Element von Ereban ist die Fähigkeit, mit der Umgebung zu verschmelzen. Schatten sind nicht bloß Verstecke – sie sind Wege, Werkzeuge und Waffen zugleich. Ayana gleitet durch dunkle Flächen, überwindet Hindernisse beinahe schwerelos und taucht dort auf, wo Gegner sie am wenigsten erwarten. Diese Mechanik verändert die typische Stealth-DNA spürbar. Anstelle des langsamen Vortastens entsteht ein flüssiger, fast parkourartiger Spielfluss. Gut gespielte Abschnitte wirken eher wie eine präzise Choreografie als wie vorsichtiges Schleichen. Genau hier entfaltet das Spiel seine größte Stärke: Es fühlt sich anders an.

Zusätzliche Fähigkeiten und Gadgets erweitern das Repertoire im Verlauf sinnvoll, ohne das Spiel unnötig zu überladen. Die Entscheidung, ob lautlos infiltriert oder offensiv vorgegangen wird, bleibt jederzeit beim Spieler – ein Aspekt, der den Wiederspielwert merklich erhöht.
Die Level sind klar um die Schattenmechanik herum konstruiert. Lichtquellen, Patrouillenrouten und alternative Wege greifen grundsätzlich gut ineinander. In gelungenen Momenten entsteht ein spannendes Zusammenspiel aus Planung und Improvisation.
Allerdings fehlt es manchen Abschnitten an Raffinesse. Die Areale bieten oft zu wenig visuelle oder spielerische Verdichtung, wodurch sie stellenweise leer wirken. Gerade angesichts der starken Kernidee hätte man sich komplexere, stärker verzahnte Level gewünscht, die das volle Potenzial der Mechaniken konsequenter ausschöpfen.
So geschmeidig das Spiel in seinen besten Momenten läuft, so deutlich treten seine Schwächen unter Druck zutage. Die Steuerung reagiert nicht immer so präzise, wie es das hohe Tempo verlangt. Besonders beim Wechsel zwischen Schattenzustand und physischer Bewegung kommt es zu kleinen Ungenauigkeiten, die den Spielfluss stören können.

Die Gegner-KI zeigt ein ähnliches Bild: solide im Ansatz, aber inkonsistent in der Ausführung. Mal reagieren Feinde überzeugend auf Sicht und Geräusche, mal wirken ihre Reaktionen schwer nachvollziehbar oder zu schematisch. Das untergräbt gelegentlich das Gefühl, wirklich ein ausgeklügeltes Stealth-System zu meistern. Visuell setzt Ereban auf einen stilisierten Look, der futuristische Dystopie mit klaren, fast comicartigen Formen verbindet. Besonders gelungen ist der Einsatz von Licht und Schatten, der nicht nur ästhetisch überzeugt, sondern direkt ins Gameplay integriert ist.
Trotzdem bleibt ein gewisser Abstand zur Spielwelt bestehen. Einige Umgebungen wirken funktional, aber wenig belebt. Details fehlen, Farbpaletten wiederholen sich, und die Welt gewinnt selten an greifbarer Tiefe. Akustisch unterstützt das Spiel seine Ausrichtung zuverlässig. Der Soundtrack trägt die ruhige, gespannte Grundstimmung, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Die Soundeffekte erfüllen ihren Zweck, setzen aber kaum eigene Akzente. Die Prämisse rund um Ayana und ein ausbeuterisches Energieimperium bietet eigentlich genug Stoff für eine fesselnde Geschichte.
Themen wie Herkunft, Verlust und Macht sind vorhanden, werden jedoch eher angerissen als konsequent ausgearbeitet. Auch die Inszenierung bleibt zurückhaltend. Figuren gewinnen nur begrenzt Profil, und emotionale Höhepunkte sind selten. Dadurch bleibt die Handlung hinter der spielerischen Originalität zurück. Mit einer Spielzeit von etwa fünf bis zwölf Stunden ist das Abenteuer zudem relativ kompakt. Zwar laden alternative Spielstile zum erneuten Durchspielen ein, doch insgesamt hätte ein größerer Umfang dem Spiel gutgetan.
Ereban: Shadow Legacy ist ein Spiel, das vor allem durch seine Idee überzeugt. Die Verschmelzung mit Schatten als aktive Fortbewegungsform verleiht dem Stealth-Genre eine ungewohnte Dynamik und sorgt für viele erinnerungswürdige Momente. Dem gegenüber stehen typische Schwächen eines ambitionierten Erstlings: technische Ungenauigkeiten, eine nicht ganz ausgereifte KI sowie eine Geschichte, die ihr eigenes Potenzial nur streift.
Fakten:
Genre: Action & Adventure
Erscheinungsdatum: 16. April 2026
Publisher: SelectaPlay
Entwickler: Baby Robot Games
Spieler: 1
Altersfreigabe: ab 16 Jahre
Preis: ab 19,99 Euro (Playstation 5, Xbox Series X|S, PC)
Offizielle Website: https://selecta-play.com/de/
Bewertung:

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