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Code Vein II (PS5) im Test

  • Autorenbild: playmoregames
    playmoregames
  • 7. Feb.
  • 4 Min. Lesezeit

Mit "Code Vein II" kehrt Bandai Namco in ein Genre zurück, das sich seit dem Erscheinen des ersten Teils grundlegend weiterentwickelt hat. Soulslikes sind längst kein Nischenphänomen mehr, sondern ein Feld, in dem sich kreative Eigenständigkeit zunehmend als entscheidendes Qualitätsmerkmal etabliert. Genau hier offenbart "Code Vein II" seine größte Schwäche: Das Spiel ist kompetent, durchdacht und umfangreich – doch es bleibt bemerkenswert konturlos.


"Code Vein II" versteht sich weniger als direkte Fortsetzung denn als thematischer Nachfolger. Die Handlung verlagert sich erneut in eine postapokalyptische Welt, in der Revenants und Menschen in einem brüchigen Gleichgewicht koexistieren. Eine neue Bedrohung zwingt diese Fraktionen zur Zusammenarbeit und eröffnet theoretisch Raum für politische Spannungen, moralische Konflikte und persönliche Tragödien. In der Praxis bleibt dieses Potenzial weitgehend ungenutzt. Die Welt wird nicht erzählt, sondern behauptet. Ihre Konflikte sind präsent, aber selten spürbar. Statt einer lebendigen Spielwelt entsteht eine funktionale Kulisse, die vor allem als Rechtfertigung für neue Gebiete und Gegner dient.

Zentraler Schwachpunkt ist die Erzählstruktur. Der Spieler steuert einen stummen, bewusst neutral gehaltenen Protagonisten, der kaum als handelnde Figur wahrnehmbar ist. Diese Entscheidung raubt der Geschichte ihre emotionale Perspektive. Ereignisse entfalten keine Wirkung, weil sie nicht reflektiert werden – weder durch die Hauptfigur noch durch glaubwürdig reagierende Nebencharaktere. Letztere bleiben ebenfalls erstaunlich blass. Ihre Hintergrundgeschichten werden überwiegend in langen, fest inszenierten Rückblenden vermittelt, die den Spielfluss empfindlich stören. Statt Neugier zu wecken, erzeugen diese Sequenzen Distanz. Inhaltlich ist vieles ambitioniert: Zeitmanipulation, Identitätsfragen, Opfermoral und Machtstrukturen werden angerissen, jedoch nie stringent ausgearbeitet. Die Erzählung wirkt dadurch überladen und gleichzeitig leer. Komplexität ersetzt keine emotionale Verankerung.


Ironischerweise zeigt "Code Vein II" ausgerechnet dort größte Sorgfalt, wo sie spielerisch kaum Relevanz besitzt. Der Charaktereditor ist außergewöhnlich detailliert und gehört zu den besten seiner Art. Doch ohne Mehrspielermodus und ohne narrative Rückkopplung bleibt diese Stärke folgenlos. Die Individualisierung dient allein dem Spieler selbst – ein verschenktes Differenzierungsmerkmal in einem ansonsten austauschbaren Rahmen.

Seine eigentliche Qualität entfaltet "Code Vein II" im Kampfsystem. Dieses ist komplex, flexibel und klar auf Build-Experimente ausgelegt. Unterschiedliche Waffentypen, Forma-Fähigkeiten, Jails und das zentrale Blood-Code-System greifen ineinander und ermöglichen stark variierende Spielstile.

Besonders das Blood-Code-System überzeugt konzeptionell. Anstatt Werte einzeln zu steigern, definiert ein Code das gesamte Rollenprofil. Jede Wahl bringt klare Stärken und Schwächen mit sich und zwingt zu bewussten Entscheidungen. In Verbindung mit Ausrüstung und Fähigkeiten entstehen tatsächlich unterschiedliche Charakterkonzepte. Allerdings leidet dieses System unter mangelhafter Vermittlung. Viele Mechaniken bleiben lange abstrakt, ihre Wechselwirkungen werden unzureichend erklärt. Erst nach erheblicher Spielzeit entsteht ein solides Verständnis. Das mag erfahrene Soulslike-Spieler nicht abschrecken, wirkt aber unnötig abschottend.


Trotz mechanischer Tiefe fehlt es dem Kampfsystem an physischer Präsenz. Treffer vermitteln zu wenig Wucht, Gegner reagieren uneinheitlich auf Angriffe, und selbst schwere Waffen fühlen sich oft überraschend leicht an. Das Feedback bleibt hinter dem Anspruch zurück. Bosskämpfe erfüllen ihre funktionale Rolle, sind jedoch kaum erinnerungswürdig. Zwar folgen sie bekannten Genre-Mustern mit mehreren Phasen und klaren Angriffsmustern, doch es fehlt an ikonischem Design oder erzählerischer Einbettung. In einem Genre, das stark von seinen Antagonisten lebt, ist das ein spürbares Defizit.

Auch die Spielwelt trägt wenig zur Identitätsbildung bei. Halb offene Areale führen durch bekannte Motive: Ruinen, Industrieanlagen, Wälder, verseuchte Zonen. Alles ist solide umgesetzt, aber visuell austauschbar. Innenräume wirken repetitiv, Atmosphäre entsteht eher durch Erwartung als durch Gestaltung. Das Motorrad als Fortbewegungsmittel soll Dynamik und Freiheit vermitteln, fügt sich jedoch weder spielmechanisch noch atmosphärisch überzeugend ein. Es wirkt wie ein funktionaler Zusatz, nicht wie ein integraler Bestandteil des Designs.


Technisch präsentiert sich "Code Vein II" unauffällig. Auf aktueller Hardware läuft das Spiel überwiegend stabil, wird jedoch von gelegentlichen Framerate-Einbrüchen begleitet. Die grafische Qualität bleibt durchschnittlich. Texturen und Effekte erfüllen ihren Zweck, setzen aber keine Akzente. Besonders problematisch ist die generische Art Direction. Der Welt fehlt ein visuelles Profil, das sie von anderen Genrevertretern abhebt. Teile des Charakterdesigns wirken stilistisch inkonsequent und unterminieren den ernsten Ton der Erzählung.

"Code Vein II" ist ein in sich funktionierendes, aber letztlich ambitionsloses Spiel. Es bietet Tiefe im System, Vielfalt im Build-Design und ausreichend Herausforderung für Genre-Fans. Doch ohne erzählerische Kraft, ohne prägnante Figuren und ohne eine eigenständige Welt bleibt das Erlebnis erstaunlich emotionsarm. In einem Soulslike-Markt, der zunehmend von starken künstlerischen Handschriften geprägt wird, wirkt "Code Vein II" wie ein sauber produzierter, aber mutloser Beitrag. Technisch kompetent, spielerisch solide – und dennoch kaum erinnerungswürdig. Für Enthusiasten mag es ein brauchbares Experimentierfeld sein. Für alle anderen bleibt es ein Beispiel dafür, dass funktionierende Mechanik allein keine Identität ersetzt.



Fakten:

 

Genre: Rollenspiel, Action & Adventure

Erscheinungsdatum: 27. Januar 2026

Publisher: Bandai Namco

Entwickler: Bandai Namco

Spieler: 1

Altersfreigabe: ab 12 Jahre

Preis: ab 59,99 Euro (PS5, Xbox Series X|S, PC)

Offizielle Website: https://de.bandainamcoent.eu/


Bewertung:

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